"Die Kirche ist voll." Noch nicht mal mehr die Kirchentüre war zu öffnen, so dicht standen die Menschen zum Gottesdienst am Sebastianstag in der Klosterkirche. Der schmale Spalt erlaubte gerade mal festzustellen, dass es tatsächlich unmöglich gewesen wäre, die Türe des Hauptportals zu öffnen.

Jahr für Jahr herrscht auf dem Kreuzberg eine Art Ausnahmezustand, wenn die Waldarbeiter aus Bayern, Hessen und Thüringen den Tag ihres Schutzpatrons auf dem heiligen Berg der Franken feiern, da lassen sie sich auch von noch so viel Schnee nicht abhalten. Doch nicht nur die Waldarbeiter, sondern auch für Landräte und Bürgermeister ist der Sebastianstag ein Muss.

Dass nicht nur der Gottesdienst ein Anziehungspunkt ist, sondern auch das anschließende gemütliche Beisammensein im Antoniussaal bei Klosterbier und allerlei Köstlichkeiten aus der Klosterküche, dürfte außer Frage stehen. Schon während des Gottesdienstes bildete sich eine lange Schlange vor der Türe, doch Einlass wurde erst nach dem Schlusssegen in der Kirche erteilt. Wie schon im Gottesdienst, sorgten die Bergmusikanten aus Waldfenster beim gemütliche Beisammensein für die passende musikalische Unterhaltung.
Der Sebastianstag ist für die Waldarbeiter immer wieder eine schöne Gelegenheit, gute alte Bekannte wiederzusehen, ehemalige Arbeitskollegen und Freunde zu treffen, um ein Pläuschchen zu halten und ein Klosterbier zu trinken, schließlich ist der Sebastianstag der Feiertag der Waldarbeiter.


Feier zum 47.Male

Vor 47 Jahren wurde die Tradition, den Ehrentag mit einem Gottesdienst auf dem Kreuzberg zu feiern von Anton Räder aus Unterweißenbrunn ins Leben gerufen. Nunmehr zum neunten Mal übernahm der Forstwirtschaftsmeister Gotthard Schwender aus Gräfendorf (Landkreis Main-Spessart) die Organisation. In seiner Ansprache erinnerte er an die alte Tradition, am Sebastianstag Säge, Axt und Beil ruhen zu lassen, um dem Heiligen für ein unfallfreies Arbeitsjahr zu danken und ihn weiterhin um seinen Schutz zu bitten.

Welch große Resonanz und damit Wertschätzung der Sebastianstag - auch von politischer Seite aus erfahre - das sei überwältigend.

Dass auch der Jugend der Sebastianstag schon am Herz liegt, zeigten die fünf Forstwirtauszubildenden der Forstbetriebe Heigenbrücken und Bad Königshofen, die wie schon in den vorigen Jahren, in ihren Schutzausrüstungen den Ministrantendienst am Altar übernahmen.

"Wir feiern heute zum 47. Mal den Sebastianstag auf dem Kreuzberg. Eine lange Tradition, die wie ich hoffe, sich immer weiter fortsetzen wird", sagte Schwender. Es sei nötig, einen Tag inne zu halten und zu danken. Schwender machte auf die Gefahren bei der Waldarbeit aufmerksam, wenn beispielsweise Bäume durch Schneelast brechen oder unter starker Spannung stehen. "Das stellt für jeden Holzmacher eine große Gefahr dar."


Holzmacher nicht zu ersetzen

Auch wenn vieles mit Maschinen bewerkstelligt werden könne, der Holzmacher, mit seiner Säge, sei letztendlich doch nicht zu ersetzen. Dabei müsse immer wieder bewusst gemacht werden, dass die Waldarbeit eine der gefährlichsten Arbeiten überhaupt sei. "Die kleinste Unachtsamkeit kann fatale Folgen haben. Nichts gleicht dem anderen, jeden Baum gibt es nur einmal, und oftmals ist nicht alles kalkulierbar." Trotz der Gefahren sei die Arbeit im Wald nach wie vor für viele ein Traumberuf, denn der überwiegende Teil der Arbeitszeit werde in der freien Natur verbracht. Ein vielfältiges und abwechslungsreiches Arbeitsprogramm mache jeden Tag interessant. So war es für die Waldarbeit ein Anliegen, in den Fürbitten speziell für den Schutz aller im Wald tätigen Menschen zu beten, sei es Forstarbeiter, Holzrücker, Jäger und Förster.


Mut und Glaubensstärke

Den Gottesdienst zelebrierte der Guardian des Klosters Kreuzberg, Pater Stanislaus Wentowski, der den Heiligen Sebastian jedem als Vorbild ans Herz legte, nicht nur den Forstleuten. Der Heilige habe Mut und Glaubensstärke bewiesen: Von Pfeilen getroffen wurde er zunächst irrtümlich für tot gehalten, aber von Christen, die ihn begraben wollten, wieder gesund gepflegt. Er trat erneut in der Öffentlichkeit auf, um den Glauben zu verkünden und wurde schließlich umgebracht.

Unschuldig habe er Leid getragen, so wie Jesus Christus, dem er nachfolgte, zeigte Pater Stanislaus auf. "Er hat sich für den Glauben und für Menschen eingesetzt, die ihrerseits ungerecht behandelt wurden." Es habe sich gezeigt, dass es nicht darum gehe zu leben und dann zu sterben, sondern um die Liebe - und diese auch weiterzugeben. "Einen Heiligen zu verehren bedeutet nicht nur, sich an seinem Festtag frei zu nehmen und zu feiern. Das gehört auch dazu. Einen Patron zu verehren bedeutet ihn nachzuahmen, von ihm zu lernen und das eigene Handeln nach seinem Vorbild zu korrigieren und perfektionieren."