Wer kann schon genau sagen, wie es sich anhört, wenn eine Ente gemächlich zwischen Gartentür und Teich hin und her watschelt? Mariona Mateu macht es vor. Mit großer Geste streicht sie über die Saiten ihres Kontrabasses, der größer ist, als ihre Zuhörer in der ersten Reihe. "Eine Katze würde nie so laufen", meint auch Puppenspieler Stefan Maatz zu dieser musikalischen Nachahmung. Es kann also nur die Ente sein.

Der Kissinger Sommer veranstaltete am Wochenende zum zweiten Mal die "Musikalische Schnitzeljagd" in Zusammenarbeit mit Musikern der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und dem Theater "Con Cuore". Mit zwei Gruppen geht die Rätseltour jeweils vor- und nachmittags am Tattersall los. Anders als im vergangenen Jahr hat die Schnitzeljagd diesmal ein übergeordnetes Thema: Sergei Prokofjews Märchenklassiker "Peter und der Wolf" führt die Kinder zu fünf verschiedenen Stationen in der Bad Kissinger Innenstadt. Dort müssen sie jeweils Fragen der Musiker beantworten und daraus ein Lösungswort basteln.


Schnitzeljagd auf dem Rathausplatz

Die Klarinettenklänge dringen bereits von Weitem vom Rathausplatz her. Was er da eigentlich für ein Instrument in der Hand halte, möchte Orchestermitglied Matthew Hunt von den Kindern wissen. "Eine Trompete?", kommt es zaghaft aus dem Publikum zurück. Fast richtig. Walzer, arabischer Tanz, Salsa: "Wir fliegen mit euch einmal um die Welt", verspricht Violinistin Konstanze Glander, die sich mit ihrem Kollegen vor dem Feserhaus positioniert hat. Aber hier sei doch gar kein Flugplatz in der Nähe, wissen einige Zuhörer besser. "Und welches Instrument klingt wie die menschliche Stimme?", fragt Matthew Hunt zum Abschluss. Die Antwort: Seines natürlich.

An der Vinothek geht die musikalische Reise weiter, diesmal mit Klängen von Violine, Bratsche und Cello. Immer wieder bleiben Passanten stehen, lauschen den Musikern und genießen das Gratiskonzert des Streichertrios. Andere Fußgänger verziehen dagegen keine Miene. Dabei müsste nun auch der größte Klassikmuffel mitbekommen haben: Der Kissinger Sommer ist in der Stadt. "Welches Instrument ist größer als die Geige, aber kleiner als das Cello?", fragt Ulrike Rüben die Kinder, die sich vor ihr auf dem Boden niedergelassen haben. Als kleine Hilfestellung hebt Tomohiro Arita seine Bratsche augenzwinkernd in die Höhe.

"Ein Musikstück setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen", erklärt Trompeter Bernhard Ostertag den Kindern im Rosengarten. "Bass, Begleitung und Melodie." Wie wichtig letztere für den Wiedererkennungswert eines Stückes ist, merken die Zuhörer schnell: Denn erst als Bärbel Leo mit ihrer Posaune einsteigt, wird klar: "Das ist doch Balu, der Bär!"


Peter, Wolf und Ente im Tattersall

Zurück im Tattersall dürfen die Teilnehmer noch einmal den Motiven von Peter, Wolf und Ente lauschen. Stefan Maatz lässt dabei seine Holzpuppen tanzen und mimt den kranken Komponisten Prokofjew: "Wie soll man ein musikalisches Märchen komponieren, wenn der Kopf hämmert wie ein Presslufthammer?", fragt er. "So fallen einem doch keine schönen Melodien ein." Mit Unterstützung des elfköpfigen Orchester klappt es schließlich doch.

Das richtige Lösungswort zum Rätsel haben am Ende alle neun Teilnehmer gefunden. Doch Glücksfee Bernhard Ostertag zieht Simon und Neele als jeweilige Gruppengewinner aus dem Zettelwirrwarr. Als Hauptpreis gibt es zwei Karten für das Theaterstück "Parade", das im Rahmen des Kissinger Sommers Mitte Juli aufgeführt wird. Die vierjährige Neele aus Bad Kissingen ist mit besten Voraussetzungen in die musikalische Schnitzeljagd gestartet: Bei ihrer Oma habe sie "Peter und der Wolf" schon oft auf Schallplatte angehört. Unter den Orchesterinstrumenten gefalle ihr die Geige besonders gut, sie selbst wolle aber am liebsten Trompete lernen. Schwester Olivia ist da allerdings noch kritisch: "Sie spielt schon Flöte, aber das quietscht dann immer so schlimm."