Mir san mir und schreib'n uns uns: Die Bayernpartei (BP) strebt zurück auf die politische Bühne. Ihr Programm könnte man so zusammenfassen: Der Freistaat braucht die Bundesrepublik gar nicht, er ist stark genug für einen Alleingang.

Die (wenigen) Funktionäre sind aber keine Revoluzzer, sondern engagierte und überzeugte Protestler, die sich vom Staat nicht länger gängeln lassen wollen. So auch Bezirksvorsitzender Uwe Hartmann aus Kitzingen. Sein politisches Motto: "Ein Bayern ohne Deutschland wäre liebens- und lebenswerter."

Der 49-Jährige ist durch seine Tochter Marion zur Politik gekommen. Die hatte Papis Dauergeschimpfe bei der Zeitungslektüre am Frühstückstisch satt und meinte einmal: "Hör' auf zu meckern, mach' selber was."
Da habe er überlegt, so Hartmann, der sich selbst politisch zwischen FDP und Freien Wählern ansiedelt, wo er das tun könne. Er ging zur BP. Das war im November 2008. Damals hatte die Gruppierung in Kitzingen acht Mitglieder, heute seien es 27. Auf Bezirksebene habe sich die BP-Schar seit Mai auf 128 sogar verdoppelt. Und die hätten eine "erstaunliche Altersstruktur": 60 Prozent seien 30 Jahre oder jünger, sagt Hartmann.

Er wurde schnell und einstimmig zum Bezirksvorsitzenden gewählt, ist auch der BP-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl. Allerdings konnte er in Unterfranken und in der Lokalpolitik noch keine Bäume ausreißen: Magere 0,4 Prozent stimmten im Bezirk für die BP. Jetzt aber, sagt er, "können wir flächendeckend auftreten".

Hochgesteckte Ziele

Die Ziele sind ambitioniert: "Wir streben den Wiedereinzug in den Bayerischen Landtag an", sagt Hartmann. Ein oder zwei BPler sollen in den Bezirkstag.
Einer davon soll der Bad Kissinger Günter Groß (69) sein, der sich heute zum Kreisvorsitzenden wählen lassen will. Um 17 Uhr ist im Kurgarten-Café die Gründungsversammlung des Kreisverbandes Bad Kissingen/Rhön-Grabfeld. In beiden Kreisen hat die BP laut Hartmann 25 Mitglieder, davon 19 im Raum Bad Kissingen. Viel mehr hat die FDP hier auch nicht. 25 bis 30 sollen es bis zur Wahl sein.

Gegen die Bevormundung

Groß, bekennender Raucher - "selbstverständlich" - mit Lungenkrankheit (nach Unfall) war früher in der SPD. In Erscheinung getreten ist er als Landesvorsitzender des Bundes freier Bürger. Diese Organisation hatte es sich zum Ziel gesetzt, dass in den Kneipen wieder gequalmt werden darf. So kam Groß im Juli 2012 zur BP. Denn die will das gleiche Ziel per Volksentscheid - "Ja zur Wahlfreiheit für Gäste & Wirte" - durchsetzen und sieht sich hier auf einem guten Weg.

Zuvor hat Groß noch nie für ein Amt kandidiert. Er sei aber politisch interessiert, sagt der Rentner. Ihn ärgere die Bevormundung der Bürger durch den Staat. Es gehe schon lange nicht mehr nur ums Rauchen.

Geschichte Die Bayernpartei wurde am 28. Oktober 1946 in München gegründet. In der Staatsregierung war sie von 1954 bis 1957 und von 1962 bis 1966 vertreten, stellte mehrere Minister. Nach ersten beachtlichen Erfolgen begann aber schon 1950 der Niedergang. 1949 hat sie noch bundesweit 4,2 Prozent und 17 Bundestagsmandate sowie 17,9 Prozent bei der Landtagswahl erreicht. Die CSU koalierte aber mit der SPD. Von nun an ging's bergab. 1967 war die BP kurz vor der Selbstauflösung. 1979 begann die Phase der Konsolidierung. Unter anderem beteiligt sich die BP am Volksbegehren gegen das Rauchverbot. Bei der Landtagswahl 2008 musste sie sich mit 1,1 Prozent bescheiden, bei der Bundestagswahl mit 0,7 Prozent. Das waren die besten Ergebnisse seit vielen Jahren.
Status Heute hat die BP nach eigenen Angaben 4000 Mitglieder (zum Vergleich die Landes-FDP: 5700). Vorsitzender ist Florian Weber (Bad Aibling). Die BP ist in acht Bezirksverbände gegliedert. Das Grundsatzprogramm heißt "Mut zur Freiheit". Gefordert werden unter anderem eine eigenständige Republik Bayern und eine Basisrente von 1500 Euro für jeden, der 45 Jahre oder mehr gearbeitet hat. Mehr Informationen unter www.landesverband.bayernpartei.de.
Termine Die Gründungsversammlung des Kreisverbandes beginnt am heutigen Samstag um 17 Uhr im Kurgarten-Café (Regentenbau) . Gegen 19 Uhr findet an gleicher Stelle der Bezirksparteitag statt. Bezirksvorsitzender Uwe Groß wird dabei auch auf die Wahljahre 2013/ 2014 einstimmen.