Nur eine Hand voll Bürger hatte sich zum Info-Abend "Bürgerdialog Stromnetz" angemeldet, etwa 50 Leute kamen. "Wir wollen diesen Südlink nicht! Wenn der erst einmal steht, kommen alle anderen Leitungen nach", brachte Maria Quant vom Sprecherkreis des Bundesverbandes "Bürgerinitiativen gegen Südlink" die Kritik auf den Punkt.

Boykott der Unterfranken

Die Diskussion in der Georgi-Halle ist Teil einer Info-Kampagne des Bundeswirtschaftsministeriumszum Netzausbau. Konkret geht es um den Bau der Höchstspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitung (HGÜ) Südlink, die im Zuge der Energiewende überwiegend Windstrom aus dem Norden in den Süden transportieren soll.
Unterfränkische Bürgerinitiativen (BI), Kommunen und der Landkreis Bad Kissingen boykottierten den Abend mit dem Argument, die Sachlage sei ausreichend bekannt. So waren es vor allem Vertreter hessischer Initiativen, die sich an der zwischenzeitlich recht hitzigen Diskussion beteiligten.

Die Bandbreite der Beiträge war weit gefächert. Mit großem Ärger kritisierte Quant, dass die Veranstalter "nicht darauf eingehen, warum wir wir diesen Südlink brauchen." Die Antwort gab sie selbst: "Nämlich für Europa." Adelheid Zimmermann (FDP), Abgeordnete des Bezirkstages Unterfranken, bezweifelte "grundsätzlich die Notwendigkeit" von Südlink. Dem widersprach Hans-Josef Fell entschieden. Es sei völlig chancenlos, Südlink jetzt noch zu verhindern. "Aber wir haben jetzt noch Einfluss darauf, dass der gesamte Südlink verkabelt wird", appellierte der ehemalige Bundestagsabgeordnete der Grünen eindringlich.

Wenn Südlink doch kommt...

Fells Worte zeigten Wirkung. "Man muss wirklich vorantreiben, dass die Erdverkabelung kommt", sagte Alfred Schrenk (SPD). Schrenk war ausdrücklich als Privatperson vor Ort, auch wenn er als Mitglied des Kreistags Bad Kissingen einer der Stellvertreter von Landrat Thomas Bold (CSU) ist. Auch Wilhelm Friedrich (CSU) wirkte nachdenklich: "Wenn es so ist, dass Südlink nicht mehr zu ändern ist...", sagte der Bürgermeister von Zeitlofs, der auch in dieser Funktion vor Ort war, "dann ist die Verkabelung eine gute Alternative."

Auch Waldemar Bug (ödp), Vorsitzender der Allianz Kissinger Bogen und Bürgermeister von Burkardroth, saß unter den Zuhörern. "Der Großteil der Informationen ist bekannt", lautete sein Fazit. Ziel der Info-Kampagne sei es, "die Trasse durchzuboxen." Tatsächlich ist der Netzausbau längst vom Bundestag beschlossen worden. "Jetzt wird versucht, irgendwie den Bürger zu überzeugen", ist Bugs Einschätzung.

Ob sich an den Plänen zum Netzausbau noch einmal etwas ändert, darüber diskutiert aktuell die große Koalition in Berlin. Eine Entscheidung soll noch vor der Sommerpause fallen.