Das Alphorn ist eine bis zu vier Meter lange Holztrompete, die in den Alpenländern sehr populär ist. Meist diente sie den Hirten, um sich über kilometerweite Entfernungen zu verständigen. Alphorn in der Rhön? Auch in den Mittelgebirgen war das Alphorn in vergangenen Jahrhunderten weit verbreitet. Doch wie so oft, gerät mit der Moderne manches in Vergessenheit. Als die Gerodaerin Ingrid Schubert 1993 in einem Urlaub den Klang der Alphörner lieben gelernt hatte, brachte sie gleich drei dieser Rieseninstrumente mit in die Rhön. Mit Freunden gründete sie die "Rhöner Alphornbläser" und machte dieses Instrument hierzulande wieder beliebt. Mit der "Rhöner Alphornmesse" in der evangelischen Kirche in Geroda setzte sie ihren Bemühungen ein Sahnehäubchen auf.

"Alphornmessen gibt es woanders öfter, doch in der Rhön noch nicht", erklärt sie. "Weil die Alphörner auch hier bei uns immer populärer werden, habe ich mir gedacht, das wäre etwas für uns." Einen Weggefährten fand sie mit dem Gauaschacher Komponisten Erich Weber. Weber hatte auf Anregung von Ingrid Schubert schon verschiedene Stücke zum Weihnachtskonzert der "Rhöner Alphornbläser" komponiert. Für ihn war es eine Herausforderung, neue Melodien für Alphörner zu komponieren, die zur Mitgestaltung bei Gottesdiensten geeignet sind. Passend zum jeweiligen Titel wurden von Erich Weber geistliche Texte hinzugefügt, die sich unabhängig vom liturgischen Ablauf in den Gottesdienst einbauen lassen. Weil die Texte ökumenisch gehalten sind, eignete sich diese Messe sowohl zu katholischen als auch zu evangelischen Mess- und Wortgottesdienstfeiern. Dem Komponisten gelang ein großer Wurf mit seinen Melodien und Texten, denn darin spiegelt sich eine bodenständige Kultur und Frömmigkeit wider, die zu Herzen ging. Der Wechsel zwischen Alphorn, Orgel und Flügelhorn-Duo machte die Messe so ansprechend.

Pfarrer Carsten Friedel, der am nächsten Tag aus der Kirchengemeinde verabschiedet wurde, leitete den Gottesdienst. Er sagte: "Die Alphornmesse ist für mich ein besonderes Abschiedsgeschenk. Es ist eine andere Form der Messe als üblich." Schon der Einstieg mit dem Gloria durch die Alphornbläser (Ingrid Schubert, Wolfgang, Fella und Reiner Morshäuser) war ein fulminanter Auftakt. Danach folgte ein gemeinsames Zwischenspiel zwischen Alphörnern und Orgel (Gerald Benisch). Bei dem melancholischen Lied "Nimm dir Zeit, wenn ein Lied erklingt" der Sängerfreunde aus Burkardroth (Elisabeth Henneberger, Wilhelm Schubert, Sigrid und Christoph Vierheilig, Monika und Emil Müller) begleiteten Ingrid Schubert auf der Zither und Elisabeth Henneberger auf der Gitarre. Dazwischen erklangen Lieder, bei denen die Gemeinde mitsingen konnte und die Alphörner Vor-, Zwischen-, oder Nachspiel intonierten. Bei einigen Melodien rundeten Waldemar Danz und Ludwig Knüttel mit ihren Flügelhörnern den weichen Klang der Alphörner ab. Stimmungsvolle Gebete und Texte rezitierten Sigrid und Christoph Vierheilig.

Gerade die wohl durchdachte Melodienfolge der verschiedenen Instrumente, gepaart mit ansprechenden Texten und dem Engagement der Mitwirkenden machte diese Messe so einzigartig, so dass die Zuhörer am Ende mit stehenden Ovationen dem Komponisten und den Mitwirkenden überaus verdient huldigten. Emil Müller als stellvertretender Landrat nahm die Gelegenheit wahr um Pfarrer Friedel im Namen des Landkreises zu verabschieden und die besten Wünsche für die Arbeit in der neuen Pfarrei zu übermitteln.