Er hatte es drauf ankommen lassen. Und gewonnen. Mit überwältigender Mehrheit von 387 zu 181 Stimmen (68 Prozent) wählten die Bürger aus Geroda und Platz Alexander Schneider ins Amt. Damit ist der 26-jährige Landschafts- und Gartenbaumeister der jüngste Bürgermeister im Landkreis Bad Kissingen. Mehr noch, er toppt sogar den Mottener Bürgermeister Jochen Vogel (CSU), der es im Jahr 2002 mit 29 Jahren auf den Chefsessel geschafft hat.

Respekt für den Vorgänger

"So langsam ist das gesackt", sagt Schneider und lässt sich auf eine Bank fallen. Es ist nicht ir gendeine Bank, sondern eine der Bänke auf der Platzer Kuppe. Schneiders Lieblingsplatz. Von hier hat er seine Gemeinde im Blick. Geroda, das sich wie ein bunter Haufen ins Tal schmiegt. Und Platz, aufgereiht wie eine Perlenkette an der B 286 entlang. "Man hat gesehen, dass wirklich ein Wechsel gewünscht war", kommentiert Schneider das Wahlergebnis. Amtsinhaber Manfred Emmert, der 2008 und 2002 jeweils ohne einen Gegenkandidaten antrat, wurde nach 18 Jahren als Bürgermeister ab gewählt.

"Es ist ein riesiger Vorteil, dass er mir eine sauber geführte Gemeinde übergibt", zollt Schneider der Arbeit seines Vor gängers Respekt. Der Schuldenstand des Marktes hat mit 233 853 Euro einen Tiefststand erreicht. Der Kindergarten steht frisch saniert und um eine Krippe erweitert im Ortskern und auch die anderen kommunalen Gebäude sind in einem guten Zustand. Die Gestaltung des Platzes unterhalb des Rathauses, die Sanierung der Ortsdurchfahrt Platz und die Erneuerung eines Teilstücks des Kanalnetzes unmittelbar vor der Kläranlage stehen heuer an. Schneider kann anknüpfen, wo Emmert aufhört.

"Es ist mir wichtig, die gute Arbeit fortzuführen", sagt der junge Mann, der bereits seit 2008 für die Wählergemeinschaft Geroda im Gemeinderat sitzt. Die Amtsstunde montags im Rathaus möchte er beibehalten. Ende April verbrachte er mit den anderen Bürgermeistern der Brückenauer Rhönallianz ein Wochenende im Kloster Langheim. Die alten und neuen Gesichter der Kommunalpolitik nahmen sich Zeit, um über ihr wichtigstes Projekt - das integrierte ländliche Entwicklungskonzept (Ilek) zu be raten. "Ich will nicht alles über Bord werfen, das sicherlich nicht", stellt Schneider klar. Für eines aber steht der neue Mann im Amt: Transparenz.

Von Stammtisch bis Website

"Ich möchte die Ideen und Vor schläge von den Vereinen aufgreifen und öffentlich diskutieren", sagt Schneider. Die Pro tokolle der Sitzungen des Gemeinderats wolle er öffentlich machen und die Internetseite der Gemeinde aufmöbeln. "Mir ist wichtig, dass jeder auf mich zukommen kann."

Außerdem stellt sich der neue Bürgermeister einen politischen Stammtisch vor. Die unabhängige Wählergemeinschaft Geroda/Platz (UWG), die sich Ende 2013 gründete und Schneider ins Rennen schickte, wolle drei- bis viermal im Jahr abwechselnd in Geroda und Platz ein Treffen or ganisieren, bei dem es um aktuelle Themen im Markt geht.

Themen, wie beispielsweise die geplante Stromtrasse durch die Rhön. Ginge es nach den Plänen der Netzbetreiber TenneT und TransnetBW, so soll die Trasse an der Autobahn von Norden nach Süden führen. Die Autobahn ist von der Platzer Kuppe aus fast nicht erkennbar. Nur das geschulte Auge sieht hier und da ein paar Lkw, deren Scheiben in der Sonne blitzen.

"Die Trasse würde die Rhön und unsere Landschaft so aggressiv durchschneiden, da kann man nur dagegen sein", sagt Schneider. Zusammen mit dem alten Gemeinderat hat er sich schon längst auf die Protestlisten eingetragen, die im Alt landkreis Bad Brückenau ausliegen.

Die Trasse ist nur eines der Themen, die den Gemeinderat in den kommenden fünf Jahren beschäftigen werden. Ein anderes ist der Rückgang der Bevölkerung (siehe Grafik). Nicht viele entscheiden sich bewusst für die Region wie Schneider. Andere würden gern bleiben, finden aber keine Arbeit.
Es weht ein frischer Wind im Markt Geroda, die Bürger haben es so gewollt. "Ich bin kein Mann des Stillstands", be schreibt Alexander Schneider sich selbst. Ein Revoluzzer ist er aber auch nicht. Für sein erstes Amts jahr hat er sich nur eines vorgenommen: "erst einmal in die Sache reinwachsen". Die Zeit hat er ja, als jüngster Bürgermeister im Landkreis.