Helmut Richter ist wütend. Der 67-Jährige besuchte mit seinen Enkelkindern regelmäßig ein Saalestück im Luitpoldpark in der Nähe der Tennisplätze. Ein Ort, an dem Kinder mit ihrer Familie planschen, im Sand spielen oder einfach entspannen. Die Idylle wird allerdings gestört. Rücksichtslose Hundehalter vertreiben immer wieder Großeltern, Eltern und Kinder.

"Sie lassen ihre Hunde frei laufen - und das, obwohl die Tiere im Park eigentlich angeleint sein müssten", sagt Richter. Den Kindern gefällt das nicht. "Meine elfjährige Enkelin traut sich deshalb nicht mehr hin." Die Angst sei nicht unbegründet. "Neulich waren Frauen mit drei großen Hunden am Wasser - keiner der Hunde war angeleint." Die Tiere hätten nicht nur die Badegäste angebellt, sondern sich außerdem noch gegenseitig gebissen.

Rücksichtslose Hundehalter in Bad Kissingen

Richter schaltete sich daraufhin ein. "Ich habe höflich darum gebeten, dass sie ihre Hunde anleinen und an einen anderen Platz gehen", sagt der 67-Jährige. Vor Ort seien zahlreiche Kinder und Senioren gewesen. Die Reaktion der Hundehalter auf seine Bitte schockierte ihn. "Rücksicht haben sie nicht genommen. Stattdessen sind sie wütend geworden." An einen Satz erinnert sich Richter noch: "Die Hunde hätten ja auch ihre Freiheiten, haben sie gesagt."

Anders verhalten sich zwei Hundehalterinnen aus dem Kissinger Umland am Saaleufer. Moni und Diana sind öfters mit ihren Hunden - dem Appenzeller Sam und der Mischlingshündin Magalie - am Saaleufer. Im Rucksack führen sie stets Leine und Hundekotbeutel mit. "Wir halten uns immer in einiger Entfernung von den restlichen Leuten auf", sagt Diana. Das Stückchen Saalestrand sei für beide wegen der Kinder tabu. Ihre beiden Hunde hören aufs Wort: Sam und Magalie bellen nicht, jagen keine Enten, sondern liegen ruhig im Gras. "Nicht diejenigen, die ihre Hunde unter Kontrolle haben sind das Problem, sondern diejenigen, die sie nicht im Griff haben", meint Diana.

Unhygienische Zustände

Bei den renitenten Hundehaltern handele es sich laut Richter nicht um einen Einzelfall. "Ich beobachte das seit über einem Jahr: Es ist immer wieder das gleiche." Doch nicht nur das Bellen und Laufen ohne Leine stört ihn. "Es geht ja auch darum, dass die Hunde ihr Geschäft in dem Sand verrichten, in dem die Kinder dann spielen." Richter informierte daher sogar das Ordnungsamt. Allerdings verlief der Behördengang erfolglos.

Verantwortlich für das Areal ist nicht die Stadt Bad Kissingen. "Der Bereich um die Mäander ist eine Fläche des Freistaats Bayern. Zuständig ist die Staatsbad GmbH", teilt Thomas Hack, zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Stadt Bad Kissingen, mit. Relevante städtische Satzungen - etwa zur Leinenpflicht - würden in dem Gebiet nicht greifen. "Es handelt sich nicht um öffentliche Bereiche im Sinne der Satzung", informiert Hack.

Von Seiten der Staatsbad GmbH gab es bis Redaktionsschluss keine Auskunft zu der Thematik. Klarheit schafft Jochen Hartmann, der stellvertretende Dienstgruppenleiter der Kissinger Polizei: "Die Staatsbad GmbH hat eine Parkordnung für den Luitpoldpark." Das Besondere: "Allerdings ist diese nicht bußgeldbewehrt." Hartmann erklärt das Wort an einem Praxisbeispiel: "Lässt ein Besitzer seinen Hund dort frei laufen, gibt es für den Halter lediglich eine Ermahnung, aber keine Strafe."