Mehr wissen die HvOler nicht, vor Ort müssen sie sich ein Bild machen. Wer ist wie schlimm verletzt, wer muss als erstes behandelt werden? Für die HvOler ist das ein außergewöhnlicher Einsatz. Nicht nur, weil sie es in ihren normalen Einsätzen meistens mit Prellungen, Platzwunden oder auch einmal mit einer unerwarteten Hausgeburt zu tun haben, sondern auch, weil dieser Einsatz eine Übung ist.

Der HvO-Tag hatte in den letzten Jahren in Bad Brückenau stattgefunden, nun auf Grund der Initiative von Patrick Günther, selbst Rettungsassistent und HvOler in Schondra, in Schönderling. HvOler, Rettungssanitäter und Feuerwehrleute aus Schondra, Motten, Zeitlofs, Sinntal, Mittelsinn und Fellen bildeten sich acht Stunden lang weiter.

Besonders für HvOler, tagsüber in anderen beruflichen Bereichen tätig - also "nicht medizinisches Personal", ist es "schwierig, medizinische Entscheidungen zu treffen", weiß Günther. Schnell entsteht so das Gefühl der Überforderung. Der HvO-Tag schult theoretisch sowie praktisch und verhilft so zu mehr Routine und schneller Entscheidung im Notfall. Fachvorträge zu den Themen "Luftrettung", "Verletzungen der Haut" und "Unfalltrauma" füllten den Vormittag aus. Verschiedene Stationen lieferten Gelegenheit, das theoretische Wissen zu vertiefen. Ob Reanimation, Behandlung von Verbrennungen oder die Rettung von Verletzten wurde geübt.

Herzdruckmassage an der Reanimationspuppe

"Die Nachbesprechung ist fast noch wichtiger als die Übung", sagt Sandra Schuhmann, die seit vergangenem Jahr die Schondraer Helfer vor Ort unterstützt und nun zum ersten Mal beim HvO-Tag dabei ist. In der Realität war sie bislang erst fünf Mal im Einsatz. "Umso wichtiger sind solche Tage", unterstreicht sie die Notwendigkeit, sich immer weiterzubilden. Nützlich, realitätsnah und toll war der Tag für sie: "Es ist gut, wenn man hier die Fehler macht und verbessert wird. Das ist die beste Schulung."

Selbst der Nachwuchs mischt schon eifrig mit. Nick übt an der Reanimationspuppe. Eine eingebaute Kontrolltafel zeigt an, ob er im Notfall mit der Herzdruckmassage erfolgreich wäre. Auch wenn jeder Handgriff des Zwölfjährigen sicher und versiert erscheint, die Sicherheit bleibt nur durch kontinuierliches Üben. Zudem lernt man bei jedem Einsatz und auch bei jeder Übung dazu.

Patrick Günther ebenso: "Es ist wichtig, sich selbst kritisch zu hinterfragen". Für einen HvOler gibt es keine richtige oder falsche Entscheidung, eine Musterlösung gibt es nie, so der Schondraer.

Kommunikation ist wichtig, das kann man an fast jeder Station beobachten. Nachdem sich der Helfer vor Ort ein Bild gemacht hat, gilt es, eine Checkliste abzuarbeiten: Funktioniert die Atmung, wie ist der Kreislauf und gibt es neurologisch Defizite? Außerdem muss geklärt werden, ob Allergien oder Vorerkrankungen vorliegen oder ob der Patient bereits Medikamente nimmt. Was bei der Erstbehandlung in Erfahrung gebracht wird, übergeben die HvOler dem später eintreffenden Rettungsdienst. Professionelle Hilfe kann so viel schneller erfolgen. Eventuell können die HvOler auch schon die Medikamentengabe vorbereiten, selbst verabreichen dürfen sie keine.

Moralische Unterstützung ist wichtig

Selbst moralische Unterstützung, das bloße "Händchen-Halten" und Beruhigen ist eine Hilfe, auch für Angehörige des Patienten. Besonders bei einem Unfall braucht es eine funktionierende Kommunikation zwischen den verschiedenen Einsatzkräften. Bei dem inszenierten Unfall mit zwei Autos und drei Verletzten begutachtet ein Feuerwehrmann die Szene und berichtet an die bereits anwesenden HvOler. Diese teilen sich auf und kümmern sich um die Verletzten.

Eine Mitfahrerin, unverletzt, aber unter Schock, kann bereits ein Auto verlassen, neben sie setzt sich eine Helferin und spricht mit ihr. Damit die beiden anderen Verletzten, eine Frau mit Nasenfraktur und Schmerzen im Rücken und ein Mann mit Wirbelsäulen-Trauma und offener Wunde am Oberschenkel, geborgen werden können, muss der Informationsfluss zwischen den Helfern stimmen.

Unterstützt wurde Organisator Patrick Günter durch die "Technische Rettung Sinntal", die Ausrüstung, aber auch viel praktische Erfahrung mitbrachte, denn sie nimmt regelmäßig an Rettungsmeisterschaften teil. Mit von der Partie waren auch Unfalldarsteller, die realistisch geschminkt, mit scheinbaren Blutungen oder Brandverletzungen, richtig behandelt werden sollen. Schauspielerisch geübt, winden sie sich in Schmerzen oder geben vage Symptome an, die von den HvOlern richtig gedeutet werden müssen.

Selbstzweifel ansprechen

Selbstzweifel können die Helfer vor Ort belasten, Kollegen beim Roten Kreuz sind hier Ansprechpartner. Die verschiedenen HvO-Gruppen, die sich seit 2013 im Altlandkreis gebildet haben, haben den Vorteil, dass es keine anonymen Gruppen sind. "Wir reflektieren zusammen den Einsatz und unterstützen uns gegenseitig", erzählt Sandra Schuhmann, die wie viele andere Teilnehmer die gute Organisation lobt.

Übrigens, HvO-Nachwuchs wird immer gesucht und kann sich bei folgenden HvO-Gruppen melden: Geroda: Tel.: 09747/ 1210 oder Mail an info@feurwehr-geroda.de; Motten: Infos im Internet; Schondra: Tel.: 09747/ 930471 oder Mail an hvo-schondra@web.de.