"Bei allen wohlwollenden Hilfsmaßnahmen wird das vom Krieg gebeutelte Land am Hindukusch aus unserer Sicht etwas vernachlässigt", hat Annegret Wolf beobachtet. Ihr Mann, Pfarrer em. Reinhard Wolf, stimmt dieser Aussage unumwunden zu. Ohnehin haben beide eine ganz besondere Beziehung zu Afghanistan: "Unser Schwiegersohn war dort längere Zeit für die Bundeswehr im Einsatz." Als Außenstehender könne man sich gar nicht vorstellen, welches Leid er dort in der Ferne gesehen hat.


Auf Grund der drastischen Schilderungen des Soldaten war den Wolfs sehr schnell klar, "dass wir sofort in irgendeiner Form helfen müssen". Nach einer Kontaktkette über mehrere Stellen stießen die Brückenauer schließlich auf Soraya Alekozei. Die 1955 in Kabul geborene Frau war 1979 mit ihrem Mann und den zwei Kindern aus Afghanistan geflüchtet. Von Deutschland aus rief sie mehrere Hilfsprojekte für ihr Heimatland ins Leben, bevor sie nach anderen beruflichen Stationen erstmals 2005 als Leutnant der Bundeswehr nach Afghanistan zurückkehrte. Dort dolmetschte sie für die Generäle und kümmerte sich um Waisenkinder. Bei einem Anschlag im Mai 2011 wurde sie so schwer verletzt, dass sie zunächst als tot galt.

Doch Soraya Alekozei überlebte. Aus der agilen Soldatin war durch den Schicksalsschlag aber eine Kriegsveteranin geworden. Trotzdem ließ sie sich nicht entmutigen, ihre Lebensaufgabe weiter konsequent zu verfolgen. "Was diese Frau auf die Beine stellt, und welche Tatkraft sie an den Tag legt, das verdient unser aller Bewunderung", sagt Annegret Wolf mit bebender Stimme. Deshalb werde man sich auch weiterhin für die leidgeprüfte Bevölkerung in Afghanistan engagieren.


Dankbar für zahlreiche Unterstützer

Dankbar zeigt sich Annegret Wolf immer wieder für die zahlreichen Unterstützer, die ihre Initiative von Anfang an mitgetragen haben. Zu den ersten Mitstreitern gehörte beispielsweise Mechthild von Czettritz und Neuhaus mit ihrem Handarbeitskreis, der Decken und warme Kleidung für die Menschen in Afghanistan fertigte. Zahlreiche Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde Bad Brückenau mit Pfarrer Gerd Kirchner und einzelne Privatpersonen engagieren sich bei den Hilfstransporten. Großzügige Sachspenden in Form von orthopädischen Hilfsmitteln stellt regelmäßig das Sanitätshaus Richter zur Verfügung. Auch diesmal hatten die Verantwortlichen der Firma tief ins Lager gegriffen und waren in der Hauptsache bei Rollstühlen und Rollatoren fündig geworden.

In der Anfangszeit wurden die Sachspenden noch mit der Bundeswehr nach Kabul geschickt. Als dieser Transportweg nicht mehr möglich war, fand das Ehepaar Wolf mit dem Verein Empor Deutschland einen zuverlässigen Partner, der den zivilen Aufbau in Afghanistan unterstützt. Schwerpunkt der Vereinsarbeit ist die Versorgung von Minenopfern und Behinderten mit orthopädischen Hilfsmitteln sowie die Einrichtung entsprechender Werkstätten, wo solche Dinge direkt vor Ort hergestellt werden können.


Einmal jährlich eine große Lieferung

Wie in diesen Tagen wieder geht einmal jährlich eine große Lieferung nach Kabul. Die zentrale Sammelstelle vor der Verladung ins Flugzeug befindet sich in München. Dorthin wurden jetzt auch die Güter aus der Rhön transportiert. Diese Tour hatten Heinz Kalmund und Eberhard Schelle übernommen, das entsprechende Fahrzeug war von der Bad Brückenauer Tafel zur Verfügung gestellt worden.

"Wir können den Weg der Spenden praktisch nahtlos verfolgten und wissen somit ganz genau, dass die Sachen auch dort ankommen, wo sie dringend gebraucht werden", spricht Annegret Wolf über ihre Erfahrungen aus der Vergangenheit. Und außerdem erhalte man aus der Ferne stets Rückmeldungen, "in denen eine unbeschreibliche Dankbarkeit zum Ausdruck kommt".