ünktlich zum Beginn der Führung von Joachim Schneider riss der bislang wolkenverhangene Himmel auf, sodass die wichtigsten Wintersternbilder draußen gezeigt werden konnten. Doch zunächst gab der Sternenführer Informationen zum Sternenpark Rhön und dem Ziel die natürliche Nachtlandschaft zu erhalten. Dazu gehöre nicht automatisch ein freier Blick in den Himmel zu den Sternen, sondern auch Nebel, Wolken und ein bedeckter Himmel seien natürlich Bestandteile der Nacht. Ein wolkenloser Nachthimmel sei eine wunderschöne Zugabe.  "Dunkelheit gehört zur Nacht", fasste es Schneider ganz banal zusammen. Es geht um eine Dunkelheit ohne künstliche Beleuchtung. So ging die Gruppe zunächst bis zur letzten Straßenlaterne von Oberelsbach.

Schneider erläuterte wie wichtig eine sternenparktaugliche Beleuchtung in den Orten sei. Denn es geht nicht darum, die Beleuchtung auszuschalten, sondern sie effektiv zu nutzen, das heißt das Licht dahin zu lenken, wo es benötigt wird, auf den Gehweg und nicht in den Himmel oder an Hauswände. Oberelsbachs Straßenbeleuchtung sei ein gutes Beispiel, wie die Nacht von Lichtverschmutzung geschützt werden könne.

Weiter ging es in die Nacht und da zeigten sich die ersten Sterne und Sternbilder. Schneider begann mit dem wohl bekanntesten Sternbild, dem großen Wagen und der Frage nach der großen Bärin. Immer wieder werde er gefragt, ob der große Wagen der große Bär sei, das sei so aber nicht ganz richtig. "Der große Wagen ist nur ein Teil des Sternbildes der großen Bärin, genauer gesagt das Hinterteil des großen Bären." Der kleine Bär sei dagegen mit dem kleinen Wagen identisch. Das Besondere am kleinen Wagen sei, dass die Spitze der Deichsel, der Polarstern ist. Das sei allerdings nicht wie viele meinen der hellste Stern am Himmel, sondern der Stern im Norden, um den sich aus unserer Sicht der Sternenhimmel drehe.

Polarstern als Fixpunkt

Für die Navigation der frühen Seefahrer war der Polarstern der Fixpunkt, an dem sie sich orientierten und ihre Position auf dem Breitengrad bestimmten. Auf der Südhalbkugel gibt es keinen Polarstern, sondern das Kreuz des Südens als Orientierungsmarke. Nicht fehlen durfte bei der Sternführung ein Blick zum Orion, der am besten an seinem Gürtel zu erkennen sei. "Es ist ein typisches Wintersternbild, das relativ gut zu erkennen ist." Schneider gab den Tipp sich von bekannten Sternbildern aus zu orientieren, dann finden sich bei klarem Himmel relativ problemlos die weiteren Sternbilder, die wie der Orion zum sogenannten  Wintersechseck gehören. "Damit wissen Sie schon mehr, als die meisten Menschen in Deutschland", meinte er.

Schließlich kam auch Sirius, der hellste Stern am Himmel  hinter den Wolken hervor, er gehört zum Sternbild Hund. Weiter ging es zu Kastor und Pollux, einem hellen Sternenpaar im Wintersternbild der Zwillinge und zur Kapella, die zum Sternbild Fuhrmann gehört. Interessant wurde es beim Sternbild Stier und dem Stern, der wie ein rotes Auge leuchtet (Aldebaran). Dies sei ein Stern, der am Ende seiner Lebenszeit angekommen sei. Ebenso sei Beteigeuze, der Schulterstern des Orion ein "roter Riese",  am Ende seiner Lebenszeit.

Schneider sprach mit den Teilnehmern über das Verlöschen von Sternen und die Super-Nova, eine große Explosion eines Sterns. "Das Spannende ist, wenn er explodiert, wird er mehrere Wochen so hell sein wie die Venus oder der Vollmond, er wird dann am Taghimmel zu sehen sein." Wann das der Fall sein wird, konnte Schneider aber nicht sagen. 

Damit war die Gruppe beim Thema Lichtjahre angekommen und der Tatsache, das das Licht am Himmel heute ein Licht aus der Vergangenheit sei. Auch die Lebenszeit der Sonne wurde thematisiert und damit die Endlichkeit des Lebens auf der Erde. Zehn Milliarden Jahre Lebenszeit werden der Sonne bescheinigt, doch auch diese Zeit werde irgendwann einmal abgelaufen sein. Das Alter von Sternen zeigte Schneider anhand des Orions. Unterhalb des Gürtels, sei eine Art Nebel zu sehen, der als Schwert des Sternbildes gelte. Ein gutes Fernglas reiche aus, um diese "Sternengeburtsstätte" näher zu betrachten.

Im Orion sehe man Geburt und Tod von Sternen aus der Perspektive der Erde also sehr nahe beieinander. Wie groß das Weltall tatsächlich ist, wurde immer deutlicher je länger die Blicke in den Himmel gingen. Die Nachbargalaxie Andromeda war in der Nacht nicht zu sehen. "Mit Milliarden von Sternen ist sie 2,5 Millionen Lichtjahre von uns entfernt."

Die Frage, ob es Galaxien mit einer zweiten Erde und Sonne gibt, konnte nicht beantwortet werden. Doch die Größe des Universums verleitete zur Annahme: "Wenn nur ein Teil dieser Sterne Planeten außen herum hat, ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns nicht so ganz alleine in diesem Universum aufhalten, recht hoch. Ob wir jemals etwas davon etwas mit bekommen, ist die andere Frage. Weil die Entfernung so groß ist und wir die wahrscheinlich nie überwinden können."