Bernhard Niethammer hat ein geschultes Auge - auch für Details. Mehrere Tage widmete er seine Aufmerksamkeit dem Kurgebiet, der Altstadt Bad Kissingens und den Fachwerkhäuseren in Kleinbrach. Im Auftrag des Landesamtes für Denkmalpflege (LfD) hielt er fest, was sich in den vergangenen Jahrzehnten in diesen unter Denkmalschutz stehenden Ensembles getan hat. Andernorts hat er schon erlebt, dass sich solche Quartiere radikal verändert haben. "Doch im Kreis Bad Kissingen ist bisher alles sehr positiv gewesen", sagt der freiberufliche Architekturhistoriker.

Gerade im Kurbereich hat sich seit der Aufstellung der Denkmalliste anno 1972 eine Menge getan, hat Niethammer festgestellt. Er verweist vor allem auf die Bismarckstraße und den langgezogenen Komplex der Heiligenfeld-Kliniken. Früher standen hier einzelne Gebäude.

Für Gäste attraktiv

Es ist nicht Niethammers Aufgabe zu werten, er notiert die Veränderungen nur. "Ich liefere die Datengrundlage für die Entscheidungsträger", sagt der Architekturhistoriker. Doch er fragt sich schon, ob man in der Bismarckstraße nicht stärker auf miteinander verbundene Einzelbauten hätte setzen sollen. Andererseits spiele es durchaus eine Rolle, ob die Neubauten angenommen werden. "Auch Bauten aus der Jahrhundertwende wurden so errichtet, dass sie für die zeitgenössischen Gäste attraktiv waren", sagt Bernhard Niethammer.

Gut gefallen hat ihm unter anderem der obere Bereich Von-der-Tann-/Frühlingstraße. Hier hat sich seit der Jahrhundertwende kaum etwas verändert. "Es gibt noch sehr viel Originalsubstanz, Gärten und Vorgärten sind erhalten, das müsste unbedingt bewahrt werden", sagt Niethammer. Dort sei noch zu sehen, wie man in Kissingen begonnen hat, städtisch zu planen.

Niethammer hat Adressenliste und Kamera dabei, hält schriftlich und bildlich fest, was ihm bemerkenswert erscheint. Um die 470 "Adressen" liegen in den beiden Ensembles, wobei zu den "Adressen" auch Grünflächen, einzelne Objekte wie Brunnenfiguren und Nicht-Denkmäler zählen.

So wie überall

Im Bereich der ensemblegeschützten Altstadt ist Niethammer aufgefallen, dass einzelne Bereiche unter Veränderungsdruck standen, es Randquartiere gibt, in denen sich nichts getan hat. "Aber das ist überall der Fall."
Gerade am Marktplatz habe sich vieles getan, verweist der Architekturhistoriker auf Neubauten der 1950er und 1960er Jahre. Doch seiner Meinung nach hat sich das erhalten, was das Ensemble ausmacht. Ein Besucher wird in Bad Kissingen sicher nicht die mittelalterliche Kleinstadt erleben, wohl aber einen Eindruck von der Gründerzeit erhalten, sehen, wie sich das kleine Städtchen an der Saale der Zeitströmung angepasst hat: "Man wollte das Weltbadflair in die Altstadt bringen."

Bei der Überprüfung der denkmalgeschützten Ensembles in Bad Kissingen geht es um die Nachqualifizierung der Denkmaliste, sagt Dr. Rembrand Fiedler vom Landesamt für Denkmalpflege. Es sei zwar theoretisch möglich, dass einem Ensemble die Qualifizierung aberkannt wird. Das erwartet Fiedler für Bad Kissingen jedoch nicht. Theoretisch könnten einzelne Teile aus Ensemble s herausgeschnitten werden, auch Neuaufnahmen sind denkbar. Bei der aktuellen Überprüfung ging es nur um die denkmalgeschützten Ensembles Bad Kissingens. Die Einzeldenkmäler in der Großen Kreisstadt wurden gesondert überprüft.