Mehr als 60 Neubürger haben das Museum " Obere Saline" besucht. Sie erhielten von Annette Spät und Regine Steidle eine Führung durch die Wohnräume von Otto Fürst von Bismarck, der 15 Mal während der Kursaison hier logierte. Zudem lernten sie die Besonderheiten der Salzerzeugung und die Entstehung des Kurbades kennen.

Das Bismarck-Museum besteht aus den in Deutschland einmaligen im Original erhaltenen Wohnräumen des Reichskanzlers, sagte die Kunsthistorikerin Annette Späth zu Beginn der Führung. Die Räume bestechen mit dem Originalinterieur der Aufenthalte und den Schauräumen, die sich mit Bismarcks Weltpolitik im Mikrokosmos des Weltbades befassen. Während seiner Kuraufenthalte hatte Bismarck seinen Regierungssitz nach Bad Kissingen verlegt und verweilte mit seiner Frau Johanna und deren Zofe Marie, sowie seinem eigenen Kammerdiener an der Kurstadt an der Saale.

Umzug nach dem Attentat

Nach dem Attentat auf Otto Fürst von Bismarck im Jahr 1874, zog er aus Sicherheitsgründen in das repräsentative Wohngebäude der Oberen Saline, in der auch schon Kaiserin Victoria weilte, berichtete Späth bei ihrem Rundgang durch die historischen Räume. Von König Ludwig II, mit dem er in regem Austausch stand, bekam er Leibwächter zur Verfügung gestellt und auch eine Telegrafenstation wurde in dem repräsentativen Wohngebäude eingerichtet.

Der Schwerpunkt des Deutschen Reiches wurde nach Kissingen verlagert, berichtet die "Neue Freie Presse" 1874 in Wien. Auf die Frage, weshalb gerade Bismarck Bad Kissingen als Kurort wählte, sagte Späth, dass dies auf Empfehlung seines Leibarztes Dr. Ernst Schweninger geschehen sei. Der Arzt verordnete Bismarck eine Änderung seiner Lebensgewohnheiten, was sowohl das Essen, Trinken, Bewegung, Ruhe, Arbeit und Schlaf umfasste. Schweninger verordnete sowohl Bade- als auch Trinkkuren und heilte damit Bismarcks Magen-Darm-Probleme, seine Gereiztheit und Nervosität.

Bismarcks Burnout

In der heutigen Zeit würde man bei ihm von Anzeichen einige Burnouts sprechen. Trotz seines im Detail geregelten Kurplanes konnte sich Bismarck in Bad Kissingen niemals ganz in das Privatleben zurückziehen. So war Bad Kissingen dann auch während seiner Aufenthalte Gravitationszentrum der Macht. Bismarck verstand sich dabei immer als Opfer der großen Arbeitsüberlastung, gleichzeitig hielt er die Fäden in der Hand und mischte sich selbst in kleinste Detailfragen der laufenden Staatsgeschäfte ein.

Unter Kurbedingungen führte er informelle Gespräche und hielt Audienzen mit Ministerkollegen, Mitarbeitern, Parteiführern, Diplomaten, Könige, Kaiser und Zaren in den Räumen der Oberen Saline und machte somit Bad Kissingen zum Schauplatz der Weltpolitik.

Die Neubürger lernten die Ausstellungen ""Salz und Salzgewinnung" wie auch "Das Heilbad Bad Kissingen" kennen. Mehr als 1000 Jahr lang wurde in Bad Kissingen Salz erzeugt. 1562 wurde das erste Gradierwerk errichtet. Besonders innovativ war das Lepperwerk, ein Vorläufer des Dorngradierwerkes, sagte Späth. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Salzerzeugung in der Oberen Saline eingestellt und dann 1968 auch in der Unteren Saline. Die Quellen von Bad Kissingen hatten einen geringeren Salzgehalt im Vergleich zur Konkurrenz wie Bad Reichenhall. Die Bedeutung des Gradierwerkes zur Heilung von Atemwegserkrankungen blieb.

Späth ging bei ihrer Führung auch auf die Heilquellen, die Kurmedizin, dem Kurarzt und Brunnenarzt und das Heilbad ein.

Im Anschluss an die Besichtigung bestand die Möglichkeit zu einem gemeinsamen Umtrunk im Gewölbekeller und dem Foyer der Oberen Saline, von dem die Neubürger regen Gebrauch machten.

Der nächste Neubürgerstammtisch findet am 19. September 2019 statt. Die beiden Initiatorinnen Anita Schmitt und Dr. Elisabeth Müller konnten Timo Tully, Leiter des Gästeservice der Bayerischen Staatsbad Bad Kissingen GmbH und die Gesundheitslotsin Sabine Schmidt gewinnen, die neben ihrer Arbeit besonders die Heilquellen vorstellen wird und ein Heilwassertasting anbietet. Treffpunkt ist um 19:00 Uhr in der Brunnen-/Wandelhalle in Bad Kissingen. Anita Schmitt