Schon jetzt haben 232 Bürger ihre Briefwahlunterlagen beantragt. Am Sonntag dürften die Wahllokale ebenfalls gut besucht werden. 1688 Wahlberechtigte sind aufgerufen, ihre Meinung kundzutun. Mindestens 20 Prozent Zustimmung oder 20 Prozent Ablehnung muss erreicht werden, damit der Bürgerentscheid gültig wird. So soll eine Frage geklärt werden, die mittlerweile den kleinen Ort spaltet und in sozialen Medien für Unruhe sorgt.

Den Bürgerentscheid auf den Weg gebracht hatten sieben Bürger. Jürgen und Gerdrud Enders, Peter und Heidi Plobner, Michael Reuß, Silvia Kleinhenz und Erhard Martin wollten nicht hinnehmen, dass der Gemeinderat im Dezember den Plänen des Investors, der Firma Energiebauern GmbH aus Sielenbach bei Augsburg, eine Absage erteilt hatte. Sie alle besitzen Flächen im Planungsgebiet, das in einer Senke zwischen Bernbrunner Straße und Wiesenstraße liegt. Schon im Herbst hatte sich eine Bürgerinitiative gegen den Solarpark formiert, die von Werner Milotta, Gabi Hampel und Andrea Fell angeführt wird. Auf Facebook hat ihre Gruppe inzwischen 243 Mitglieder.


Kleiner als ursprünglich geplant

Nun wird also über ein Projekt abgestimmt, das die einen einen Beitrag zur Energiewende und die anderen Verschandelung der Landschaft nennen. Der aktuelle Planungsentwurf ist gegenüber den Plänen vom vergangenen Herbst etwas verändert worden. Der Solarpark würde, sollten die Bürger zustimmen, nun etwas kleiner ausfallen als ursprünglich geplant. Zudem liegt die Fläche nicht mehr auf dem Höhenzug, sondern in einer Senke, damit sie vom Ort aus nicht einsehbar ist.

Beide Seiten rührten in den vergangenen Wochen heftig die Werbetrommel für ihre Positionen. "So lange es kein vernünftiges Speichermedium gibt, macht der weitere Ausbau erneuerbarer Energie keinen Sinn", sagt Werner Milotta. Die Gegner kritisieren den Flächenverbrauch und unterstellen den Befürwortern reine Profitgier. Dass diese überhaupt die nötigen Unterschriften für den Bürgerentscheid zusammenbekommen hätten, sei "unserer Meinung nach unter Vortäuschung falscher Tatsachen" passiert, führt Milotta weiter aus.

"Die Aktion ist ordnungsgemäß ausgeführt worden. Das hat die Verwaltung ja überprüft", hält Solarparkbefürworterin Heidi Plobner dagegen. "Seit wann muss man sich dafür rechtfertigen, wenn man Gewinn machen will?", fragt Reuß. Der größte Streit ist aber über einen roten Kringel entstanden, mit dem die Befürworter das Gebiet, in dem der Solarpark vorgesehen ist, gekennzeichnet haben. Der Kartenausschnitt ist auf dem Stimmzettel abgedruckt.


Bürgermeister hält sich zurück

Die Gegner befürchten nun, dass das gesamte Areal mit Solarpanels zugepflastert wird. Sie haben die Fläche berechnet: 78 Hektar oder 110 Fußballfelder groß. "Es war nie irgendetwas anderes geplant gewesen außer die 7,2 Hektar", stellt Reuß klar. Die Anlage reiche weder über die Bernbrunner Straße noch über die Wiesenstraße hinaus. Der nördlich gelegenen Bereich der Senke komme ohnehin nicht in Frage, da dort das Landschaftsschutzgebiet beginne, erklärt er weiter. "Wir haben das mit den 78 Hektar aufgedeckt", zeigt sich Milotta davon unbeeindruckt. Er weist außerdem darauf hin, dass mit einem genehmigten Solarpark Tür und Tor für weitere Projekte in der Gemeinde geöffnet würden.

Bürgermeister Dieter Muth (Freie Bürger) äußert sich nicht öffentlich. Als Vorsitzender des Wahlausschusses ergreift er für keine Seite Partei. Das Ergebnis wird am frühen Sonntagabend erwartet. Fällt eine Entscheidung für den Solarpark, muss der Gemeinderat die Bauleitplanung auf den Weg bringen.


7,2 Hektar sind als Fläche für einen möglichen Solarpark bei Unterleichtersbach im Gespräch. Mit Solarmodulen bebaut werden sollen laut Angaben des Investors davon 5,5 Hektar.

3,5 Megawatt Strom soll die Freiflächen-Photovoltaikanlage produzieren. Das entspricht nach Angaben des Investors einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von etwa 1000 Drei-Personen-Haushalten.