Die Neuigkeit, dass die Rhön weiter als ein möglicher dritter Nationalpark in Bayern diskutiert wird, löst unterschiedliche Reaktionen aus. "Ich sehe es mit Bedauern, dass der Truppenübungsplatz wieder im Gespräch ist", sagt Wildfleckens Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWW). Die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) habe bei einem Treffen auf dem Kreuzberg zugesichert, dass der Truppenübungsplatz kein Thema sei. Erst in der vergangenen Woche hatten Vertreter des Umweltministeriums ebenfalls unterstrichen, dass diese Option kaum vorstellbar sei. "Jetzt haben wir eine komplett neue Situation", sagt Kleinhenz und weist erneut auf 250 zivile Arbeitsplätze und die Bedeutung der Kaufkraft der Soldaten für den Ort hin.


Nur Kernzonen im Gespräch

Nicht der gesamte Übungsplatz steht zur Debatte. Nach aktuellem Diskussionsstand geht es nur um die Kernzonen, die im militärischen Sperrbezirk liegen. Sollte es zu einer Zusammenarbeit mit Hessen kommen, so würde sich die Gebietskulisse nach Norden verschieben. "Man muss vorsichtig sein, dass da nicht noch mehr kommt", befürchtet Kleinhenz, dass am Ende doch der Übungsbetrieb der Rhön-Kaserne betroffen sein könnte. "Wir sind eine der wenigen Kommunen im Landkreis, die ein eigenes Tourismuskonzept entwickelt haben", fügt er an. Auf dieser Basis werde man sich weiterentwickeln - "mit oder ohne Nationalpark". Der Gemeinderat jedenfalls hatte sich schon Ende Mai mit 12:3 Stimmen gegen einen Nationalpark ausgesprochen.

"Wir sind noch nicht informiert worden", sagt Major Gordon Stütz, Kommandant des Truppenübungsplatzes Wildflecken. Auch Forstdirektor Godfried Schwartz, Betriebsleiter des Bundesforstbetriebs Reußenberg (bei Hammelburg) hat nur aus den Medien vom Kabinettsbeschluss am Dienstag erfahren. Von der Idee, für die Ausweisung eines Nationalparks in der Rhön auch die Kernzonen auf dem Truppenübungsplatz in Betracht zu ziehen, ist er gar nicht begeistert. "Ich halte es für fachlich nicht zielführend und sogar absurd", sagt Schwartz zu den Plänen.


Immer unter dem Gesichtspunkt der militärischen Nutzung

"Die Bundeswehr macht sehr viel für den Naturschutz auf ihren Übungsplätzen, aber immer unter der Prämisse, dass das Gelände optimal für die militärische Ausbildung genutzt werden kann", betont Schwartz. 981 Hektar besonders geschütztes Gebiet gibt es auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken. Sie sind im Rahmen der Erweiterung des Biosphärenreservats Rhön vor vier Jahren als Kernzonen ausgewiesen worden - schon damals "ein Politikum", erinnert sich der Forstdirektor. 575 Hektar liegen in Hessen, sagt Schwartz, 406 Hektar im bayerischen Teil des Truppenübungsplatzes. Dazu komme noch eine Fläche von 110 Hektar Kernzone, die auf dem ehemaligen Standortübungsplatz Oberwildflecken ausgewiesen ist.

Brisant am Vorschlag aus München ist nicht nur, dass die Flächen, über die jetzt diskutiert wird, gar nicht dem Freistaat Bayern gehören, sondern der Bundesrepublik Deutschland. Vor allem aber handelt es sich teilweise um vermintes Gelände. Das Dammersfeld - auch bekannt als "Impact Area" - ist der Bereich, den noch nicht einmal die Bundeswehr betritt, weil die Gefahr durch Blindgänger aus fast acht Jahrzehnten Übungsbetrieb nicht einzuschätzen ist. Das Dammersfeld sei zum größten Teil ebenfalls als Kernzone ausgewiesen, sagt Schwartz.

"Ich würde den Freistaat davor warnen, die Altlasten am Dammersfeld zu übernehmen", sagt Riedenbergs Bürgermeister Roland Römmelt (CSU). Ansonsten nimmt er das Thema gelassen. Der Ort sei ohnehin von Kernzonen des Biosphärenreservats umschlossen, in denen sich die Natur schon jetzt frei entfalten kann. So hat auch der Gemeinderat bisher noch kein Votum zum Nationalpark abgegeben. "Ich sehe keine Veranlassung, eine Entscheidung zu treffen, so lange wir nicht unmittelbar betroffen sind", sagt Römmelt.


Bad Brückenau hofft auf Impulse

Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) bleibt bei ihrer befürwortenden Haltung. Aus Sicht der Stadt, die sich bewusst auf Kur und Tourismus ausgerichtet habe, sei ein Nationalpark ein positiver Impuls. Sie geht allerdings davon aus, dass bei einer Verschiebung der Gebietskulisse in Richtung Hessen die Stadt noch weiter von den zukünftigen Grenzen eines Nationalparks entfernt sein werde. Auf jeden Fall wolle sie dialogbereit bleiben.

Kritiker befürchten, dass mit einem Nationalpark Rhön der Forstbetrieb Bad Brückenau der Bayerischen Staatsforsten überflüssig werden könnte - auch wenn die Mitarbeiter in einem Nationalpark weiterbeschäftigt werden sollen. "Es wäre bedauerlich, wenn der Sitz des Forstbetriebs Bad Brückenau nicht mehr in unserer Stadt wäre", sagt die Rathaus-Chefin dazu.