Wenn im Kreise von "Bröggenäern" der Name Walter Schöpfner fällt, dann summt so mancher die Weise vom "Heile heile Gänschen" mit. Und wer gar überzeugt ist, das ganze Leid der Welt zu tragen, dem gibt auch heute noch, an seinem 80. Geburtstag, Walter Schöpfner den musikalischen Rat: "Hoast Du amoal Schmerze, im Kräuuz oder Knie, dann rötsch halt noch ämoal d´Brauereirä ro ra."

Lieder von Walter Schöpfner, dem "singenden Taxifahrer", wurden zur Stadt-Hymne von Brückenau. Sie stand immer wieder - zusammen mit "aecht bröggenäerischen" Weisen und Geschichten - oben auf der Wunschliste bei Festen, Feiern, beim Erzählcafé und vielen ge mütlichen Runden. Sogar Rundfunk und Fernsehen be richten über den singenden Taxi-Chauffeur aus der Badestadt.

In einen Maßkrug gepasst

Walter Schöpfner stammt aus der Altstadt. Der "Owertürer" verkörpert in der Badestadt die Generation, die mit originellen Einfällen, mit Talent und Hei matliebe dafür sorgten, dass die Menschen ihrer Stadt nach vielen harten Jahren ein neues Lebens- und Gemeinschafts gefühl be kamen und wieder ge meinsam anpackten.

Vor acht Jahrzehnten wurde aus dem "kleinen Murgel" von knapp zweieinhalb Pfunden Geburtsgewicht ein echter heimatliebender Rhöner. Er hätte einst in einen Maßkrug gepasst, so hatte sein Vater gesagt. Mit einem Freundeskreis, der die Jahrzehnte überdauerte, wuchs Schöpfner in der Altstadt auf. "Damals gab es hier vier Le bensmittelgeschäfte, mehrere Metzgereien und viele Bäckereien, Handwerksbetriebe und ein Kino ", weiß Schöpfner aus der Zeit, als der Altstadtkern ehemals für Brückenau der Mittelpunkt gewesen war.

Manche Namen, die eng mit der Altstadt und dem Obertor zusammen gehörten, sind mit Schöpfners Erinnerung verbunden. Selbst eine eigene Haltestelle für die Bahnlinie nach Wildflecken und Jossa hatte es hinter dem Turnplatz gegeben. Das gesellschaftliche Leben spielte sich, neben Sport und Gesang, in der TV-Halle ab. "Ich war damals ein guter Leichtathlet", erzählt Walter Schöpfner und denkt an die Zei ten zurück, als er mit Anton Dill, Toni Krug und Franzl Schmäling den TV weit über die Rhön hinaus vertreten hatte.

Musik gehört zu Walter Schöpfners Leben. Bei Lehrerin Maria Hofmann erhielt er als Achtjähriger ersten Klavierunterricht. Er sang im Kirchenchor und Männerchor Kunst- und Kirchenlieder und war hellauf begeistert von den Hits, die amerikanischen Soldaten mit über den großen Teich brachten.

Neben der Musik war Kochen sein Hobby, er hatte es in einer Neuwieder Fachschule gelernt. Als Einzelhandelskaufmann ar beitete Walter Schöpfner im Lebensmittelgeschäft der Eltern gegenüber der Schwan-Apotheke. Er erinnert sich an die harten Zeiten nach Kriegsende, als es nicht einmal einfachste Lebensmitttel gab.

Mit Autos groß geworden

Schöpfners Vater betrieb ein Ta xi- und Busunternehmen. Zweimal wöchentlich brachte der Omnibus die Kurgäste zu Ausflügen in die Rhön. "Ich bin mit Autos groß geworden", sagt Walter Schöpfner, der das Taxi-Unternehmen mitführte, sobald er 1951 den Führerschein in der Tasche hatte.

Die Musik blieb trotz der Ar beit fester Teil seines Lebens. Er sang das "Ave Maria" neben vielen anderen Kunst- und Kirchenliedern in der Badkirche, er war gefragter Sänger bei Festen und im Kreis von Freunden und gewann beim Wettbewerb des Bayerischen Rundfunks unter hundert Mitbewerbern den 1. Preis. Schöpfner trat im Rundfunk und in Köln, München und Hamburg auf, komponierte und textete Lieder, die zu seinem Markenzeichen wurden. In der Faschingszeit platzte die FC-Halle beim Besucheransturm für den Bunten Abend aus allen Nähten, wenn Walter Schöpfner im Verein mit Rudi Ziegler, Otmar Krug, Dunkels Emil, Doc Höttinger, Wolfram Vorndran und Helmut Tischer das närrische Programm bestritt.

Bei den "Tätsch`n", dem Ver ein gebürtiger Brückenauer Männer, brachte es Schöpfner zu Vorstandsehren. Selbst an die Inszenierung von Musicals wagte sich der Freundeskreis von Walter Schöpfner, der Welthits auf Bröggenäerisch sang.

1958 heirateten Margot Breins und Walter Schöpfner. Ein Jahr später machten sie sich im Staatsbad mit dem Lebensmittelgeschäft und dem "Rhönstübchen" selbständig. Statt zu singen, übernahm Walter Schöpfner die Küche der Imbissstube. 40 bis 50 Essen täglich sei en die Norm in den Sommermonaten gewesen, denken Mar got und Walter Schöpfner an die arbeitsintensiven Zeiten zu rück.

Kurpension "Margarete"

Gleich nebenan baute das Ehepaar Schöpfner ab 1972 die Kur pension "Margarete". Viele Stammkunden seien oft zweimal im Jahr gekommen. Schöpfner war neben der Arbeit in der Kurpension als Taxifahrer weiterhin im Dienst. "Manches Mal wurde ich nachts um 3 Uhr angerufen." Der Abschied von der geliebten Kurpension aus Rücksicht auf die Gesundheit fiel schwer. "Wir haben darum gekämpft und hin gen an jedem Stein."

Für Reiseziele in aller Welt nutzten Margot und Walter Schöpfner die Zeit nach den arbeitsintensiven Jahren. Nun genießen sie den freien Blick vom Haus in der Jahnstraße auf die Stadt, Ausflüge in die Rhön und gemütliche Runden im Freundeskreis. Die Musik hat nach wie vor bei Walter Schöpfner hohen Stellenwert: Auf seiner Heimorgel spielt er alles das, was er so liebt: Operetten, Oldies, amerikanische Hits, neue und alte Lieder und natürlich seine eigenen Kompositionen.