Was haben sie nicht schon alles versucht. Mit Schildern, Blumenkübeln und Polizeikontrollen versuchte der Stadtrat, die Verkehrssituation in der Altstadt in den Griff zu bekommen. Doch vergebens. Nach wie vor nutzen Autofahrer die Verbindung vom Schwaneneck hinunter zum E-Center als Abkürzung, obwohl die Strecke in Teilen als verkehrsberuhigter Bereich und als Fußgängerzone ausgewiesen ist.

Im Oktober traf der Stadtrat die Entscheidung, auf Höhe Birkenbeul und dem Gasthaus "Zur Altstadt" - mittlerweile steht beides leer - Pfosten aufzustellen und so die Durchfahrt zu versperren. Eigentlich hätten die Pfosten längst stehen sollen, doch auf Empfehlung der Polizei wartete die Stadtverwaltung mit der Maßnahme, bis die Unterhainstraße wieder für den Verkehr freigegeben ist.

Vorschlag einer Einbahnstraße

Das ist nun der Fall. Doch ein Antrag von Freien Bürgern und FDP brachte das Thema in der Stadtratssitzung am Dienstag erneut auf den Tisch. "Die Pfosten sind ein Signal! Sie heißen: Hier ist geschlossen", setzte sich Adelheid Zimmermann (FDP) vehement dafür ein, keine Pfosten setzen zu lassen. Stattdessen schlug sie eine Einbahnstraßen-Regelung für den Abschnitt unterhalb der Einmündung in die Ludwigstraße vor. Fahrzeuge sollten nur noch vom Sinntor in Richtung Altstadt fahren dürfen, nicht aber andersherum.

Das brachte Stadtrat Hartmut Bös (CSU) auf die Palme. "Eine Einbahnstraße von oben bis unten (vom Sinntor bis hinauf zum Schwaneneck, Anmerkung der Redaktion) hätte ich ja noch verstanden. Aber dieser Antrag macht überhaupt keinen Sinn!" Verkehrsreferent Karlheinz Schmitt (CSU) sprang Bös bei: "Frau Zimmermann, Sie sagen, die Leute halten sich an Verkehrszeichen. Sie tun's nicht!"

Müllersgasse wird abgeschnitten

Kämmerer Leo Romeis wies darauf hin, dass die Anwohner der Müllersgasse durch eine Einbahnstraße abgeschnitten würden. Zimmermann ergänzte ihren Antrag um den Zusatz, den Anwohnern eine Sondergenehmigung auszustellen. Dann wurde abgestimmt. Nur vier Ratsmitglieder - Erwin Miller (FB), Almuth Bauer (CSU), Emanuel Fritschka (PWG) und Ingo Walcher (PWG) - unterstützten Zimmermann. 13 Räte stimmten dagegen.

"Jetzt haben wir den Beschluss, Pfosten zu setzen, zum zweiten Mal gefasst", sagte Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) am Ende der Diskussion. "Wir setzen diesen Beschluss jetzt um!" Die Pfosten sollen in einer Testphase erst einmal erprobt werden. Spätestens zum Winter werden sie wieder abgebaut, damit der Winterdienst durchkommt.

Das Problem mit den Autofahrern lösen die Pfosten freilich nicht, sie verlagern es nur. Denn wer in die Fußgängerzone einfährt, wird wohl kaum an den Pfosten wenden, sondern - so ist anzunehmen - seine Fahrt durch die Ludwigstraße fortsetzen.