Jetzt ist das Lebenshilfe-Haus Au-Blick in der Friedrich-List-Straße endgültig eröffnet. Mit einem Empfang feierte der Vorstand des Vereins mit den bereits eingezogenen Bewohnern und ihren Angehörigen, mit den Mitarbeitern, den Firmen, die am Aus- und Umbau beteiligt waren, und Vertretern der Geldgeber die Fertigstellung der neuen Einrichtung. Und machte sich damit selbst das schönste Geschenk zum 50. Geburtstag.

Monika Fella, die Vorsitzende des Aufsichtsrates der Bad Kissinger Lebenshilfe e. V., machte aus ihrem Stolz keinen Hehl. Denn als vor sechs Jahren 40 Eltern mit einer Liste auf sie zukamen, die für ihre Kinder ein neues Zuhause wünschten, war noch nicht abzusehen, dass sich letztlich alles so gut fügen würde. Und dass der Zufall dem Verein ein bisschen in die Hände spielen würde. Dass die Diakonie 2016 ihr Pflegeheim am Katharinenstift schließen und das Gebäude verkaufen würde - und dass die Lebenshilfe mit dem Erwerb in der Friedrich-List-Straße ideale Voraussetzungen für ihr Projekt "Haus Au-Blick" schaffen konnte.

Geplant und umgesetzt, so Monika Fella, wurde das Modell "Drei Strukturen unter einem Dach". Das bedeutet die räumliche Verbindung von einem Wohnheim, in dem Schwerbehinderte betreut werden, mit 19 Plätzen und einer Wohngemeinschaft mit fünf Plätzen. Und dazu kommt "TENE" - die Abkürzung für den etwas sperrigen Titel "Tagesstruktur für Erwachsene nach dem Erwerbsleben". Dort können 14 Menschen betreut werden, die nach dem Ausscheiden aus dem Arbeitsleben in der Lebenshilfewerkstatt oder einer Firma sozusagen lernen müssen, ihre Tage selbst zu strukturieren.

Ganz billig war die Sache freilich nicht, aber Finanzvorstand Axel Iffert hatte deshalb auch keine schlaflosen Nächte, denn die Sinnhaftigkeit des Projekts scheint überall angekommen zu sein. "Das Geld läuft gut", meinte er. Die veranschlagten 2,5 Millionen Euro Baukosten werden wohl um zwei Prozent überschritten, ein Wert, der schon wegen seiner Geringfügigkeit bemerkenswert ist. Mit dem Kauf des Anwesens beläuft sich die Gesamtsumme auf 4,2 Mio Euro. Aber die Lebenshilfe bekommt Zuschüsse: 345 000 Euro vom Bezirk und 2,3 Millionen Euro vom Freistaat Bayern. Der Rest finanziert sich über zugesagte Darlehen und Barmittel.

Natürlich konnte das ehemalige Altenpflegeheim nicht einfach frisch gestrichen und dann bezogen werden, wie Architekt Florian Göger berichtete. Die komplette Haustechnik musste erneuert werden, Grundrisse mussten geändert, die Großküche zurückgebaut und neue Aufenthaltszonen geschaffen werden. Jedes Zimmer bekam ein neues, barrierefreies Bad. Der Brandschutz wurde auf den neuesten Stand gebracht und an die Bedürfnisse angepasst. Und die Atmosphäre sollte heiterer werden. "Licht, Licht, Licht hat die Frau Fella immer zu mir gesagt", meinte Göger. Das war bei den Zimmern nicht so schwierig, weil es durch die Hanglage keine Hinterhofaussichten gibt. Aber in die innenliegenden Flure mussten Durchbrüche für Glaswände geschaffen werden.

Und dann gab und gibt es eine besondere Dekoration: Jeder der Bewohner konnte einen Schmetterling malen, "ein Tier, das Leichtigkeit symbolisiert". Die Bilder wurden digitalisiert, auf Blech übertragen und ausgestanzt. Sie zieren jetzt die Gänge und Zimmer der Anlage.

Pfarrerin Christel Mebert und Diakon Christoph Glaser segneten die neuen Räume. Sie sprachen von einem Haus, das Heimat schenkt, von einem Schritt, der nicht nur für die neuen Bewohner, sondern auch für deren Familien einen neuen Lebensabschnitt bedeutet.

Die Grußworte spiegelten große Anerkennung für die Initiative der Lebenshilfe. Bezirksrätin Karin Renner lobte die gute Lage zur Innenstadt - außer für Rollstuhlfahrer. Stellvertretender Landrat Emil Müller zeigte seine Erleichterung, dass der Landkreis in diesem Fall nicht Kostenträger ist, würdigte aber die Einmaligkeit des Projekts im Landkreis. Bürgermeister Thomas Leiner dankte im Namen der Stadt nicht nur für 50 Jahre Dienst am Menschen, sondern auch für diesen wichtigen Lückenschluss. Und Johann Lechner von der Abteilung Wohnungswesen bei der Regierung von Unterfranken freute sich über die Nachhaltigkeit der Maßnahme: Durch die Umwidmung des ehemaligen Altenheimes habe kein Neubau an anderer Stelle errichtet werden müssen.

Natürlich gab's auch Musik. Der Chor der Lebenshilfe sang ein flottes Lied über Bad Kissingen und die Lebenshilfe. Und am Ende stimmten alle in das "Kreuzberglied" ein - mit allen Strophen! Erst dann ging's ans Büffet.