Leon Kaib ist zwar erst elf, aber neulich hat er eine Postkarte nach Berlin geschickt. "Meine Schule mit circa 1000 Kindern würde neben der Trasse stehen", schrieb er an Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Es war nicht die einzige Karte, die Gabriel erhielt. Die Bürgeriniativen (BIs) entlang der geplanten Trasse, die von Wilster im Norden nach Grafenrheinfeld führt, hatten Anfang März dazu aufgerufen.

Die Kaibs hatten von der Aktion gehört, als die Brückenauer BI im Februar einen hölzernen Masten angezündet hatte, und prompt mitgemacht. Neulich machte die Familie einen Spaziergang von der Siedlung hinauf zur Autobahn. "Man glaubt gar nicht, wie nah das ist", sagt Leons Mutter Tatjana Kaib. "Viele Leute denken: Das betrifft mich nicht. Sie merken es erst, wenn die Masten gebaut sind."

Einwände bis 15. Mai einreichen

Deshalb gingen die Eltern auch zur Veranstaltung der Bürgerinitiative "Sinntal gegen die Stromtrasse" am Montagabend im Gasthaus Breitenbach. Bis zum 15. Mai haben die Bürger Zeit, ihre Einwände bei der Bundesnetzagentur in Bonn einzureichen, erklärte Ingo Queck, der zusammen mit Erwin Miller die BI anführt. Damit möglichst viele Betroffene mitmachen, will die BI noch bis zum 9. Mai die Einwände sammeln. Auf seiner Internetseite gibt der Bund Naturschutz Tipps, welche Argumente sich dafür eignen. Die Bürger können ihre Einwände per Mail an die BI schicken. Die Adresse lautet bi.sgs@gmx.de.

Über den technischen und juristischen Hintergrund der Trasse informierte Vorstandsmitglied Gerhard Schumm. "Es handelt sich um Gesetze", wies er darauf hin, dass der Ausbau des Stromnetzes längst von der Bundesregierung beschlossen wurde. Schumm kritisierte, dass die Bundesnetzagentur dadurch einen großen Spielraum habe - im Gegensatz zu den betroffenen Bürgern.

Dem bayerischen Energiedialog stellte die BI ein gutes Zeugnis aus. "Mittlerweile merkt man, dass unsere Bewegung hier in Bayern auch nach Norden ausstrahlt", sagte Jakob Euba. Auch andere Initiativen würden sich nicht mit dem Bau von Südlink abfinden, sondern den Bedarf neuer Stromtrassen grundsätzlich in Frage stellen.

Angst vor Gesundheitsschäden

Bei der anschließenden Diskussionsrunde ergriff Reiner Morshäuser, Vorsitzender der BI "Gemeinde Schondra gegen Südlink" das Wort. Die gesundheitlichen Risiken einer Gleichstromtrasse dieser Dimension seien noch nicht erforscht, nun würden die Menschen zu "Versuchskaninchen" gemacht.

Das macht auch Familie Kaib aus Römershag Sorgen. "Es ist ja wissenschaftlich gar nicht erwiesen, ob das gesundheitsschädlich ist", sagt Tatjana Kaib auf dem Schulhof. "Aber man hört immer wieder von Krebsfällen in der Nähe von Hochspannungsleitungen", sagt sie weiter. "Das ist schon besorgniserregend."