Zufrieden mit ihrem Dorf scheinen die Speicherzer Jugendlichen zu sein. Der Einladung von Bürgermeister Jochen Vogel (CSU) zur Ideensammlung für die Dorfentwicklung war zumindest nur eine Jugendliche gefolgt. Antonia vermutete, dass die anderen "anscheinend lieber vor ihren Handys und Laptops sitzen bleiben". Der 14-Jährigen war allerdings eine Lücke auf dem Spielplatz aufgefallen, wo einst das Klettergerüst gestanden hatte: "Irgendwie eine Kindheitserinnerung. Da fehlt was." Ihr Vorschlag war daher natürlich die Erneuerung des Spielplatzes. In Ermangelung an Kindern genehmigte Moderator Hans Rohrmüller auch den anwesenden Erwachsenen, die sich in ihre Kindheit zurück erinnerten, drei Ideen statt nur eine aufzuschreiben. Am Ende war Antonias Vorschlag nicht unter den Top 3. Mehrheitlich sprachen sich die insgesamt fünf Interessenten für ein neues Feuerwehrgerätehaus und die meisten für einen Jugendraum aus.

Bei dieser und der Ideensammlung der Erwachsenen, die im Anschluss folgte, galt die wichtigste Regel: "Es gibt keine blöden Ideen", es sollte auch keine Diskussion um die Ideen geben. "Sie sagen: Ich möchte...", betonte Hans Rohrmüller. Die Ideen sollten lediglich neutral durch Aufkleben von Punkten bewertet werden. "Interessant ist", so berichtete Rohrmüller von der Bürgerversammlung zur Dorfentwicklung in Kothen, die bereits Anfang April stattgefunden hatte, "dass bestimmte Ideen immer wieder kommen und die Ideen von Jugendlichen und Erwachsenen nahezu gleich sind".

Nach Präsentierung der Vorschläge und Auszählung der gegebenen Punkte stellte sich tatsächlich heraus, dass auch die Erwachsenen ein neues Feuerwehrhaus wünschen. Uneinigkeit herrschte allerdings über den Standort. Sowohl ein Neubau in der Oberzeller Straße, als auch der Umbau des alten Feuerwehrhauses mit Umgestaltung des angrenzenden Spielplatzes erzielten fast die gleiche Punktzahl. Auch die Idee eines Bürgerhauses oder Dorfgemeinschaftshauses wurde gut angenommen.

"Ihr habt die Ideen, wir finden die Lösungen", kommentierte Jochen Vogel das Ergebnis. "Mein Hausaufgabenheft steht voll", so der Bürgermeister. Mit der Förderstelle müsse er nun abklären, welche Möglichkeiten bezuschusst werden können. Da durch die Ideensammlung die Bürgerbeteiligung gegeben ist, könnte eine sechzig- bis siebzigprozentige Förderung möglich sein. Wie die gesammelten Ideen umgesetzt werden könnten, müsse ein Planer herausfinden.

Doch nicht nur das Gemeindeoberhaupt solle seine Hausaufgaben machen. Jochen Vogel forderte die Speicherzer auf, sich um die Nutzung des alten Feuerwehrhauses Gedanken zu machen, falls in der Oberzeller Straße ein neues gebaut wird. Auch die Art der Gestaltung des Spielplatzes mit Grillhütte bestimme, ob und in welcher Höhe eine Förderung möglich sei.

Neben der Dorfentwicklung stand ein großes Problem der Speicherzer Feuerwehr im Mittelpunkt. Anders als bei der Ideensammlung wurde hier intensiv diskutiert. Denn "den Borkenkäfer kriegt man am besten kaputt, wenn man ihn verbrennt". Diese Aussage eines Waldbesitzers erntete deutlichen Zuspruch unter den Speicherzern. Doch muss die Speicherzer Feuerwehr laut Erstem Kommandanten Tobias Leitsch viel zu oft ausrücken, weil Pkw-Fahrer von der Autobahnbrücke aus Qualm aus den Speicherzer Wäldern aufsteigen sehen und dies der Leitstelle melden. Zwar ist jedes Nutzfeuer dort angemeldet, doch wissen weder der Anrufer, noch die Leitstelle, auf welcher Flurnummer es tatsächlich qualmt. Auch ein Kontrollanruf bei der Person, die das Nutzfeuer angemeldet hat, hindere die Leitstelle nicht daran, Alarm auszulösen. "Ein Rattenschwanz an Bürokratie" komme dann auf den Ersten Kommandanten zu. Da die Feuerwehr bei Eintreffen vor Ort im Wald noch nie einen Notfall vorgefunden hat, befürchtet Tobias Leitsch, dass die Bereitschaft seiner Kameraden, bei derartigen Alarmierungen zu erscheinen, abnehme.

Bürgermeister Jochen Vogel schlug vor, einen zentralen Gemeindeplatz zu finden, zu dem die Waldbesitzer die Fichtenäste anliefern können. Klärungsbedarf herrsche darüber, ob die Äste dort gehäckselt, oder auch verbrannt werden können. Die Verwertung könne durch Mietmaschinen ermöglicht werden.

Weiterhin dürfe jeder Waldbesitzer nach entsprechender Anmeldung bei der Leitstelle Äste auf seinem Waldgrundstück verbrennen, betonte Vogel. Dennoch müsse nach einer Möglichkeit gesucht werden, die Situation der Speicherzer Feuerwehr zu verbessern.