Der Kreuzberg ist für den neuen Generalvikar der Diözese Würzburg, Thomas Keßler, kein unbekanntes Terrain. Jeden Abend vor dem Einschlafen habe er den heiligen Berg der Franken im Blick, sagte er beim Festgottesdienst zur Kreuzerhöhung in der Wallfahrtskirche am Kreuzberg. Ein Bild vom Kreuzberg wurde ihm zum Abschied aus Bad Kissingen geschenkt, es hänge nun in seinem Zimmer und vor dem Einschlafen könne er es betrachten. "Ich sehe den Kreuzberg öfter als Pater Stanislaus, der auf dem Berg sitzt", scherzte er zu Beginn des Gottesdienstes.


Besonderer Festtag

Auch wenn ihm der Kreuzberg wohl vertraut ist, war es doch der erste offizielle Besuch von Thomas Keßler in seiner Funktion als Generalvikar. Gerne sei er der Einladung von Pater Stanislaus zum Fest der Kreuzerhöhung gefolgt, betonte er. Für den Kreuzberg sei dieser Festtag ein ganz besonderer, hob Pater Stanislaus, der Guardian das Klosters hervor. Der eigentliche Festtag war bereits am 14. September, doch das Fest sei so wichtig, dass es am Wochenende gefeiert werde, um auch Berufstätigen die Möglichkeit zur Teilnahme zu geben. Mit dem Fest der Kreuzerhöhung werde die Einweihung der Grabeskirche in Jerusalem im Jahr 335 erinnert, als den Menschen das durch Kaiserin Helene wiedergefundene Kreuz gezeigt wurde. "Erhöhung" besagt in diesem Zusammenhang, dass das Kreuz als Siegeszeichen gesehen wurde, weil am Kreuz Jesus den Tod überwunden hat. Als besondere Gäste konnten die Mitglieder des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem begrüßt werden, die durch ihr äußeres Erscheinungsbild mit den weißen Ordenmänteln und dem roten Jerusalem-Kreuz beziehungsweise dem schwarzen Ordensmantel für die Frauen, zum festlichen Charakter beitrugen.


Mitglied des Ritterordens

Landrat Thomas Habermann (CDU) ist Mitglied dieses Ordens und hatte bei diesem Gottesdienst im Rahmen der Liturgie die Aufgabe für den Weihrauch Sorge zu tragen. Der leitende Komtur Berthold Orschler stellte den päpstlichen Orden und seine Aufgabenbereiche vor. Es sei eine Gemeinschaft des Betens, der Spiritualität und der gelebten Caritas in enger Verbundenheit mit Jerusalem. Christen im Heiligen Land zu unterstützen, sei eines der wichtigsten Ziele. In Deutschland habe der Orden 1400 Mitglieder, weltweit über 28 000 Mitglieder.

Das Kreuz als Zeichen des Sieges, aber auch als Zeichen der Herausforderung und der Auseinandersetzung, stellte Generalvikar Keßler in den Mittelpunkt seiner Predigt. Eigentlich sei das Kreuz, das heute das Erkennungszeichen des Christentums sei, ein Folterinstrument. Diese Anstößigkeit habe es verloren, es ziere Wohnungen und werde als Schmuck getragen, es sei zur Selbstverständlich geworden. Doch Kessler mahnte: "Es wäre gefährlich zu vergessen, was damals geschehen ist. Gott war sich nicht zu schade Mensch zu werden, er wurde einer von uns. Das hatte die fürchterliche Konsequenz bis zum Tod am Kreuz."


Aktualität der Flüchtlingsströme

Bald werde sie nun wieder aufgebaut, die Krippe, vor dem Seitenaltar in der Klosterkirche. Anschaulich werde Herbergssuche, Geburt und schließlich Flucht der Heiligen Familie dargestellt. Und darüber die Kreuze des Heiligen Bergs der Franken. "Das ist real. Das ist klopft an unsere Türe", verwies Kessler auf die Aktualität und die Flüchtlingsströme, die nach Europa kommen. Der Blick auf das Kreuz sei bei der Bewältigung dieser Herausforderung hilfreich. "Jesus wandte sich ungeschützt den Menschen zu, er blieb seinem eigenen Weg treu, bis zum Tod am Kreuz. Er seilte sich nicht ab, er rüstete nicht auf, weder mit Engeln noch mit Schwertern. Er hat alles gegeben, bis er nackt und entblößt am Kreuz starb."


Blick auf Kreuz

Doch Christus habe noch mehr zu sagen, als dass er am Kreuz starb. "Gott hat ihn zum Leben erweckt. Gott hat ihn erhöht. Der Weg Jesu wurde bestätigt, als göttlicher Weg." Doch der Sieg Jesu über den Tod dürfe nicht falsch verstanden werden. Er habe nicht als einer gesiegt, der es allen anderen gezeigt habe, nicht als der machtlose Mann, der dann zeigte was er konnte. Zu erkennen sei er vielmehr an seinen Wundmalen, an den Zeichen seiner Wehrlosigkeit und Liebe. Hier müsse sich jeder selbst fragen: Lasse ich mich wirklich auf sein Leben ein? Gibt er bei mir im Leben den Ton an? Herbergssuche, Geburt und Flucht sei keine Romantik, sondern ein Auftrag an den Glauben. "Worauf warten wir? Der Blick auf das Kreuz und den Gekreuzigten gibt die Richtung an. Gott ist Mensch geworden, das erkennen wir in einem syrischen Kind und seinen Eltern."