Der Protest war überwältigend. Mehr als 100 Bürger strömten am Dienstagabend nach Römershag, um ein Zeichen gegen die geplante Trasse "SuedLink" zu setzen. Die Bürger wollen keine Riesen-Leitungen vor ihrer Haustür. Aber längst geht es nicht mehr allein um "SuedLink". Eine zweite Stromtrasse ist im Gespräch, das bestätigte Bezirks-, Kreis- und Stadträtin Adelheid Zimmermann (FDP), die das Treffen organisiert hatte.

"Die Gigantomanie der Stromtrassen verletzt unseren Lebensraum", brachte Zimmermann die Kritik auf den Punkt. Die Bürger zögerten nicht lange und stellten einen Verein auf die Beine, der den Namen "Sinntal gegen die Stromtrasse" trägt. 65 Mitglieder sind es jetzt schon. Und es geht weiter: Beim Stadtfest will der Verein für sich werben. Auch die Unterschriften-Listen gegen die Trasse liegen nochmals aus.

"Für mich ist noch nicht alles verloren", machte Ortsvorsteher und dritter Bürgermeister Dieter Seban (CSU) den Bürgern Mut, sich zu wehren. Am Donnerstag, 5. Juni, stellt der Netzbetreiber "TenneT" von 15 bis 20 Uhr das Projekt in der Georgi-Halle vor. In Workshops sollen Hinweise zusammengetragen und alternative Trassen vorgeschlagen werden, heißt es in der Einladung.

"Dass sich die Freude in Grenzen hält, ist uns bewusst", sagt Thomas Wagner, Bürgerreferent von "TenneT", auf Anfrage dieser Zeitung. "Um so wichtiger ist es uns, über das Projekt aufzuklären und die Bürger miteinzubeziehen." Auf die Frage, ob der Trassenverlauf noch verhandelbar sei, antwortet Wagner mit einem klaren Ja. Man müsse viele rechtliche Rahmenbedingungen beachten und "was wir nicht haben, sind die Kenntnisse vor Ort".

Demo vor der Georgi-Halle

Genau da wollen die Bürger ansetzen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Trasse über den Truppenübungsplatz verläuft", warf Norbert Schmäling, der als Kreisrat (ÖDP) und ehemaliger Bürger von Römershag zur Gründung der Bürgerinitiative gekommen war. "Vielleicht sind die Kernzonen ja unser Glück", überlegte Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU). Die besonders geschützten Bereiche des Biosphärenreservats Rhön reichen zum Teil bis an Römershag heran. Und noch viele andere Schutzgebiete gelte es zu beachten. "Das wissen die von TenneT ja alles noch gar nicht", warb Seban für eine große Beteiligung an der Info-Veranstaltung am Donnerstag.

Die Bürger jedenfalls sind gerüstet. Die Bürgerinitiativen in Kaisten (Gemeinde Wasserlosen), Elfershausen und Schondra planen bereits Protestaktionen während der Info-Veranstaltungen von TenneT, auch in Bad Brückenau, berichtet Stephanie Karges von "Ortsteile Schondra Gegen SuedLink". Der Verein hat schon 67 Mitglieder, in Elfershausen sind es sogar schon 250. Der Protest wächst.