Am Mittwoch, 19. Juli, werden die Neuntklässler der Schondratalschule feierlich verabschiedet. Es ist jene Klasse, die im Sommer 2014 so sehr dafür kämpfte, im Heimatort in die Schule gehen zu dürfen- bis zum Abschluss. Damals begann die schrittweise Zusammenlegung der Mittelschulen im Altlandkreis. Die sinkenden Schülerzahlen hatten den Entscheidern keine andere Wahl gelassen. Seither gehen die "großen" Schüler aus Schondra und Wildflecken in Bad Brückenau zur Schule. Die 5. und 6. Klassen aber wurden geschont.

Damit scheint nun Schluss zu sein. Ab September sollen wohl alle Mittelschüler aus Schondra nach Bad Brückenau. Die 5. Klasse ist mit 13 Kindern einfach zu klein. "Da ist was dran, leider", bestätigt Bürgermeister Bernold Martin (CSU). "Das größte Problem sind die Lehrer und die Lehrerstunden." Zum Hintergrund: Seit dem Schuljahr 2010/11 gelten die drei Mittelschulen als eine Schule. Folglich muss das Lehrer- und Stundenkontingent also auf drei Standorte verteilt werden. Martin betont, dass die Mittelschule nicht geschlossen werde, sondern lediglich "inaktiv" sei - mit der Option einer Reaktivierung. Die endgültige Entscheidung falle diesen Freitag, also exakt eine Woche vor Beginn der Sommerferien.


Eltern noch nicht informiert

Vor zwei Wochen sickerte durch, was sich im Hintergrund zusammenbraut. Das berichtet Horst Conze, Mitarbeiter dieser Zeitung und stellvertretender Elternsprecher der aktuellen 5. Klasse. "Es ist für mich völlig unverständlich, dass die Eltern der Kinder der zukünftigen 5. und 6. Klasse bis jetzt von keiner öffentlichen Stelle über die Verlegung der Schulklassen informiert wurden", schreibt er der Redaktion.

Spätestens Anfang Juni - nachdem die Übertrittszeugnisse erstellt und die Probestunden an der Realschule absolviert worden seien - habe den Verantwortlichen klar sein müssen, dass es die neue 5. Klasse in Schondra nur auf 13 Schüler bringe. "Dass jetzt aber zehn Tage vor Schuljahresende die Eltern immer noch nicht informiert wurden, ist in keiner Weise nachvollziehbar", meint Conze.

Birgit Herré, Verbundskoordinatorin der Mittelschulen, war am Dienstag nicht erreichbar. Auch Klaus Jörg, Direktor am Schulamt Bad Neustadt, befand sich außer Haus. Jörg ist übergangsweise für den Altlandkreis Bad Brückenau zuständig. Das Schulamt Bad Kissingen teilt in der Angelegenheit nur mit: "Von uns wird dazu heute keine Stellungnahme gemacht."


Entscheidung der Bürgermeister

Entscheiden wird das allerdings weder das Schulamt in Bad Neustadt noch das Bad Kissinger Amt. Wie sich eine Verbundschule aufstellt und die ihr zugeteilten Lehrer und Unterrichtsstunden aufteilt, liegt in der Verantwortung der Kommunen. Der Schondraer Bürgermeister Bernold Martin berichtet, dass sich bei einer Sitzung des Schulverbunds alle acht Bürgermeister der Region hinter die drei Mittelschulen gestellt hätten. "Da ist einstimmig beschlossen worden, dass wir alle drei Schulstandorte erhalten", betont er. Dass auch eine inaktive Schule als Schulstandort zähle, fügt er auf Nachfrage hinzu.

Der Wildfleckener Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWW) bestätigt das. Er geht nicht davon aus, dass die Mittelschüler in Wildflecken betroffen sind. An der Mittelschule hänge das Angebots des offenen Ganztags, auch für Grundschüler. Zudem saniere die Gemeinde die Schule im Ortskern momentan für viel Geld. Das Gebäude biete Platz für Grundschüler und die 5. und 6. Klasse der Mittelschule. Die Prognose der Schülerzahlen für die kommenden Jahre sei wieder im Aufwind. Für das kommende Schuljahr sind 15 Fünftklässler und 16 Sechsklässler in Wildflecken gemeldet, sagt Schulleiterin Christiane Helfrich.