Seit Januar 2017 führt Oberstleutnant Roman Jähnel den Bereich Truppenübungsplatzkommandantur Süd. Als Kommandeur verantwortet er den gesamten süddeutschen Raum von Wildflecken aus. Ursprünglich stammt Jähnel aus Oerlenbach. Im Interview spricht der 49-Jährige über die umfangreichen Bauarbeiten in der Rhön-Kaserne, den tödlichen Schießunfall im Mai und das verstärkte Engagement der Nato im Osten.

Herr Jähnel, seit gut einem Jahr sind Sie in Wildflecken stationiert. Wie ist Ihr Eindruck?
Roman Jähnel: Positiv! Ich bin ziemlich viel unterwegs, um auch auf den anderen Truppenübungsplätzen präsent zu sein. Wir haben einiges nach vorne gebracht, Arbeitsabläufe gestrafft und Strukturen vereinfacht. Seit August bin ich außerdem Standortältester der Rhön-Kaserne. Das heißt, ich bin der erste Ansprechpartner für den Standortbereich Wildflecken, was alle territorialen Fragen zur Bundeswehr angeht.

Dem normalen Bürger ist oft nicht klar, was genau auf den Truppenübungsplätzen passiert.
Hier muss man zwischen dem Schieß- und Übungsbetrieb sowie den Einrichtungen für den Betrieb der Truppenübungsplätze unterscheiden. Ein Beispiel: Die Telekom ist derzeit dabei, die Telefonie zu digitalisieren. Auf den Truppenübungsplätzen liegen aber noch analoge Leitungen. Jede Schießbahn muss gemäß Vorschrift mit einem Telefon ausgerüstet sein, da geht es um die Sicherstellung der Schießüberwachung. Deshalb werden nun bis Ende 2019 neue Leitungen verlegt - ein sportliches Ziel.

Bereits seit zwei Jahren laufen umfangreiche Bauarbeiten in der Rhön-Kaserne. Bis 2023 will die Bundeswehr insgesamt 60 Millionen Euro in den Standort investieren. Was passiert aktuell?
Die Bundesfeuerwehr Wildflecken bekommt eine neue Feuerwache, die Sanierung der Straßen geschieht fortlaufend. Ein Heizkraftwerk wird gebaut werden und für das Gefechtssimulationszentrum sind zwei neue Technikgebäude geplant. Außerdem werden die Unterkünfte modernisiert und teilweise auch Gebäude abgerissen.

Wird auf dem Truppenübungsplatz auch investiert?
Nicht in diesem Ausmaß, aber natürlich werden auch dort die Schießanlagen nach und nach modernisiert. Im vergangenen Jahr haben wir eine Schießanlage für Scharfschützen in Betrieb genommen, die Truppe ist begeistert. Und wir haben für 5,5 Millionen Euro einen weiteren Abschnitt der Panzerringstraße auf einer Länge von 16,5 Kilometern asphaltiert.

Die Bundeswehr will wieder mehr Personal einstellen. Bis zum Jahr 2024 sollen es laut Plan insgesamt 198.000 Soldaten und 61.400 zivile Mitarbeiter sein. Was bedeutet das für Wildflecken?
Ob wir in der Rhön-Kaserne mehr Personal bekommen, kann ich nicht sagen. Vielleicht vereinzelt. Im Wesentlichen profitiert hier der IT Sektor, der insbesondere durch die Neuaufstellung des militärischen Organisationsbereiches Cyber- und Informationsraum einen nicht unerheblichen Bedarf an Soldaten und zivilen Mitarbeitern hat.

Nun möchte die Bundeswehr ja auch ein neues Rechenzentrum bauen. Steht der Standort inzwischen fest?
Das wissen wir nicht. Wir sollten aber vor ein paar Monaten eine Stellungnahme abgeben, ob die Rhön-Kaserne grundsätzlich als Standort für ein Rechenzentrum geeignet wäre. Das haben wir auch getan - mit dem Ergebnis, dass nach unserer Bewertung Wildflecken durchaus Vorzüge gegenüber anderen Standorten hat. Die Energieversorgung gestaltet sich allerdings schwierig.

Die Nato verstärkt ihre Truppenbewegungen in Osteuropa. Spiegelt sich diese Entwicklung auch in den Übungsszenarien vor Ort wider?
Wir haben hier Truppen, die sich zum Beispiel für Litauen vorbereiten. Nach wie vor sind aber auch die Einsätze in Mali und Afghanistan im Fokus. Insgesamt lässt sich hier kein Schwerpunkt festlegen. Ich möchte aber betonen, dass die Landesverteidigung eine Gleichrangigkeit gegenüber den anderen Aufgaben der Bundeswehr besitzt und somit ebenfalls eine wesentliche Säule unseres Auftrages darstellt.

Wie schätzen Sie die Situation grundsätzlich ein?
Es gibt sehr wohl eine Bedrohung, sonst hätte die Nato ihre Ostflanke nicht verstärkt. Man muss allerdings unterscheiden zwischen Präsenz zur Abschreckung und einem Einsatz wie eben in Mali oder Afghanistan, wo es in einer erschreckenden Regelmäßigkeit zu Gefechten und Anschlägen kommt.

Das Gespräch führte Ulrike Müller.


60 Millionen Euro investiert die Bundeswehr bis zum Jahr 2023 in die Rhön-Kaserne.

700 Soldaten und zivile Mitarbeiter gehören etwa zur Stammtruppe der Rhön-Kaserne.