Ihr viertes Buch "'Judenbildstock' - Viehhandel und Strafprozess - Die Aufarbeitung eines Mordes im Jahre 1853 im Sinnbergwald bei Bad Brückenau" stellte am Sonntagabend Cornelia Mence in Bad Brückenaus Galerie "Form + Farbe den rund 55 Besuchern vor. Dabei verlas sie mehrere Abschnitte ihres Buches und veranschaulichte ihre Vorstellung mit Hilfe einiger Originalbilder der Dokumente, die sie zur Recherche verwendete.

"Ich habe ganze drei Jahre an meinem Buch geschrieben", sagt Mence voller Freude und Stolz.

Jede Menge Vorarbeit war nötig, um das Sachbuch erstellen zu können. Die Dokumente, die das damalige Geschehen protokollieren, erhielt sie aus dem Staatsarchiv in Marburg. Darunter waren Vernehmungsprotokolle sowie einige amtliche Schreiben. "Aus den mir vorliegenden Unterlagen habe ich möglichst viel im Buch zitiert, da ich die Sprache von damals sehr eindrucksvoll finde", erklärt die Autorin.

Unbekannter Blickwinkel auf die damalige Zeit

Zusammen mit ihrem Mann Mike veröffentlichte sie bereits drei Bücher, doch gerade ihr neuestes Werk hat es ihr angetan. Nicht nur, weil es das erste Buch ist, das sie allein geschrieben hat, sondern auch, weil es einen bisher eher unbekannten Blickwinkel auf die damalige Zeit widerspiegelt. "Es wirft ein Schlaglicht auf die Verbindung zwischen den jüdisch gläubigen Bürgern und den anderen Mitgliedern der Gemeinde im 19. Jahrhundert. Es war die Zeit der Annäherung. Die jüdischen Mitbürger sollten integriert werden, und dieser Raubmord geschah viele Jahre vor dem Holocaust.", betont Mence.

Raum Bad Brückenau im Mai 1853: Der erst 26-jährige Jude Joseph Frank, ein angesehener Viehhändler aus Schondra, reiste übers Wochenende nach Frankfurt am Main, um einige Ochsen an Metzger der Region zu verkaufen. Geschäftsreisen dieser Art führte Frank alle 14 Tage durch und gehörten für ihn zum Arbeitsalltag. Doch diesmal sollte er nicht nach Hause zurückkehren.

Am Montagabend, den 30.5.1853, plante der junge Mann seine Rückkehr nach Schondra. Die Geschäfte auf dem Frankfurter Viehmarkt liefen wie immer gut, so gut, dass er circa 1500 Gulden bei sich trug.

Warnungen und versuchter Überfall

Den Protokollen des Staatsarchivs zufolge, stieg Frank - trotz Warnungen und einem bereits versuchten Überfall - um 19 Uhr in Frankfurt in den Bus und erreichte gegen 2 Uhr nachts sein erstes Etappenziel. Einige Stunden musste er dort verharren, bis der Kutscher Blum ihm ein Pferd bereitstellen konnte, mit welchem er gegen 6 Uhr morgens Schlüchtern erreichte. Nach einer kurzen Wirtshausstärkung begann Joseph Frank den letzten Weg zu Fuß durch den Wald nach Hause - nach Schondra. Auf diesem Weg muss er seinem späteren Mörder, dem Metzger und Wirt Johann Georg Müller, aus Hessisch Züntersbach begegnet sein.

Am Morgen des 31.5.1853 machte sich auch Margaretha Schneider aus Hetzlos zu Fuß auf den Weg Richtung Wernarz, um ihrem Vater einen Besuch abzustatten. Auf Höhe des "Pilgerstocks" im königlichen Staatswald fand sie den auf dem Boden liegenden getöteten Frank umgeben einer Blutlache vor und erstattete umgehend Anzeige. Bereits kurze Zeit später wurde Johann Georg Müller verhaftet.

Zur Todesstrafe verurteilt

Den damaligen Unterlagen zufolge, sagten Zeugen aus, Müller und Frank gemeinsam am Morgen im Wald gesehen zu haben. In der weiteren Umgebung der Leiche wurde ein Messer und eine Scheide sichergestellt, welche beide dem mutmaßlichen Täter zugeordnet werden konnten. J. G. Müller ist zur Tatzeit 31 Jahre alt, verheiratet und hoch verschuldet. Doch am Tattag beglichen Müller und dessen Ehefrau einige ihrer Gläubiger, was den Tatverdacht gegen ihn noch mehr erhärtete.

Durch das Bad Brückenauer Geschworenengericht wurde der 31-Jährige zur Todesstrafe verurteilt. Müller beschwor bis zu seiner Hinrichtung im darauffolgenden März durch das Schwert seine Unschuld.

Aus schriftlichen Protokollen geht hervor, dass Joseph Frank von einigen Mitbürgern als ehrenwerten Geschäftsmann mit freundlichen Wesen beschrieben wurde. Ein Mann, dem man vertraut.

Leser wird zum Hobbykommissar

Detailliert und anschaulich schilderte Cornelia Mence die Umstände, die Hintergründe und die Aufklärung dieses Verbrechens in ihrer Buchvorstellung. "Ich finde die Thematik höchst interessant und das Ereignis hat mich berührt, daher wollte ich es mit den Menschen teilen. Und da ist ein Buch doch ein guter Weg dafür", antwortet sie auf die Frage, mit welcher Intuition sie an dem Buch arbeitete.

Mence hat mit ihrem Buch "'Judenbildstock', Viehhandel und Strafprozess - Die Aufarbeitung eines Mordes im Jahre 1853 im Sinnbergwald bei Bad Brückenau" das damalige Geschehen zum Leben erweckt. Der Leser fühlt sich emotional angesprochen und gefordert. Das Buch beschreibt die damalige Zeit, die Lebensumstände von Täter und Opfer, deren Angewohnheiten, Familienverhältnisse sowie deren Charaktereigenschaften. Er wird somit ins 19. Jahrhundert zurückversetzt oder vielleicht sogar zum Hobbykommissar.

Das Sachbuch

Die Erstauflage des thematischen Sachbuches umfasst 114 Seiten mit rund 100 Exemplaren und erschien im Januar dieses Jahres. Es ist es käuflich erwerblich oder im Handel unter der ISBN -Nummer 978-3-00-063511-3 bestellbar.

Die Autorin

Die Autorin Cornelia Mence wurde im Jahr 1955 in Bad Brückenau geboren und lebt heute mit ihrem Mann Mike in Hammelburg. Neben ihrem Beruf als Erzieherin und Gesundheitspädagogin ist sie seit 2007 als Heimatpflegerin für den Altlandkreis Bad Brückenau und für die Geschichte der Juden im Landkreis Bad Kissingen tätig. Im Jahr 1987 begannen gemeinsam mit ihrem Mann die Nachforschungen über die letzten Spuren der jüdischen Bürger in unserem Landkreis.