Matthias Elm hat eine Chronik über Altglashütten, Neuglashütten, Dörrenberg und das Dammersfeld herausgebracht. Das Buch behandelt die abgesiedelten Ortschaften, die auf dem Gebiet des heutigen Truppenübungsplatzes Wildflecken lagen. Nach Veröffentlichung der Chronik über Werberg erreichten den Heimatforscher viele Anfragen nach einem Buch über Altglashütten mit seinen Nachbarorten. "Ausführliche Literatur hierzu gibt es noch nicht. Da war es nur logisch, eine Chronik über diese Orte zu schreiben", sagt Elm.

Sind die Meisten an der militärischen Truppenübungsplatzgrenze zum Stehenbleiben gezwungen, lädt Matthias Elm ausdrücklich zum Spaziergang durch die insgesamt 21 Kapitel ein. Für ihn selbst war es eher ein Langstreckenlauf, bis er das Werk in Händen halten konnte. Ein gutes Jahr war er damit beschäftigt, die Flut an Informationen zu Papier zu bringen. Grundlage war die schon vor etwa zehn Jahren angelegte grobe Fassung des Häuser- und Familienbuchs sowie eine große Datensammlung, die in über 20 Jahren Forschung um die Rhöner Glashütten zusammengekommen war.

Alt- und Neuglashütten stehen im Zentrum des Werks, das Elm mit "Die Hödde" betitelte. Hödde bezeichnet damals wie heute die Glashüttenorte. Dörrenberg, obwohl formal zu Kothen gehörig, lag in unmittelbarer Nähe zu Neuglashütten und ist daher ebenfalls Teil des Buchs. Das Dammersfeld mit seinem Wiesenhaus, in dem die Wald- und Wiesenwärter lebten und arbeiteten, war Altglashütten angegliedert. In dem für die Chronik behandelten Gebiet ist es der älteste Siedlungsort. Bereits im 11. Jahrhundert ist in einer Schenkungsurkunde das "campo Staberesfeld" an der Handelsstraße zwischen dem Rhein-Main-Gebiet und Thüringen erwähnt. Altglashütten gilt als die älteste fuldische Glashütte im Tal der Kleinen Sinn. Ende des 16. Jahrhunderts war sie etwa einen Kilometer von dem späteren Ort Altglashütten entfernt errichtet worden. Von 1684 bis 1704 stand im späteren Dörrenberg die erste Glashütte im Ortsbereich, 1722 hatte dort nur der Kothener Jäger ein Haus. Neuglashütten schließlich wurde 1724/25 gegründet, nachdem die alte Glashütte nicht mehr aktiv war. Die neue Glashütte ging 1767 in Konkurs.

Die Glasmacher waren von auswärts zugezogen. Sie unterschieden sich in ihrem Charakter wohl erheblich von der einheimischen Bevölkerung. "Die Glasmacher waren ein eingeschworenes Volk", sagt Elm. Die Geheimnisse der Glasherstellung gaben sie nur untereinander weiter, was für eine Distanz zu den Rhönern sorgte. In der "Beschreibung des Oberamts Motten aus dem Jahr 1790" schreibt der damalige Amtmann aus Bad Brückenau über die Menschen in Altglashütten, sie zeigten "unbesonnene Kühnheit", "Maulmacherei" und seien "stolz auf ihre Freiheit", außerdem seien sie verschlagen und sehr streitbar. Die Neuglashüttener hingegen bezeichnete er als "geschäftig, fleißig, ruhig, friedliebend und biegsam". Von den Bewohnern der umliegenden Orte erhielten diese Bewohner den Spitznamen "Die Höddefüchs".

