Die Kräfteverhältnisse auf dem Ausbildungsmarkt haben sich verschoben. Weg von den Betrieben hin zu den Lehrlingen. Noch vor wenigen Jahren gab es mehr Schulabgänger als Lehrstellen. Da konnten sich die Betriebe ihre Azubis aussuchen. "Früher musste man überlegen, wie vermittle ich die richtigen Leute an die richtigen Berufe", sagt Rudolf Hoffmann, Leiter der städtischen Berufsschule.

Das hat sich geändert. Die deutsche Wirtschaftsmotor läuft wie geschmiert, es gibt viele Lehrstellen und nicht genug junge Menschen, um alle zu besetzen. "Mittlerweile suchen die Betriebe nach Auszubildenden", sagt Hoffmann.

Wettbewerb um Nachwuchs

Die Entwicklung betrifft einige Branchen mehr als andere: Beliebt bei den Schulabgängern sind etwa eine kaufmännische Ausbildung oder ein Studium. Vor allem traditionelle Handwerk sberufe und die Gastronomie haben Probleme, sich in dem harten Konkurrenzkampf um Lehrlinge zu behaupten.

"Die Betriebe müssen an ihrem Image arbeiten", fordert Hofmann. Metzger fallen ihm als Beispiel ein. Das sei an moderner, anspruchsvoller Beruf mit einer qualifizierten Ausbildung und negativen Image. "Jeder denkt daran, dass man Schweine schlachten muss", sagt er. Dabei sei das heutzutage gar nicht mehr zutreffend, ein Großteil der Metzger beziehe die Ware vom Schlachter.

Für die Betriebe ist im Wettbewerb um Nachwuchskräfte zum einen ihre Außenwirkung wichtig. Zum anderen suchen sie den direkten Kontakt zu Schulabgängern und deren Eltern, um neue Azubis zu gewinnen. Eine gut etablierte Plattform dafür ist der Berufsinformationstag an der Staatlichen Berufsschule Bad Kissingen. Die Berufsmesse findet am Sonntag, 23. März, zum neunten Mal statt. Seit 1997 präsentieren sich dort alle zwei Jahre Firmen, Innungen und Kammern, um für ihre Ausbildungsberufe Werbung zu machen.

Berufsmesse als Werbeplattform

"Der Berufsinformationstag hat seit dem erstem Mal eine ungemeine Dynamik entwickelt", sagt Schulamtsleiter Josef Hammerl. Im Durchschnitt wurden immer rund 3000 Besucher angesprochen. Dieses Jahr werden mehr als 100 Berufe vorgestellt, unter denen sich die Lehrlinge entscheiden können. Metzger, Bauarbeiter, Bäcker, Schreiner, Friseur, Krankenpfleger, Bankkaufmann. "Zukünftige Auszubildende können sich einen Einblick in die verschiedensten Berufsbilder verschaffen", sagt Hammerl. Und zwar nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch, denn die Betriebe sind in den jeweiligen Fachwerkstätten der Berufsschule untergebracht. Da kann einiges direkt ausprobiert werde, etwa wie es sich anfühlt an einer Drechselbank zu arbeiten.

Die Veranstaltung soll alle Schultypen ansprechen, von der Mittelschule bis zum Gymnasium. "Im Grunde wollen wir die Leute für die duale Ausbildung begeistern", sagt Schulleiter Rudolf Hoffmann. Auch mit einer klassischen Lehre gebe es viele Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Etwa zum Hotelbetriebswirt oder Handwerksmeister, auch die Hochschulzulassung ist möglich. "Die berufliche Bildung ist nicht bei der Mittelschule zu Ende. Sie ist durchlässig bis zur Universität", betont Hoffmann.

Jobgarantie

Ihm ist klar, dass die Bevölkerungsentwicklung und der Trend hin zu akademischen Berufen schwer umzukehren ist. "Wir wollen den Jugendlichen aber die Perspektiven aufzeigen", erklärt Hoffmann.

Kreishandwerksmeister Werner Paltian ist sich sicher, dass das Handwerk noch immer einen goldenen Boden hat. "Da ist richtig Geld zu verdienen", sagt der Schreinermeister. Ein Handwerker mit einer guten Ausbildung habe seinen Arbeitsplatz sicher.