Zwei Besonderheiten kamen in diesem Jahr zusammen: Das 15-jährige Bestehen der Partnerschaft der beiden Gemeinden Motten und Ranville in Frankreich sowie das 75-jährige Jubiläum der Landung der Alliierten in der Normandie. Für Mottens Bürgermeister Jochen Vogel (CSU) war der diesjährige Besuch alles andere als normal, denn "das ist sicherlich das letzte große Jubiläum mit der Anwesenheit von Veteranen und mein letzter Besuch in Frankreich als Bürgermeister", sagte Vogel nach der Reise.

Drei Tage verbrachte er mit dem deutschen Partnerschaftskomitee rund um die Vorsitzende Ute Becker in Ranville an der Atlantikküste. Nach der Ankunft nahm die deutsche Delegation an einer Zeremonie am Jack-Watson-Platz teil. Dort ließen die Franzosen 80 Tauben als Symbol für den Frieden fliegen. Am 5. Juni besuchten sie die geschichtsträchtige Pegasus-Brücke. Die Brücke war während der Landung in der Normandie ein strategisch wichtiger Ort für die Alliierten gewesen.

Gedenken zum Jubiläum

Am Nachmittag fand auf dem Soldatenfriedhof in Ranville eine Gedenkzeremonie für die gefallenen Soldaten statt. Nach einem Abendkonzert im Sal de Fête ging es zurück zur Pegasus-Brücke, um in der Nacht auf den 6. Juni einen Kranz niederzulegen. Auch der folgende Tag - der eigentliche D-Day - war geprägt durch Gedenkfeiern rund um den Einmarsch der Truppen vor 75 Jahren. Nach einem Gottesdienst und Kranzniederlegungen am Kriegerdenkmal in Ranville sowie an einer belgischen Gedenktafel ging es im Anschluss auf den englischen Soldatenfriedhof zu einer großen Gedenkfeier mit Veteranen.

Eine Besonderheit verbindet die beiden etwa gleichgroßen Gemeinden miteinander: Zwei deutsche Bundeskanzler besuchten den geschichtsträchtigen Ort an der Atlantikküste in den letzten 15 Jahren und besiegelten während ihrer Besuche die Partnerschaft von Motten und Ranville. Vor genau 15 Jahren nahm der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder als erstes deutsches Staatsoberhaupt an den Feierlichkeiten zum D-Day in Ranville in der Normandie teil. Als prominenter Pate unterzeichnete er damals in diesem Rahmen den Zusammenschluss der beiden Partnergemeinden.

Schröder und Merkel unterzeichnen Partnerschaftsvertrag

"Die Sicherheitsvorkehrungen waren enorm, der ganze Ort war abgeriegelt", erinnert sich die Vorsitzende des Partnerschaftskomitees an den Tag. Viel lockerer, was die Sicherheitsvorkehrungen betrifft, sei der Besuch von Bundeskanzlerin Merkel vor fünf Jahren gewesen. Der geschichtsträchtige Ort steht deshalb immer wieder im Zentrum der Feierlichkeiten, weil Ranville die erste französische Stadt war, die im Zweiten Weltkrieg befreit wurde. "Beim Besuch am D-Day sind vor allem die Kriegsfriedhöfe beeindruckend, auf denen rund 3000 Soldaten begraben sind", sagte Becker nach der Rückkehr.

Die Kranzniederlegung am Grab eines anonymen deutschen Soldaten zum Abschluss der Zeremonie am D-Day sei für Bürgermeister Vogel wieder einmal eine besondere Erfahrung gewesen: "Das ist nicht selbstverständlich, dass die Franzosen am D-Day auch den deutschen Soldaten gedenken", ist sich Vogel sicher.

Das sei eine sehr bemerkenswerte Geste, die vor zehn Jahren von Jack Watson - einem amerikanischen Major, der im Zweiten Weltkrieg gegen die Deutschen gekämpft hat - eingeführt wurde. Am Abend fand zum 15-jährigen Bestehen der Partnerschaft abschließend noch ein Empfang für die deutschen Gäste statt. Insgesamt, so sagt Vogel, sei die Reise wieder "sehr bewegend und ergreifend gewesen". Auch die Resonanz in der Bevölkerung sei in diesem Jahr - aufgrund des Jubiläums - größer als in den vergangenen Jahren gewesen.