Opa wandert. Er wandert gern, seitdem er diese Krankheit hat. Demenz. Seitdem macht Oma sich Sorgen. Und die Kinder auch. Aber sie möchten Opa nicht anbinden. Und eigentlich wollten sie ihn so lange wie möglich zuhause behalten. Deshalb schenken sie ihm eine Uhr. Und diese Uhr hat es in sich.

Sie kann machen, dass sich die Türen schließen, wenn Opa aus dem Haus will. Solche Sicherheitssysteme gibt es in manchen Pflegeheimen, zum Beispiel im Schloss Römershag. Sie kann aber auch dafür sorgen, dass die Tochter eine Nachricht auf ihr Smartphone bekommt, wenn Opa sich zu weit wegbewegt. Dann ruft sie Oma an und Oma geht Opa suchen. Manchmal helfen auch die Nachbarn dabei, denn sie wissen schon, dass Opa manchmal einfach vergisst, wo er hinläuft. Und wenn er gar nicht mehr weiter weiß, kann er einen Knopf auf der Uhr drücken. Dann kommt Hilfe.

Mit rund 1,3 Millionen Euro gefördert

Sicherheitstechnik wie diese sind inzwischen Alltag in Deutschland. Sie werden zum Beispiel von der Firma Martin Elektrotechnik in Bad Brückenau hergestellt und verkauft. Rund 1300 Einrichtungen hat das Unternehmen schon ausgerüstet und ihre Systeme auch an Privatpersonen verkauft. Darauf sind die Martins stolz. "Unser Motto ist, wir bieten so viel Schutz wie nötig und so viel Freiheit wie möglich", erklärt Prokuristin Annette Martin. Doch der Erfolg hat Grenzen. "Unsere Erfahrung zeigt, dass die Menschen keine Notrufuhr wollen, weil sie stigmatisiert", berichtet Junior-Chef David Martin.

Das wird sich bald ändern. "Die Technik soll nicht stigmatisieren", sagt Josef Huber von der Evangelischen Heimstiftung. Zusammen mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft arbeitet die Stiftung am Projekt "QuartrBack", das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit insgesamt rund 1,3 Millionen Euro gefördert wird. Der Kern: Das System ist intelligent. Es merkt sich Gewohnheiten der beschützten Personen, erstellt Bewegungsprofile und meldet Unregelmäßigkeiten. Und: Es bindet ein Netzwerk an ehrenamtlichen Helfern mit ein, die via Smartphone benachrichtigt werden. Das funktioniert in Heimen, aber auch im privaten Umfeld.

Eine Frage der Selbstbestimmung

Was aber, wenn Opa nachts aufsteht, weil er Hunger hat? Das System merkt es. Was, wenn er sich heimlich mit seiner Jugendliebe trifft? Dann weiß es nicht nur das System, sondern auch Oma. Und hier wird deutlich, warum der Fortschritt unserer Zeit meistens zwei Seiten hat: Das, was technisch machbar ist, trifft auf ethische Fragen der Selbstbestimmung und nicht zuletzt der Datensicherheit. Auch rechtliche Grundsätze gilt es zu beachten.

"Nur wenn wir im Vorfeld die Technik reflektieren, können wir damit auch umgehen", sagt Huber. Deshalb begleitet ein Expertenrat des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse des Karlsruher Instituts für Technologiedas Projekt. Huber bleibt dennoch realistisch: "Am Ende wird das immer noch ethisch grenzwertig sein." Es wird wohl eine Frage der Abwägung bleiben, wie die neue Technik eingesetzt wird. Vor allem für die Angehörigen.