Es riecht nach frischer Farbe. Eimer stehen am Boden, das Radio läuft. Ins "Grüne Tal" in Geroda kehrt wieder Leben ein. Wer hätte gedacht, dass die Geröder ihr Vorhaben wahr machen und tatsächlich einen Nachfolger für Dietmar Scholz finden? 26 Jahre stand er hinter der Theke, gehörte einfach zum Ort dazu. "Wir hatten drei Optionen", sagt Bürgermeister Alexander Schneider (UWG). Der Markt hatte das Anwesen gekauft, um einer privaten Flüchtlingsunterkunft zuvor zu kommen. Wieder eine Gaststätte, eine Senioren-WG oder eine Unterkunft für Flüchtlinge, allerdings unter Federführung der Gemeinde, standen zur Debatte. "Das Votum war zu 90 Prozent, die Gaststätte zu erhalten", erinnert sich der Bürgermeister. Also machte sich die Gemeinde auf die Suche nach einem Pächter.


Gute Lage an der B286

Ein durchaus ambitionierter Plan, wenn man bedenkt, dass rings herum die Wirtshäuser schließen - zumal mit dem Gasthaus "Zum Hirschen" schon ein erfolgreiches Restaurant vor Ort ist. Viele Dörfer im Altlandkreis Bad Brückenau haben überhaupt kein Gasthaus mehr. "Deswegen machen wir eins auf", sagt Thomas Hergenröder spontan und grinst. Die Familie betreibt den "Landgasthof zum Weißen Rössl" in Stralsbach, seit 1918 übrigens. "Das klappt bei uns zuhause. Da denken wir, dass es auch hier funktioniert." Dann wird Hergenröder ernst.

Natürlich weiß er, dass viele Wirtshäuser kämpfen. Die Gründe dafür kennt er nur allzu gut. Oft fehle der Nachwuchs, nicht selten habe sich ein hoher Investitionsbedarf angestaut. Zudem machen Bürgerhäuser und Vereinsheime den Wirten Konkurrenz. "Die Ausgeh-Kultur hat sich verändert", stellt Hergenröder fest. Trotzdem sieht er im "Grünen Tal" Potenzial. Das Haus habe einen guten Ruf. Die Lage direkt an der B286 in unmittelbarer Nähe zur Autobahn tue ein Übriges. Die Gästezimmer sind ein Pluspunkt.

Zudem sei der Markt Geroda den neuen Pächtern entgegengekommen. Die Renovierung trägt die Gemeinde, nur für die Inneneinrichtung müssen die Hergenröders selbst aufkommen. Was den kulinarischen Nachbarn angeht, das Gasthaus "Zum Hirschen" nur ein paar Schritte weiter, so herrscht gute Stimmung.


Erste Reservierungen

"Wir kennen uns ja alle", sagt Tochter Verena und ihr Vater ergänzt: "Wer griechisch essen möchte, isst griechisch. Wer deutsche Küche möchte, kommt zu uns." Auf die Idee, ein zweites Gasthaus aufzumachen, kamen die Hergenröders nicht von selbst. Beim zweiten Nachdenken lag das aber nahe, denn "wir sind in der glücklichen Lage, dass wir zwei junge Leute hinten dran haben", erzählt Hergenröder. Seine Frau Arnita und er haben zwei Kinder. Tochter Verena ist Hotelfachfrau und hat beruflich in Deutschland Erfahrungen gesammelt. Sie macht gerade eine Weiterbildung zum Hotelbetriebswirt. Sohn Michael war als Koch schon in Deutschland und Österreich unterwegs. Nun hat es beide wieder zurück in die Heimat gezogen.

Der Pachtvorvertrag sieht erst einmal eine Dauer von fünf Jahren vor. Die Option auf Kauf des Gasthauses halten sich die Hergenröders aber bewusst offen. Los geht's im Herbst. "Wir haben ja noch nicht einmal einen Namen", sagt Thomas Hergenröder. Auch die Speisekarte sei noch nicht entworfen, wenn auch die Richtung schon stehe: Gutbürgerlich. Fränkisch. Frisch. Schon in Stralsbach setzen die Hergenröders auf regionale Produkte. "Ich denke, dass das die Zukunft ist. Die Leute interessieren sich dafür, woher die Lebensmittel kommen", sagt Thomas Hergenröder. Die Geröder indes können sich kaum gedulden. "Die ersten Reservierungen haben wir schon angenommen", sagt Verena Hergenröder mit einem Lächeln.