Wanderer, die zur Zeit in den Schwarzen Bergen unterwegs sind, stoßen hier und da über Absperrbänder. Wer Glück hat, kann vom Wegesrand aus Waldarbeiter beobachten. Mit ihren Harvestern fällen sie die mächtigen Fichten, die eigentlich gar nicht in die Rhön gehören. Gerade in den Kernzonen des Biosphärenreservats Rhön, in denen sich der Wald so ursprünglich wie möglich entfalten soll, passen die flachwurzligen Nadelbäume nicht ins Bild. Deshalb lichten die Bayerischen Staatsforsten in den Kernzonen des Biosphärenreservats Rhön aus: Insgesamt 36 000 Festmeter Holz werden geerntet.


Betanken im Wasserschutzgebiet

Im Altlandkreis Bad Brückenau betreffen die Hiebarbeiten vor allem den Bereich Schwarze Berge. Wanderwege wurden umgeleitet, das Holz liegt zum Teil noch da, wie es umgefallen ist. Bei den Privatwaldbesitzern der Region geht die Angst vor dem Borkenkäfer um, "gerade bei den Wäldern, die direkt an die Kernzonen angrenzen", berichtet Roland Römmelt (CSU), der Bürgermeister von Riedenberg. Und seine Kritik geht noch weiter: Die Menge an Holz, die aus den Wäldern herausgeholt werde, sei nicht mehr nachvollziehbar. Außerdem würden die Harvester im Wasserschutzgebiet betankt. Römmelts Fazit: "Das trägt nicht zur Akzeptanz der Kernzonen bei!"

"Es stimmt, dass viel Holz rauskommt", zeigt Heinrich Hümpfner Verständnis für den Unmut. Er ist stellvertretender Leiter des Forstbetriebs Bad Brückenau. Das Amt ist für die Arbeiten in den Kernzonen zuständig. "Wir mussten abwägen, auch im Sinne der Wanderer und Hüttenwirte", erklärt Hümpfner. Oberste Priorität habe, die Auslichtung nicht über mehrere Jahre zu ziehen, sondern so schnell wie möglich über die Bühne zu bringen. Das gute Wetter spielt dem Forstbetrieb in die Hände. "Bei feuchter Witterung wäre die Zerstörung durch die Maschinen noch viel größer", sagt Hümpfner.


Treibstoff ökologisch abbaubar

Was den Borkenkäfer angeht, so ist Hümpfner gelassen. "Ich sehe die Gefahr etwas geringer." Zum einen sei die Höhenlage auf etwa 800 Höhenmetern für den Käfer etwas ungemütlich. Zum anderen "fließen die Hölzer aus Bad Brückenau bevorzugt ab". Sollte das Holz bis Mitte September nicht weg sein, überlege der Forstbetrieb, auf eigene Kosten für eine Zwischenlagerung zu sorgen. Auch die Wege würden wieder hergerichtet, verspricht Hümpfner.

Ausdrücklich keine Gefahr sieht der Forstmann beim Betanken in freier Natur. "Wir arbeiten mit zertifizierten Unternehmen zusammen, die biologisch abbaubares Öl und Sprit einsetzen." Selbst wenn also etwas Treibstoff versickern würde, wäre das kein Grund zur Sorge, so Hümpfner. Forstbetriebsleiter Wolfram Zeller stellt klar: "Wir tanken nicht im Wasserschutzgebiet". Es gebe mobile Tankstellen, die außerhalb der Schutzzone lägen.


Rhönklub sieht es nicht so eng

Der Rhönklub-Zweigverein Oberbach sieht den Konflikt nicht so eng, auch wenn Vorsitzender Roland Heublein "gemischte Gefühle" hat, was den Hieb in den Kernzonen angeht. Die Maßnahmen seien rechtzeitig angekündigt worden - und auch notwendig. "Fichten in der Rhön... über kurz oder lang gibt's da Probleme", weiß der langjährige Wanderer. Dass aber just die Flächen zu Kernzonen erklärt wurden, in denen diese Fremdhölzer häufig vorkommen, ist für ihn " nicht nachvollziehbar." Die Einschränkungen für die Wanderer aber seien zumutbar - zumal die Oberbacher Hütte des Rhönklub-Zweigvereins nicht direkt von den Absperrungen betroffen ist.