Er strahlt über beide Ohren: "Ich freue mich, endlich anfangen zu dürfen." So etwas wie Lampenfieber oder Aufregung vor einer Premiere kennt Bernhard Löser nicht. Der 31jährige Leiter des neuen Kissori-Gymnasiums, das morgen, pünktlich zum Schulbeginn, seinen Betrieb aufnimmt, ist völlig gelassen. Und Michael Presl, der Vorsitzende und Gründer der "Kissori-Lern zentrum gGmbH", stellt nicht minder trocken fest: "So entspannt kann die Schule angehen."

In der Tat funktioniert im Schulzentrum an der Salinenstraße alles ein bisschen anders als an gewöhnlichen Schulen. Bernhard Löser sagt: "Ich habe schon alle Gymnasiasten und die Eltern kennengelernt. Die Kinder hatten ein 'Screening' zu absolvieren, aufgrund dessen sie von der Kissori-Grundschule oder einer anderen ins Kissori-Gymnasium wechseln können.

Wir hatten bereits ein Übertrittsritual Anfang Juli, morgens um vier im Wald", erzählt er. Und der pädagogische Leiter des Lernzentrums, Richard Lutz, ergänzt augenzwinkernd: "Das war extra so früh und nicht abends. Nicht dass die Schüler auf die Idee kommen, Gymnasium heißt spät ins Bett gehen."

Mischung aus verschiedenen Pädagogikstilen


Gymnasialleiter Löser ist bereits seit gut einem halben Jahr im Hause. "Wir haben in dieser Zeit ein etwa 100-seitiges Konzept erarbeitet", sagt er. Und das wird nun die Grundlage für die Arbeit an der neuen Bildungseinrichtung sein. Sie orientiert sich, auch wenn die Lehrkräfte die Stoffverteilung selbst steuern können, am bayerischen Lehrplan für Gymnasien.

Aber sie hat außerdem vier weitere Säulen: neben der Pädagogik von Maria Montessori ist es die "Pädagogik der Arbeit" des französischen Reformpädagogen Célestin Freinet, die "Themenzentrierte Interaktion" der Berliner Psychologin Ruth Cohn und das Coaching für Lehrer, Schüler und Eltern.

Hier wird, wie in der Kissori-Grundschule auch, ganzheitlich gearbeitet und gelernt. Dabei orientieren sich die Lehrkräfte stets am "Ist": Wenn die Temperaturen wieder zu sinken beginnen, ist es Zeit, sich mit negativen Zahlen zu beschäftigen und beispielsweise auch mit dem Thema Messen, Maßeinheiten und anderem mehr, erläutert Löser. Er ist studierter Mathematiker und Sportler und überzeugt davon, dass Lernen Spaß machen kann und soll.

Langer Weg bis zur Genehmigung


Für die Unterrichtsaufnahme im Gymnasialbetrieb hatte das Kissori-Lernzentrum vier weitere Lehrkräfte eingestellt. Und es wird mehr werden, wenn nächstes Jahr nicht nur eine fünfte Klasse mit 14 Schülerinnen und Schülern im Hause sein wird, sondern dann eine sechste und eine neue fünfte. Von den ersten Kissori-Gymnasiasten kommen übrigens sieben aus der eigenen Grundschule, sieben weitere sind von "auswärts" hinzugekommen.

Die Aufnahme des Gymnasialunterrichts ist das vorläufige Ende einer Zeit langer und intensiver Vorarbeit. Richard Lutz und Geschäftsführer Michael Presl hatten das Konzept für das Kissori-Gymnasium im Frühjahr im Bayerischen Kultusministerium vorgestellt, Bernhard Löser seit Februar gemeinsam mit ihnen und dem Lehrerteam das pädagogische Konzept feingeschliffen und weitere Lehrkräfte an Bord geholt.

Informationsabend ist geplant


Jetzt heißt es, vier Jahre ohne staatliche Förderung durchzuhalten. Denn neu gegründete Privatschulen müssen in Bayern über diesen Zeitraum unter Beweis stellen, dass sie "laufen", und erst danach gibt es Zuschüsse.
Interessierte Eltern, die darüber nachdenken, ihr Kind ans Kissori-Gymnasium zu schicken, können sich bereits jetzt über die Homepage der Einrichtung (www.kissori.de) bewerben. Ende November ist zudem ein Informationsabend für Interessierte geplant.