"Ein paar Augenblicke" gönnten sich die Besucher in der voll besetzten Klosterkirche, um am Valentinstag Liedern und Texten zu lauschen und in neue Gedanken um die Liebe einzutauchen.

Rektor Klaus Hofmann bot zur seit 2003 jedes Jahr stattfindenden Segensfeier für Liebende wieder Einblicke in Geschichten und Bibeltexte sowie zeitgenössische Lieder an. Namens- und ideengebend für den Titel der Veranstaltung "Wir wären Helden geworden" war die Band Radio Doria mit dem Lied "Helden". Der Text ist dominiert von dem für Hofmann "fürchterlichen Konjunktiv" "hätten" und "wären". Vor Entscheidungen zögern und Gelegenheiten nicht ergreifen erweist sich schlimmer als Versuchen und Scheitern. Mut zu haben, die Chancen des Lebens zu ergreifen, zog sich als roter Faden durch die kurzweilige Segensfeier.

Der Mut des Traumjörg in Jörg Zinks Märchen "Vom unsichtbaren Königreich" bescherte ihm seine Prinzessin mitsamt Königreich. Nicht nur Rosensträuße blieben aus den Träumen in der Wirklichkeit bestehen. Ob die Einfältigen dies auch so sahen, kümmerte Traumjörg nicht. Entscheidend war seine Entschlossenheit, den Mut zum Glück zu haben.

Leben im Hier und Jetzt war schon im Markus-Evangelium Thema. Die "Speisung der 5000" - "Wie soll das gehen?" mit fünf Broten und ein paar Fischen, fragte Hofmann. Auch hier hatten die Jünger den "Mut, zu machen, wovon man träumt" - und alle wurden satt. Ob vom Brot, den Fischen oder dem Miteinander, lies Hofmann offen. Wichtig war, dass gehandelt wurde.

"Einfach machen!"

Auch der Sänger Bosse legt Wert auf "Alles ist jetzt". Die Höhen und Tiefen des Lebens anzunehmen, wagt er sogar zu sagen, "dass es gut ist, wenn man sich verläuft". In der kurzen Lebensspanne heißt es anpacken: "Was du träumst, das musst du machen, all die besten, super Sachen - einfach machen, einfach machen".

Lebenswert durch Liebe

Klaus Hofmann hatte im Zuge der Vorbereitungen Neues entdeckt. Tief berührt war er von dem Text "Das weiße Haus" - ebenfalls von Radio Doria. Hier geht es um eine Stelle, die auf jedem Lebensweg zu finden ist: ein Zustand des Stillstands, ohne Leben und Menschen, der durch Liebe wieder lebenswert gemacht wird. "Es ist komisch, dass ich jedes Jahr Lieder finde, die die für mich christliche Grundbotschaft in sich tragen." Im weißen Haus werden die Fenster geöffnet, durch die Licht und Liebe einströmt. Dies sollte Lebensmotto sein: "Es ist so einfach: Lasst uns leben und lieben - mehr wollte Gott nicht von uns", ist Hofmann überzeugt.

"Wir sind am Leben" von Rosenstolz fragt provokativ: "Hast du alles probiert?" Mut zu handeln, auch wenn es rückblickend falsch gewesen sein mag, ist die Lebensessenz: "Jeder meiner Fehler ist am Ende auch ein Schritt" singt Radio Doria zum "Rausschmiss".

"Und schon ist es wieder vorbei" beendet Klaus Hofmann die Segensfeier, die für die gut 100 Besucher zu schnell vergangen ist. "Unsere Wege trennen sich - meist für ein Jahr". Die Besucher, viele von ihnen Wiederholungstäter, einige zum ersten Mal dabei, haben die Zeit, das Gehörte auf sich wirken und nachwirken zu lassen. So nachhaltig und beeindruckend ist der Inhalt der Segensfeier, dass so mancher es noch nicht gleich in Worte fassen kann.

Ein "niederschwelliges Angebot" wollte Klaus Hofmann schaffen. Für "Liebende, die ansonsten vielleicht nicht so viel mit Kirche zu tun haben" schuf er vor 16 Jahren eine Struktur, die anspricht. Die Segensfeier erfreut sich steigender Beliebtheit. War die Klosterkirche 2003 nur zu einem Drittel gefüllt, sind inzwischen nahezu alle Plätze belegt. "Ich freue mich darüber und führe das darauf zurück, dass mein Plan mit dem niederschwelligen Angebot aufgegangen ist", denn Blumen und Pralinen allein sind für einen gelingenden Valentinstag nicht ausreichend.

Doch nicht nur die Kirchenbänke waren gefüllt. Nahrung für Leib und Seele konnten Besucher heuer auch in der Klosterschänke finden. Sowohl vor, als auch nach der Segensfeier wurde das Angebot zur Einkehr gut angenommen.