Wer denkt, bei einem 45-Millionen-Euro-Projekt kommt viel schweres Gerät zum Einsatz, wird beim Neumann-Flügel eines Besseren belehrt: "Das ist fast alles Handarbeit hier", sagt Polier Michael Seit von der Baufirma "Otto Heil". Arbeiter sägen Balken durch, räumen Deckenfelder aus und brechen Ziegelmauerwerk ab. Wo früher Hotel-Gäste residierten, sollen in drei Jahren moderne Laborgeräte stehen. Das denkmalgeschützte Gebäude wird Teil der geplanten Außenstelle des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL).
Im März 2015 hatte der Freistaat angekündigt, dass im Zuge Behördenverlagerung in Bad Kissingen ein "Haus für Gesundheitsmanagement" entstehen soll. Hundert Arbeitsplätze sind unter dem Dach der LGL vorgesehen. Ende 2015 fiel die Entscheidung, dass dazu Kurhausbad und Neumann-Flügel umgebaut werden, der Einzug ist für 2021 geplant.
Der Neumann-Flügel wird deshalb komplett entkernt. "Alle Decken und Innenwände müssen raus", sagt Architekt Ralf Alsheimer vom Büro "Grellmann, Kriebel, Teichmann". Bereits beim 39 Millionen Euro teuren Behördenzentrum im Luitpoldbad wurde so verfahren, aber: "Dort waren es zwei Geschosse, jetzt haben wir vier Geschosse und eine Höhe von 17 Metern." Deshalb muss zum einen die Fassade mit insgesamt 1100 Metern Stahlträgern gesichert werden: Ein Fachwerk im Innern ist mit Stahl-Gurten an der Außenwand verbunden. Zum anderen kann das Gebäude nicht auf einmal ausgeräumt werden: In einem ersten Bauabschnitt werden jeweils zwölf Meter am Ende des West- und des Südflügels entkernt und neu betoniert, dann folgt der Rest.
Laut Finanz- und Heimatministerium wird aktuell über Dachöffnungen das Stahlfachwerk eingebracht. "Hierzu mussten auch die jeweiligen Decken geöffnet werden", verweist das Ministerium auf Schlitze vom Untergeschoss bis ins Dach über die volle Gebäudebreite. Stockwerk für Stockwerk wird nun das Innenleben des denkmalgeschützten Gebäudes abgetragen.
Von ganz unten werden dann eine Bodenplatte, Innenwände und Decken neu betoniert. Mit den Decken werde auch die Fassade stabilisiert. "Die Außenwand bleibt aber auf den alten Fundamenten, ein Unterfangen ist nicht nötig", berichtet Alsheimer. Das jetzt eingebaute Stahlfachwerk bleibt bis zum Aushärten des Betons und ist so konstruiert, dass es nachträglich herausgehoben werden kann. Das soll in gut einem Jahr sein: "Der Rohbau soll im August/September 2019 fertig sein, dann kommt auch das Dach wieder drauf", berichtet Alsheimer.
"Für das Projekt sind im Staatshaushalt 45 Millionen Euro vorgesehen", heißt es aus dem bayerischen Finanzministerium. Bislang gebe es auch keinen Hinweis, dass sich am Kostenrahmen etwas ändert: "Etwaige Planungsänderungen sind nicht absehbar", fasst ein Sprecher den Stand auf der Baustelle zusammen.
Die laufenden Arbeiten bezeichnet das Ministerium als "bereichsweise getaktete, geschossweise Entkernung". Um den Kurbetrieb nicht zu stören, sei zudem in Richtung Kurgarten eine Schallschutzverkleidung für das Gerüst vorgesehen. Bereits ausgeschrieben oder kurz davor sind laut Ministerium Putz- und Malerarbeiten im Kurhausbad, Brandschutztüren und Fensterbankkanäle im Kurhausbad, die Sanierung der Kastenfenster sowie Trockenbauarbeiten.
Auch die Bitterwasser- und Heilwasseraufbereitungstechnik will der Freistaat auf Vordermann bringen lassen, zudem stehen Arbeiten am Heizhaus an: vom Dachstuhl bis zu Spenglerarbeiten. Der Freistaat vergibt außerdem demnächst Heizungs-, Sanitär- und Raumlufttechnik, die technische Dämmung sowie die Gebäudeautomation.