Ihren Namen möchte sie nicht nennen, denn der Schaden sei ohnehin groß genug, sagt die ehemalige Mieterin des Hauses in der Münchau. Ihre Aussagen bezieht sie auf den Bericht über sieben verendete Schafe und eine große Menge Hausrat, die ein Vermieter im Mai auf einem Anwesen in der Münchau gefunden hatte. Von einer Mietnomadin war die Rede. Die Frau widerspricht: "Das ist eindeutig Rufmord. Der Vermieter hat meine Existenz und die meiner Kinder zerstört."

Die Frau erhebt weitere Vorwürfe gegen ihren ehemaligen Vermieter. Begonnen habe ihr Mietverhältnis im Januar 2015. "Drei Wochen nach Einzug kam der Schimmel durch die Farbe", erläutert sie. "Sobald es geregnet hat, waren die Mörtelfugen im Wohnzimmer zu sehen", sagt sie und zeigt Bilder von nassen Wänden und feuchten Räumen.

Zum Vorwurf, dass sie keine Miete gezahlt haben soll, sagt sie: "Ja, ich habe mir erlaubt, in den letzten beiden Monaten des am 31. Dezember 2017 auslaufenden Mietverhältnisses aufgrund des Schimmelbefalls, gegen welchen mein ehemaliger Vermieter trotz Kenntnis drei Jahre nichts unternommen hat, keine Miete zu zahlen."


Frau wollte Sachen nachholen

Richard Müller, Hausbesitzer und Vermieter, bestreitet das: "Im Winter musste ich mit einem gerichtlichen Beschluss in das Haus, weil das Heizöl leer war und die Gefahr bestand, dass die Rohre zufrieren. Da habe ich gemerkt, dass in den oberen Räumen nicht geheizt wurde." Der Schimmelbefall sei dadurch entstanden, ist sich der Hausbesitzer sicher.

Ein weiterer Vorwurf der ehemaligen Mieterin betrifft das Mietverhältnis. Es sei befristet gewesen bis zum 1. Januar 2018. Zum Beweis hält sie den Mietvertrag hoch, in dem sie und ihr Mann als Hauptmieter aufgeführt sind. Das Paar sei schon länger getrennt, der Mann habe im Januar 2016 das Anwesen verlassen. Im Januar 2018 sei sie mit den Kindern fristgerecht ausgezogen. Ihre restlichen Sachen habe sie nachholen wollen, doch der Hauseigentümer habe ihr den Zutritt zur Wohnung durch den Austausch des Schlosses verwehrt.

"Unser Ziel war, dass wir im März alles raushaben - doch dann war das Haus zu", sagt sie auf den Vorwurf, sie hätte ihr Eigentum zurückgelassen. Auch hier widerspricht der Vermieter. Er sei lediglich mit einer Räumungsklage vor einigen Wochen ins Haus gekommen. Dass er die Schlösser ausgetauscht haben soll, so sagt Müller, stimme nicht. "Was hätte ich davon?", fragt er. "Für mich wäre es viel einfacher gewesen, wenn sie ihre Sachen selbst rausholt."


Mietverhältnis war unbefristet

Diese Schilderung wirft Fragen auf. Am Amtsgericht Bad Kissingen ist der Fall bekannt. Richard Oberndorfer, Direktor des Amtsgerichtes Bad Kissingen, teilt schriftlich mit: "Es lag ein unbefristetes Mietverhältnis vor, das wegen Nichtzahlung der Miete außerordentlich gekündigt worden ist. Die Klage war auf Räumung und Zahlung rückständiger Miete gerichtet und zwar gegen den Mieter und die Mieterin". Da sich die Mieterin nicht geäußert und keine Verteidigungsbereitschaft angezeigt habe, hat das Amtsgericht gegen sie am 21. Februar 2018 ein Teil-Versäumnisurteil erlassen, durch das sie zur Räumung und Zahlung rückständiger Miete verurteilt wurde. Das Ur teil sei mangels Einspruch rechtskräftig geworden.

Der Tod der im Stall gefundenen, skelettierten Tiere wird wohl im Dunkeln bleiben. Ein Rätsel gibt auch ein weiteres in einer Plastikkiste gefundenes Schaf auf. "Das ist nachträglich beim Räumen aufgetaucht", sagt Müller. Der Todeszeitpunkt der sieben bereits untersuchten Schafe werde auf etwa vor 18 Monaten geschätzt, so die Pressesprecherin des Landratsamtes Bad Kissingen.


Tod der Tiere kann nicht aufgeklärt werden

Auch die Rücksprache mit einem Pathologen, schreibt sie, "ergab die Einschätzung, dass mit Material dieses Alters keine Untersuchung mehr möglich ist. Ob die Tiere aufgrund einer Unterversorgung gestorben sind oder ob eine mögliche Erkrankung der Tiere mit Todesfolge vorlag, lässt sich beides zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausschließen." Fest stehe, dass die Tiere auf die Versorgung durch einen Halter oder Betreuer angewiesen waren. Weitere Ermittlungen in die Richtung liefen noch, teilt die Pressesprecherin mit.

"Die Tiere waren Eigentum meines Mannes, und er verweigerte nach deren Ableben jegliche Kommunikation und Kooperation im Bezug auf alle weiteren Handlungen", schildert die ehemalige Mieterin des Hauses, zu dem auch ein Stall gehörte. Die Tiere seien nicht ordnungsgemäß gekennzeichnet und wohl auch nicht in dem Betrieb ihres Mannes gemeldet worden, sagt sie, so seien ihr die Hände gebunden gewesen.

"Die Tiere wurden zu ihrer Lebzeit nach bestem Wissen und Gewissen mit Herzblut von mir versorgt, als wären es meine eigenen gewesen", sagt die Frau. "Der einzige Fehler, den ich laut Veterinär gemacht hatte, war der, das Ableben der Tiere nicht auch selbst dem Amt zu melden." Sie habe darauf vertraut, dass ihr Mann das regelt. "Woran die Tiere verstarben, kann ich nicht sagen. Verhungert sind sie definitiv nicht. Dafür gibt es mehr als genug Zeugen!"

Ein Nachbar aus der Münchau, der nicht genannt werden möchte, bestätigt das. "Wir haben der Frau immer wieder Heu zur Verfügung gestellt. Das hat sie auch bezahlt." Ob die Tiere an Parasiten oder an etwas anderem gestorben seien, könne er nicht sagen. Zudem, merkt der Nachbar an, habe ein Schaf überlebt und die letzten Monate bei ihm im Stall gestanden. Es soll vor einigen Wochen vom Noch-Ehemann der Frau abholt worden sein. Auf Nachfrage der Redaktion möchte der Ehemann nichts zu dem Fall sagen.