Im Proberaum des Jack-Steinberger-Gymnasiums wird es mit einem mal ruhig, als Beke Bohn die Saiten ihrer Ukulele anspielt: "Let the good vibes flow and the music's gonna grow - in you", erklingen die Töne, das Lied wird dabei sehr gefühlvoll von Kevin Gerschütz auf dem Cajón begleitet. Mit einem Mal fühlt man sich in eine andere Welt versetzt, es ist der Zauber der Musik, der hier mit Händen zu greifen ist. Die Texte regen zum Nachdenken an.
Auch das Instrumentalstück "Ljusterö", welches Lisa Loesenbeck im Anschluss auf dem Klavier interpretiert, entfaltet seinen ganz eigenen Reiz, und das ohne Textbegleitung. Zuhörer sind von den Stücken gleich nach den ersten Tönen fasziniert und fragen sich, wer diese schönen Lieder geschrieben hat. Die Antwort darauf ist gleich gegeben: sie wurden von den Schülern selbst komponiert, im Projekt-Seminar "Songwriting" haben sie sich zusammengefunden, die Grundlagen gelernt und dann eigene Songs geschrieben. Diese sollen im Rahmen eines Konzerts einem größeren Publikum vorgeführt werden.
"Wir sind gerade noch mitten in den Arbeiten", sagt Luca Rihm, die am P-Seminar teilnimmt. Einiges ist noch zu tun, bevor man den Auftritt hat. "Wir müssen die Noten für den E-Bass notieren", sagt sie. Die Hauptarbeit ist aber getan, jetzt geht es an die Feinheiten.
Musiklehrerin Elke Jörg ist mit der Leistung ihrer Schützlinge sehr zufrieden: "Ich bin sehr stolz darauf, was hier in den vergangenen Monaten geleistet wurde". P-Seminare gibt es am Gymnasium viele, das "Songwriting" der Q 12 hebt sich jedoch von diesen ab. Denn beim Lieder komponieren gebe man auch einen Teil von sich selbst preis, was am Anfang schon etwas Überwindung kostete, die Gruppe dafür aber umso mehr zusammenschweißte. Und natürlich kann man in so kurzer Zeit - das P-Seminar ging im Januar los - nicht die Grundlagen der Musik lernen. "Das war aber kein Problem - alle Teilnehmer sind auf die eine oder andere Weise mit der Musik verbunden und spielen auch ein Instrument", wirft Luca Rihm ein. Sie selbst singt in der Rockband "Jukebox" und hatte hier schon einige beeindruckende Auftritte, einige der Seminarteilnehmer spielen seit vielen Jahren in Blaskapellen mit oder singen in Chören. "Jeder ist bei uns auf die eine oder andere Weise musikalisch tätig, für uns alle ist die Musik ein Hobby, das viel Spaß macht", sagt Beke Bohn. Fast alle standen schon auf der Bühne - Lampenfieber hat man vor der Premiere trotzdem. Die musikalische Begleitung übernehmen die Seminarteilnehmer, wobei viele Instrumente zum Einsatz kommen. Ob Gitarre, Klavier, Schlagzeug, E-Bass, Klarinette, Vibraphon oder Cajón - die Palette ist sehr groß, für Abwechslung ist also beim Konzert besorgt. Dabei reicht sie von Balladen über Instrumentalstücke bis hin zur elektronischer Musik. Letztere hat Yannic Schlereth mit einem Computerprogramm komponiert, man zeigt sich beim P-Seminar für alle musikalischen Strömungen offen.
Doch wie lernt man eigentlich, ein Lied zu schreiben und: kann man das überhaupt lernen? "Gewisse Grundlagen wurden natürlich vermittelt: so beispielsweise Akkordfolgen, die man verwenden kann und auch, wie man beim Komponieren am besten vorgeht", erklärt Elke Jörg. Dennoch braucht es viel Kreativität, bis man einen Song hat. "Wir haben dabei unsere Lieblingssongs gehört und überlegt, wie diese komponiert sind. Wichtig war es dabei, einfach Dinge auszuprobieren", sagt Luca Rihm. Inspiration hat man sich aber auch an Orten geholt, die man sehr gerne hat. Das Instrumentalstück von Loesenbeck mit dem Namen "Ljusterö" verweist auf die schwedische Insel, zu der sie eine innige Verbindung hat. "Oft überlegt man sich ein Thema, baut Assoziationen dazu auf, woraus sich dann das Lied langsam und stückweise entwickelt", weiß Kevin Gerschütz zu berichten. Dabei ist man aber auf die Inspiration angewiesen. Denn die Teilnehmer haben die Erfahrung gemacht, dass manchmal über Tage hinweg nichts geht, bis dann der richtige Einfall kommt und das Lied in kurzer Zeit fertig ist. "Kreativität kann man nicht lernen, man hat sie oder eben nicht", weiß auch Elke Jörg.
Trotzdem haben die Teilnehmer des P-Seminars die wichtige Erfahrung gemacht, dass man auch schwere Hürden meistern kann und - wenn man will - vieles schaffen kann. Die eindrucksvollen Eigenkompositionen sind der Beweis dafür. "Ich bin sehr zufrieden mit der Gruppe. Sie hat Durchhaltevermögen und auch Organisationstalent bewiesen. Außerdem lernt man die Schülerinnen und Schüler so von einer privaten Seite kennen, wie dies im normalen Unterricht meist nicht möglich ist", weiß die Lehrkraft.
Doch das Schreiben der Songs und das Üben ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere Sache ist, dass auch das Konzert vorbereitet und organisiert werden muss. Hier haben alle zusammengeholfen: so hat man eigens für das Konzert, das unter dem passenden Motto "Hör meine Musik" steht, ein Logo entworfen. Die Neuen Medien wurden dazu benutzt, die Werbetrommel zu rühren und auch über das Bühnenbild hat man sich schon viele Gedanken gemacht. Denn es sind gerade Details, die ein Konzert ausmachen. Und bis es am 23. November soweit ist, heißt es weiter: Üben, üben, üben. Denn nur wenn die Eigenkompostionen gut sitzen, sind die Teilnehmer des P-Seminars auch wirklich zufrieden. Dabei ist es gar nicht so leicht, in der Gruppe zu musizieren, auch das will geübt werden. Dadurch, dass man Erfahrung in Bands und anderen musikalischen Gruppen hat, hat man hier aber einen großen Vorteil.
"Wir haben auf jeden Fall in dem P-Seminar viel gelernt und uns gegenseitig auch besser kennengelernt", so Lilli Brand. "Das ist bei weitem das beste P-Seminar, das angeboten wurde", ist Luca Rihm begeistert, womit sie das zusammenfasst, was die ganze Gruppe empfindet.

Das Konzert "Hör meinen Song!" findet am 23. November um 19 Uhr in der Aula des Jack-Steinberger-Gymnasiums in der Steinstraße 18 in Bad Kissingen statt. Ein abwechslungsreiches Programm und gute musikalische Unterhaltung sind garantiert. Auch für das leibliche Wohl ist an diesem Abend bestens gesorgt.