Nur wenige Minuten auf der Brücke über die Autobahn A7 bei der Ausfahrt Volkers reichen, um die Nase voll zu haben. Buchstäblich. Lärm, Dreck und Abgase liegen in der Luft. Schwer vorstellbar, dass hier bald auch eine riesige Stromtrasse gebaut werden soll. Der Grund für den geplanten Verlauf der Trasse an der Autobahn entlang sei das so genannte "Bündelungsprinzip", erklärt Alexander Porkristl von der Bürgerinitiative (BI) "Der Gegenstrom Elfershausen". "Zu Deutsch heißt das: Die haben schon die Autobahn, da können sie auch mit der Trasse leben."

Die Elfershäuser gingen auf die Barrikaden und gründeten Mitte April eine BI. Mittlerweile schlossen sich 250 Mitglieder dem Protest an. Auch in Schondra und Kaisten (Gemeinde Wasserlosen) bildeten sich Initiativen gegen die Stromtrasse. Bad Brückenau könnte doch der vierte Ort sein, in dem die Bürger gegen das Großprojekt aufstehen - dachte sich Adelheid Zimmermann, die für die FDP sowohl im Stadtrat- als auch im Kreis- und Bezirkstag sitzt, und lud zu einem Info-Treffen ein.

Bürger wissen noch zu wenig

Gerade einmal knapp 20 interessierte Bürger fanden den Weg ins Gasthaus "Zum Stern", darunter jeweils zwei Vertreter der BI Elfershausen und der BI Schondra sowie Franz Zang, Vorsitzender der Kreisgruppe Bad Kissingen vom Bund Naturschutz. Die Elfershäuser stellten ihre Arbeit vor und präsentierten Eckdaten zu "SuedLink".

"Erst einmal muss geklärt werden, ob diese Stromtrasse überhaupt nötig ist", sagte Markus Stockmann, Vorsitzender der BI. Die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragunsleitung, kurz HGÜ-Leitung, führe von Wilster an der Nordseeküste bis Grafenrheinfeld. Die Trasse wird von den Betreibern "TenneT" und "TransnetBW" als "Rückgrat der Energiewende" bezeichnet, weil damit Windenergie vom Norden in den Süden transportiert werden soll. "Da wird auch Kohlestrom eingespeist", werfen die Gegner den Konzernen vor. Zudem sorgen sie sich um Auswirkungen auf Natur, Tourismus, Grundstückspreise und Gesundheit.

"Wir brauchen an der Trasse entlang überall Bürgerinitiativen, damit der Druck auf die Politiker wächst", warb Florian Karges, Schriftführer der BI "Ortsteile Schondra Gegen SuedLink", mit engagierten Worten um Unterstützung bei den Bad Brückenauern. "Wissen die Leute überhaupt, was auf sie zukommt?", fragte Franz Zang. Wenn etwas passieren solle, dann müsse es "in Bälde" passieren, mahnte Josef Dieser.

Kein Vereinsvorstand in Sicht

"Grundsätzlich möchte ich, dass die Bürgerinitiative parteiübergreifend ist", sagte Zimmermann. Das soll vor allem eins heißen: "Ich möchte nicht vorne dran stehen". Markus Stockmann findet das gut. "Bei uns in Elfershausen war von Anfang an klar, dass es ein überparteiliches Projekt ist. An der Vereinsspitze stehen keine Mandatsträger." Satzung mitsamt Namensvorschlag für die Brückenauer Initiative hatte er schon im Gepäck.

Doch soweit kam es gar nicht. Nachdem die Satzung bereits besprochen war, brachte Kurt Scheller aus Römershag den entscheidenden Einwand. "Mit uns drei Hanseln hier?", fragte er in die Runde. Allzu offensichtlich war, dass sich aus den Reihen der Anwesenden keiner an die Spitze des Vereins stellen möchte. Auch Zang vom Bund Naturschutz winkte ab. "Als Beirat, ja. Aber nicht als Vorsitzender..."

"Wir haben doch alle connections", setzte sich Scheller für eine ordentliche Gründungsversammlung ein. Bis Dienstag wollen die Bürger nun ordentlich die Werbetrommel rühren.


Termin:
Am Dienstag, 27. Mai, soll in Bad Brückenau eine Bürgerinitiative gegen die Stromtrasse "SuedLink" gegründet werden. Los geht's um 20 Uhr im Gasthaus Breitenbach in Römershag. Auch der Vortrag der Bürgerinitiative aus Elfershausen wird erneut präsentiert.