Es ist noch sehr ruhig an diesem späten Nachmittag in der Gemeinschaftsunterkunft in Volkers. Das ändert sich aber fast schlagartig, als gegen 17 Uhr Maja Kirchner, bepackt mit einer großen Kiste, das ehemalige Hotel Berghof betritt. Schnell hat sich ihre Ankunft bei den Flüchtlingen herumgesprochen, die jetzt nach und nach im Aufenthaltsraum im Erdgeschoss eintreffen. Über ein Dutzend Leute sind versammelt, der wöchentliche Spiele-abend kann beginnen.

Die Idee zu diesem für alle Interessenten offenen Treffen hatte die 26-Jährige, die in Volkers auch Deutschunterricht gibt, schon länger im Kopf gehabt. Im November vergangenen Jahres setzte sie ihre Vorstellungen dann in die Tat um. Seitdem findet an jedem Montag zwischen 17 und 19 Uhr der Spieleabend in der Gemeinschaftsunterkunft statt.

Die Teilnehmerzahlen sind ganz unterschiedlich. "Zwischen acht und 15 Flüchtlinge und zwei bis fünf Deutsche, die sich in lockerer Runde unterhalten und großen Spaß haben", hat Maja Kirchner in der Vergangenheit gezählt. Das Alter der Flüchtlinge aus Äthiopien, Somalia, Syrien und dem Kosovo, die an diesen Zusammenkünften teilnehmen, liegt in der Regel zwischen Anfang und Mitte 20. Aber ab und zu stoßen auch kurzfristig jüngere Menschen unterschiedlicher Nationalitäten dazu. Und auch zwei Gymnasiastinnen und ein älterer Herr aus Bad Brückenau gehören mittlerweile zu den Stammgästen.

Beobachtet man das im wahrsten Sinne des Wortes bunte Treiben an den Tischen, wo sich die Gäste in unterschiedlicher Gruppierung zusammengefunden haben, werden schnell Erinnerungen an erfolgreiche Fernsehsendungen vergangener Zeiten wie die "Montagsmaler" oder "Dalli Dalli" wach. Da wird mit Händen und Füßen erklärt, und vor allen Dingen, je nach Talent, mehr oder minder genau ein zu erratender Begriff gezeichnet.


Zahlen und Lernworte festigen

Großer Beliebtheit erfreuen sich besonders zwei bekannte Spiele. "Bei 'Uno' (Anm. d. Red. Kartenspiel) kann man sehr gut die Zahlen und die Farben wiederholen, bei 'Aktivity' die Lernworte der vergangenen Deutschstunde festigen", so Maja Kirchners Erfahrung.

Gern erinnert sie sich noch an die Anfänge: "Mich hatten schon nach dem ersten Deutschunterricht, den ich in Volkers gegeben habe, zwei Asylanten gefragt, ob ich nicht eine Idee hätte, wie sie mehr Kontakt zu Deutschen bekommen könnten". Ihnen sei schnell klar gewesen, dass man die deutsche Sprache und Kultur am besten durch Einheimische lernen kann. Viele ausländische junge Leute seien zwar in der Berufsschule in Bad Kissingen, hätten vor Ort aber wenige Kontakte. Vor diesem Hintergrund fiel der 26-Jährigen zunächst das sogenannte Tandem-Programm der Universität Erfurt ein, an dem sie während ihres Studiums teilgenommen hatte: "Zum Einstieg bekam man einen Kontakt von einem Auslandsstudenten.

Dann traf man sich einmal die Woche, meist um die eigene Zweitsprache aufzubessern und dem Austauschstudenten beim Deutschlernen und Zurechtfinden in Deutschland zu helfen."


Echte Freundschaften

In den meisten Fällen seien daraus echte Freundschaften entstanden. Und diese Entwicklung erhofft sie sich auch von den Spieleabenden in der Gemeinschaftsunterkunft. Sie sollten der Ansatzpunkt dafür sein, dass Flüchtlinge und Einheimische auch über den Montagabend hinaus in regelmäßigem Kontakt bleiben. Seit Dezember ist Kirchners Freundin Jasmin Limpert bei der lockeren Runde in Volkers dabei. Die 25-Jährige, die bei der Kurverwaltung Bad Bocklet im Marketing arbeitet, wird zukünftig auch die Ansprechpartnerin für alle Interessenten sein, wenn Maja Kirchner ab Februar ihren Vorbereitungsdienst an einer Regelschule in Meiningen beginnt.


Nachfolge geregelt

Die Nachfolge sei also geregelt und man freue sich über jeden neuen Teilnehmer, "auch wenn dieser einfach nur mal so vorbei schaut". Und selbstverständlich könnten auch eigene Spiele zu den Treffen an jedem Montag ab 17 Uhr mitgebracht werden.