Wer einen Schlagabtausch erwartet hatte, wurde enttäuscht. Trocken verliest Stadtrat Hartmut Bös (CSU) seinen Antrag. Er fordert, die Vereinbarung mit dem Forum sofort zu kündigen. Trocken geben die Stadträte ihre Stellungnahmen ab. "Die Stadt hat in finanzieller Hinsicht gewonnen", stellt Adelheid Zimmermann (FDP) fest. "Es besteht Konsens, dass die Vorbereitungszeit zu kurz war", fasst Emanuel Fritschka (PWG) zusammen - und ignoriert dabei die Tatsache, dass der Stadtrat selbst die Vereinbarung mit dem Forum quasi erst auf den letzten Drücker auf den Weg gebracht hat.

Einzig Florian Wildenauer (SPD) macht sich die Mühe und listet Punkt für Punkt auf, was nächstes Jahr besser gemacht werden sollte. Die Argumente sind nicht neu, sie betreffen die Jugendbühne, die Anbindung zum Kinderland im Siebener Park, eine frühzeitige Werbung und nicht abgerufene Sponsorengelder sowie die Händler, die heuer in der Sinnaustraße buchstäblich gestrandet waren.

Vereinbarung ist fehlerhaft

Hans Rohrmüller nimmt die Kritik auf und zeigt sich auch selbstkritisch: "Falsch war, die Musik auf dem Marktplatz um Mitternacht enden zu lassen und in der Altstadt erst um 1 Uhr." Im nächsten Jahr sollen die von manchen so genannten Billig-Händler wieder in der Unterhainstraße stehen, außerdem wünscht sich Rohrmüller, dass sich Jugendliche im Arbeitskreis Stadtfest einbringen. An Bös ge richtet sagt Rohrmüller, er habe trotz Einladung nicht im Arbeitskreis mitarbeiten wollen.

Dem widerspricht Bös: "Ich habe im persönlichen Gespräch gesagt, dass ich mit Rat zur Seite stehe, nicht aber mit Tat." Bös hatte sich in den Vorjahren zusammen mit Gudrun Friedrich-Kleine von der Tourist-Info stark in die Stadtfestorganisation eingebracht. Die Erfahrungen der bisherigen Organisatoren seien aber nicht gefragt gewesen, kritisierte Bös unmittelbar im Nachgang des Stadtfestes.

Forum zeigt weiter Interesse

"Herr Bös, Ihr Antrag mag in Ordnung sein. Aber ich möchte Ihnen empfehlen: Arbeiten Sie miteinander!", sagt 2. Bürgermeister Jürgen Pfister (PWG) und betont, dass die Zukunft des Bad Brückenauer Stadtfestes nicht in Frage stehe. Parteikollegin Birgit Poeck-Kleinhenz behauptet, dass die Vereinbarung mit dem Forum überhaupt nicht rechtswirksam sei. Kurzzeitig droht die Diskussion etwas abzugleiten, da Poeck-Kleinhenz diesen Punkt lieber in nicht-öffentlicher Runde ansprechen würde. Doch sowohl Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) als auch Hans Rohrmüller sprechen sich nachdrücklich für eine öffentliche Behandlung aus.

"Es stimmt", bestätigt Meyerdierks. Die Vereinbarung sei wegen formaler Mängel "schwebend unwirksam". Doch da der Vertrag mit dem Forum ohnehin gekündigt und ein neuer ausgearbeitet werden soll, ist auch dieser Hinweis nicht wirklich brisant. Das Forum jedenfalls sei auch weiterhin an der Ausrichtung des Stadtfestes interessiert, sagt Rohrmüller auf Nachfrage. Der Vorstand müsse darüber aber noch abstimmen.

SV Römershag ist enttäuscht

Am Ende macht Bös einen Rückzieher. "Mein Antrag geht nicht gegen das Forum", sagt er. Er wolle lediglich, dass die Vereinbarung über die Ausrichtung des Stadtfestes präziser formuliert werde. Am Anfang der Sitzung klang das noch anders. Da sagte Bös, er stelle seinen Antrag mit dem Ziel, "dass sich frühzeitig neue geeignete Veranstalter um da Stadtfest 2016 bewerben können".

Das Publikum interessiert das schon nicht mehr. "Es ist nicht gut gelaufen. Und mich ärgert, dass man das nicht sagen darf!", sagt Gunther Schwarz vom SV Römershag draußen vor dem Sitzungssaal. Mehrere SVler sind extra gekommen, dazu Alex Walther vom "Fußgänger", der heuer die Jugendbühne auf eigene Kosten organisiert hat. "Ich stemme das nicht noch einmal allein", kündigt er an.

Drinnen geht die Sitzung weiter, doch Stadtrat Erwin Miller (Freie Bürger) sitzt draußen bei seinen Leuten. "Für mich war der Zug abgefahren", sagt Miller, der auch Vorsitzender des SV Römershag ist. Ehrenvorsitzender Winfried Hehn beklagt die fehlende Gleichbehandlung der Vereine, denn der SV hätte - anders als in den Vorjahren - die Jugendbühne am Sinnauplatz alleine organisieren müssen. Dieser Punkt fiel mit keinem Wort. Doch wenn nicht die Stadträte diese Fragen stellen, wer dann?


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