Mitten im Wald an der Station "Mutter Erde", unter dem schützenden Blätterdach der Buchen, wurde der Wortgottesdienst zum zehnjährigen Bestehen des Franziskuswegs mit Dekan Dr. Andreas Krefft gefeiert. Einen Gottesdienst der besonderen Art versprach die Vorsitzende des "Freundeskreis Franziskusweg" Monika Werner und sie sollte Recht behalten.
Zuerst sah es gar nicht danach aus, dass der Wortgottesdienst überhaupt mitten im Wald stattfinden könnte. Nebelschwaden und dunkle Wolken zogen über die Rhön. Doch kaum waren die Sitzbänke aufgebaut, strahlte die Sonne durch die Baumwipfel. In ihrer Begrüßung ging die Vorsitzende nur kurz auf den Werdegang vor zehn Jahren ein. Sie richtete ein Dankeschön an alle Spender und Unterstützer, wie den Landkreis Rhön-Grabfeld und den Naturpark Bayerische Rhön sowie die Berufsfachschule für Holzbildhauer in Bischofsheim, wo die Kunstwerke entstanden sind und kostenfrei zur Verfügung gestellt wurden.


Unzählige Besucher

"Unzählige Besucher sind den Franziskusweg seither gegangen. Es freut uns sehr, dass der Weg so gut angenommen wird", sprach sie im Namen der gut 50 Mitglieder des Freundeskreises. "Allen Spendern können wir sagen: Ihre Investition hat sich gelohnt."
Dekan Krefft schwärmte zunächst einmal vom Weg und vor allem dem Platz "Mutter Erde", der zu seinen Lieblingsplätzen auf dem Franziskusweg gehöre. "Ich gehöre zu denen, die begeistert sind vom Franziskusweg. Hier finde ich Ruhe und Stille zum runterkommen und neu beginnen." Für ihn fand der Gottesdienst zum zehnjährigen Bestehen in der "wunderschönsten Kathedrale" statt und für das himmlische Halleluja sorgten die vielen Vögel rund herum.


Drei Skulpturen

Herzstück der Station "Mutter Erde" sind die drei DNA-Skulpturen in unterschiedlicher Darstellung. "Wie beeindruckend es doch ist, dass sieben Milliarden Menschen unterschiedliche DNA-Strukturen haben. Ein Wunder der Natur. Keine Mensch ist identisch mit dem anderen. Zufall? Oder Plan unseres Schöpfers?", fragte Dekan Krefft. Aber auch Krankheit und Sterben gehöre zum Menschsein, das zeige die zweite DNA-Skulptur.
Die dritte werde durch Metallstäbe künstlich, technisch beeinflusst. Dies erinnerte an das Clonen, die Selbstüberschätzung der Menschheit, den perfekten, super-genialen Menschen selbst schaffen zu wollen.
Dass jeder Mensch einzigartig, unverwechselbar und ganz besonders sei, das zeigte Dekan Krefft den Gottesdienstteilnehmern in einem Experiment. Mit verbundenen Augen sollte Diakon Wolfgang Dömling Menschen an ihren besonderen Merkmalen erkennen. Dieses Experiment machten auch gerne die Firmlinge mit, die zufällig auf ihrem Gang über den Franziskusweg zum Gottesdienst dazu kamen. Spontan lud Krefft die jungen Menschen aus Tauber am Main ein, ganz nach vorne zu kommen, mit zu singen und mit zu beten. "Lobe den Herrn meine Seele", klang gemeinsam mit den jungen Menschen in grünen Buchenwald nochmal so schön.
Die Verwiesenheit des Menschen auf die Mutter Erde, aber auch eine weitere Skulptur, der Tierbaum mit der Franziskuslegende vom Wolf waren Gegenstand von Dekan Kreffts Betrachtungen. Verständnis für den anderen - Was muss passieren, dass Sie Ihre Heimat verlassen?, fragte der Dekan. Gravierendes. "Wenn man sich wohlwollend in die Situation von Menschen versetzt, dann kann man sie etwas verstehen, dann ist ein gutes Miteinander möglich", sagte er und verwies auf die Notwendigkeit Hilfe zur Selbsthilfe zu geben, damit alle Menschen die Chance bekommen ein menschenwürdiges Leben zu führen.


Die Erde: Glück und Not

Die Mutter Erde bezeichnete er als "Glück und Not" der Menschen. Bei allem Leid und Unglück sei sie doch so herrlich, das man sie mit ganzem Herzen lieben müsse. Und trotzdem trage sie den Stachel des Todes in sich, könne die Menschen nicht auf ewig, sondern nur lebenslang glücklich machen. Die Mutter Erde sei auch oft traurig, dass so viele ihrer Kinder hungern und dürsten müssen. Der verantwortungsvolle Umgang mit den Ressourcen, das sei Auftrag und Verantwortung für alle Menschen.
"Die Schönheit der Natur führt zum Schöpfer", versicherte Dekan Krefft. Iimmer wieder verband er seine Gedanken mit aktuellen Geschehnissen, der Situation in Ostafrika, wo 20 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen sind und die vergleichsweise komfortable Situation in Deutschland und Europa. Auch hier sein Auftrag, dass alle Menschen würdevoll leben können.
Seinen Abschluss fand die Wortgottesfeier in der Franziskuskapelle mit dem Sonnengesang des Heiligen Franziskus, dem Lobpreis auf die Schöpfung Gottes. "Wir haben die Schönheit und Vielfalt der Natur erlebt. Nehmen wir die Atmosphäre des Tages mit nach Hause, bleiben wir offen, staunend, dankbar und lobend so wie es Franziskus gemacht hat."