Es war absehbar, dass es so kommen würde. Aber dass es so schnell geht, hätten wohl die wenigsten gedacht. Nachdem am Dienstagabend der Marktgemeinderat Schondra informiert wurde, ist es nun offiziell. Ab kommendem Schuljahr beginnt die schrittweise Zusammenlegung der Mittelschulen Bad Brückenau, Schondra und Wildflecken (siehe unten).

"Im Schuljahr 2014/15 haben wir 375 Schüler an allen drei Standorten", erklärt der Leiter des Schulamtes Bad Kissingen, Josef Hammerl. Das heißt im Klartext, dass im kommenden Schuljahr zwei Klassen eingespart werden müssen. Denn: "Wir haben im Schulverbund zu viele Klassen, um alle mit dem Pflichtunterricht abdecken zu können", sagt Birgit Herré, Koordinatorin des Schulverbundes. Also entschieden sich die Verantwortlichen dafür, zunächst die siebten Klassen zentral in Bad Brückenau zu unterrichten. Im Jahr darauf werden es auch die achten Klassen sein.

Bedauern auf allen Seiten

Es war keine leichte Entscheidung, die Bürgermeister und Schulleiter da treffen mussten. Das Schulamt begleitete den Prozess nur beratend. "Es ist unsere Pflicht, den Schülern ein ausreichendes Bildungsangebot zu bieten", verteidigt Herré die Entscheidung. Sie spricht von Bildungsgerechtigkeit für alle Schüler - egal, ob sie in Bad Brückenau oder dem Umland wohnen. "Für die Schulen vor Ort ist das natürlich schmerzhaft", sagt sie weiter.

"Aus pädagogischen Gründen bedauere ich die Entwicklung sehr", sagt Otto Granich, Leiter der Mittelschule Schondra. Er setze eher auf kleine Einheiten, zumal die Schülerzahlen in Schondra noch ausreichten - wenn man die Mittelschule vom Schulverbund losgelöst betrachten würde. Aber das geht natürlich nicht. Um sich überhaupt Mittelschule nennen zu dürfen, sind sowohl Wildflecken als auch Schondra von Bad Brückenau abhängig - denn dort können Schüler die Mittlere Reife ablegen, was ein Kriterium für die Mittelschule ist. Und trotzdem. "Verlierer sind in meinen Augen die Kinder", sagt Granich. Erika Hänlein, Rektorin der Mittelschule Wildflecken, wollte keine Stellungnahme abgeben.

Bayernweiter Trend

"Die Situation im ländlichen Raum ist so, dass die Schülerzahlen zurückgehen. Nicht nur in unserem Bereich", bedauert Schondras Bürgermeister Bernold Martin (CSU). Erst in der vergangenen Woche veröffentlichte die Landtagsfraktion der SPD eine Studie, nach der insgesamt 163 Mittelschulstandorte in Bayern von der Schließung bedroht sind.

Gerd Kleinhenz, Bürgermeister von Wildflecken (PWW), bedauert die Entwicklung ebenfalls. Das Aus für die Mittelschule in Wildflecken ist für ihn aber noch keinesfalls besiegelt. "Ich kämpfe dafür, weiterhin unsere Mittelschule zu erhalten", hofft er, dass sich der Trend noch mal umkehrt.

"Die Planungszahlen, die wir zur Orientierung nehmen, sind Prognosen mit allen Unwägbarkeiten", stellt Schulamtsleiter Josef Hammerl klar. Soll heißen: Ein Wunder kann immer noch passieren. Wahrscheinlich ist das aber nicht.


Schrittweise Zusammenlegung der Mittelschulen im Altlandkreis Bad Brückenau

Konzept Das Konzept des Schulverbundes sieht eine schrittweise Zusammenlegung der Mittelschulen Wildflecken, Schondra und Bad Brückenau vor. Im Schuljahr 2016/17 wird es voraussichtlich nur noch den Mittelschulstandort in Bad Brückenau geben. Eine endgültige Entscheidung ist aber noch nicht gefallen. Es handelt sich vielmehr um einen Fahrplan auf der Grundlage von Prognosen.

Schuljahr 2014/15 Ab kommendem Schuljahr werden bereits alle siebten Klassen zentral in Bad Brückenau unterrichtet. Die Schülerzahl in Bad Brückenau steigt dann von aktuell 199 auf voraussichtlich 223 an.

Schuljahr 2015/16 Die Siebtklässler des Vorjahres bleiben auch in der achten Klasse in Bad Brückenau, zudem kommt die neue siebte Klasse hinzu.

Schuljahr 2016/17 Ändert sich an der Entwicklung der Schülerzahlen nichts, so sind die Mittelschulen in Schondra und Wildflecken im Sommer 2016 Geschichte. Laut der Prognose würden dann maximal rund 330 Schüler gemeinsam in Bad Brückenau unterrichtet werden.