Die Chronik behandelt Allgemeines wie die geographische Lage und die ersten Nennungen in historischen Quellen. Das Buch führt durch die Geschichte der abgesiedelten Orte zu interessanten Details, zum Beispiel über Berufe, Vereine, Flurdenkmale, Wasser- und Stromversorgung und Kirche. So wirkte der 2011 seliggesprochene Georg Häfner sechs Jahre lang als Kaplan in Altglashütten. Bereits 1766 hatte die reiche Glashüttentochter Sarah Maria Erb mit einer beträchtlichen Stiftung dafür gesorgt, dass in Altglashätten eine eigene Kaplanstelle eingerichtet wurde.

Matthias Elm ist es "wichtig, keine reine Ortschronik zu schreiben". Das Häuser- und Familienbuch soll es Nachfahren der damaligen Ortsbewohner ermöglichen, mehr über ihre Vorfahren herauszubekommen. Zahlreiche Familienfotos und Bilder von Höfen und Häusern vermitteln einen lebendigen Eindruck: "Man sieht die Verhältnisse, wie die Leute gelebt und gearbeitet haben. So wird das viel deutlicher als durch Worte", erklärt der Autor. "Eine wirkliche Bereicherung für das Buch" waren die Erinnerungen von Hedwig Heil, geb. Fischer, die 1923 in Dörrenberg geboren war. "Sie war eine Zeitzeugin aus der Zeit vor der Absiedlung", sagt Elm.

Auch die älteste erhaltene Urkunde über Altglashütten aus dem Jahr 1704 wird behandelt. Ihr Inhalt und spätere Vermerke liefern den Nachfahren der Glasmacherfamilie Wiegand noch heute Indizien für Nachforschungen über Familienzugehörigkeiten. Thomas Helfrich aus Wildflecken lieferte sowohl Informationen als auch Bilder und schrieb ein eigenes Kapitel über die Auswanderung in die USA im 19. und 20. Jahrhundert. Durch verwandtschaftliche Beziehungen in die USA zeigte er den weiteren Werdegang der Auswanderer detailliert auf.

Altbekannte Wege führten Matthias Elm zu den Staatsarchiven in Würzburg und Marburg sowie zu Gemeindearchiven. Doch knüpfte der Speicherzer auch viele neue Kontakte: "Weit über hundert Leute habe ich angerufen, um Bilder zu bekommen".

Aus den Fotos und Informationen, die Matthias Elm gesammelt hat, zauberte Karl Hahn aus Bad Brückenau das Layout. Der routinierte Mediengestalter lernte künstlerisch dazu und außerdem die Gegend kennen: "Vor der Arbeit an der Chronik hatte ich keine Vorstellungen von Altglashütten. Jetzt bin ich überrascht, wie groß die Orte um die Glashütten waren". Sein persönliches Highlight im Buch ist ein Foto vom Wiesenhaus auf dem Dammersfeld. Zufällig bemerkte er, dass er das Bild auf den Tag genau 81 Jahre nach dessen Entstehung für die Chronik bearbeitete. Es zeigt Theodor Bernhart, wie er vor der Absiedlung im Jahre 1938 vor dem Wiesenhaus den Hut zum Abschied zieht. "Da habe ich eine Gänsehaus bekommen", erzählt Hahn. Dieses Kapitel gefällt Hahn am besten, zeigt es zahlreiche Skizzen und Bilder aus den Gästebüchern des Wiesenhauses. Namhafte Persönlichkeiten wie Ernst Putz haben sich dort verewigt.

Info

Chronik "Die Hödde - Von Waldglashütten und Wiesenwärtern" (426 Seiten) behandelt die Geschichte von Alt- und Neuglashütten mit Dörrenberg und Dammersfeld von der Entstehung bis zur Absiedlung 1938. Ein Häuser- und Familienbuch zeigt die ehemaligen Höfe mit ihren Bewohnern auf. Weit mehr als 500 Farb- und Schwarz-Weiß-Fotos, Bilder und Karten ergänzen die historischen Daten und Informationen. Das Buch ist zum Selbstkostenpreis von 26 Euro bei Matthias Elm (Matthias-Elm@gmx.de) sowie bei den Gemeindeverwaltungen in Wildflecken und Motten erhältlich.