Wenn man in der Rhön einen Zentner Salz gegessen hat, ist man ein Rhöner. Regina Rinke schmunzelt, wenn sie die Geschichte erzählt. Der Satz fiel auf einem Heimatabend im Gasthaus Völker im Jahr 1963. Damals war sie noch neu in Wildflecken, 1962 siedelten sie und ihr Mann Günter sich dort an. Wie viel Salz sie inzwischen hier gegessen hat, Rinke kann es nicht sagen. "Rhönerin kann man nicht werden", stellt sie fest. "Man ist es von Geburt an."

Geboren wurde Regina Rinke am 23. Januar 1936 in Aue im Erzgebirge, aufgewachsen ist sie in der Lausitz. Ihr Blick wandert zum Fenster, bei guter Sicht kann man den Kreuzberg sehen. 1954 kehrte sie der DDR den Rücken, mit ihrem Ost-Abitur in der Tasche. Dass sie trotzdem studieren und Lehrerin werden konnte, war nur über Umwege möglich. "Es ist der schönste Beruf, den es gibt", sagt sie, auch wenn sie sich nicht vorstellen kann, in der heutigen Zeit zu unterrichten. "Die Freiheiten, die wir hatten...", sagt sie. "Die Inhalte waren heimatbezogen, damit die Kinder ein Verhältnis zur Region bekommen." Heute komme ihr alles so hektisch vor. So leistungsbezogen.

Nun wird Regina Rinke 80. "Ich habe mich noch vor keiner Zahl gefürchtet. Aber vor der acht..." Sie seufzt. Dabei weiß sie, dass es nicht vielen Menschen vergönnt ist, so alt zu werden. Dass sie noch selbst Auto fahren und unbeschwert reisen kann, empfindet sie als Geschenk. Ihre Tätigkeit als freie Mitarbeiterin für die Zeitung macht ihr Freude. Und dass sie eine neue Aufgabe gefunden hat, auch dafür ist Regina Rinke dankbar. In Gahunga in Ruanda finanzierte sie den Bau einer Schule. Die Arbeiten wurde von einem Kloster beaufsichtigt, der Schulbetrieb ist staatlich organisiert. Bis heute begleitet sie das Projekt, hat zusammen mit anderen Rhönern Patenschaften für die Kinder übernommen.


Abschied vom Rhönklub

Dass es überhaupt soweit kam, hat mit dem Rhönklub zu tun. Seit 1966 ist Rinke dabei, 1985 wurde sie Vizepräsidentin. Von 1989 bis 2011 füllte sie das Amt an der Spitze des Vereins aus. Doch mit ihrem Nachfolger Ewald Klüber überwarf sie sich dermaßen, dass der gesamte Rhönklub ins Schlingern geriet. Rinke drohte sogar damit, ihre Mitgliedschaft komplett aufzukündigen. Sie tat es nicht, nach wie vor gehört sie zum Zweigverein Wildflecken. "Ich habe das überwunden", sagt sie heute. Nicht leichtfertig, sondern nach einigem Zögern. Von einem Bruch möchte sie nicht sprechen, sie nennt es Abschied. "Der Rhönklub hat sich verändert. Es ist wieder Frieden eingekehrt."

Pfarrer Andreas Krefft aus Bad Neustadt half ihr in dieser schwierigen Zeit. "Sie sind doch Lehrerin. Warum bauen Sie nicht eine Schule?", sagte er zu ihr, als der Rhönklub und die Trauer um ihren Mann, der im November 2010 starb, ihr stark zusetzten. "Wir haben alles gemeinsam gemacht, wir hatten ja keine Kinder", sagt Rinke. 48 Jahre war das Paar verheiratet. Auch ihr Chor gab ihr Kraft. Seit 1970 dirigiert Rinke den Gesangverein 1948. Es ist eine verschworene Gemeinschaft.

Ihren Ehrentag feiert Regina Rinke mit einem Dankgottesdienst im Kirchenzentrum Wildflecken. Danach gibt's Weißwürscht' im Sportheim. Schon in der Nacht auf Sonntag bricht sie mit einer Reisegruppe nach Ostafrika auf, die Koffer stehen fertig gepackt im Wohnzimmer. "Ich weiß, dass ich bald gehen muss", sagt Regina Rinke. Doch aus ihren Worten spricht keine Resignation, eher Tatendrang. Eines aber bedauert sie im Leben. "Dass ich bis heute nirgendwo hingehöre. Ich wäre so gerne Rhönerin."