Der Bau in der Leimbachstraße ist modern und zweckmäßig eingerichtet. 28 Parkplätze gibt es auf dem Gelände, das am oberen Ende der Straße liegt. "Das war ja auch ein Bedürfnis von uns", sagt Gerald Ziegler, Koordinator der Bad Brückenauer Versammlung der Zeugen Jehovas. Die Religionsgemeinschaft hatte vorher ihren Versammlungsort in der Kissinger Straße. Gerade während der Zeit der Straßensanierung war die Parksituation "alles andere als glücklich", erinnert er sich.

Mit dem Neubau vergrößert sich die Gemeinschaft. 80 Plätze gibt es im neuen Königreichsaal, der mit moderner Übertragungstechnik ausgestattet ist. Es gibt keine Instrumente. Die Lieder werden mittels Playback begleitet. Videovorträge können ebenso abgespielt werden. Dafür ist auch ein kleinerer Raum mit einem Fernseher eingerichtet worden. Dort können ausländische Besucher biblische Vorträge in ihrer Sprache verfolgen und gleichzeitig durch eine Glasscheibe die Gemeinde vor Ort sehen.

Helfer aus ganz Deutschland

Aktuell kämen etwa 50 bis 60 Besucher zu den Gottesdiensten, gibt Ziegler einen Überblick. Viele von ihnen haben beim Neubau geholfen. Aus ganz Deutschland seien Helfer, die zu den Zeugen Jehovas gehören, gekommen, berichtet Ziegler stolz. Auf etwa 200 Übernachtungen brachte es die Gemeinde. So habe der Bau komplett in Eigenleistung gestemmt werden können, freut sich Ziegler und macht klar, dass der Einsatz freiwillig erfolge.

Das erste Gotteshaus in Bad Brückenau hat die Gemeinde ebenfalls selbst gebaut - und auch finanziert, erinnert sich Ziegler. Das Haus sei in den Jahren 1976 bis 1978 gebaut worden. Auch der Neubau in der Leimbachstraße wurde nur durch Spenden der Mitglieder möglich. Wie hoch die Baukosten allerdings ausfielen, kann Ziegler nicht sagen. Der Bau sei von der Zentraleuropa-Zentrale der Zeugen Jehovas in Selters (Taunus) koordiniert worden.

"Wir sind uns bewusst, dass das alles viel Geld kostet", sagt Ziegler. Deshalb habe die Gemeinschaft auf Nachhaltigkeit gesetzt - zum Beispiel bei den Stühlen. Sie wurden abgeschliffen, neu lackiert und gepolstert. Es fällt kaum auf, dass sie schon 43 Jahre alt sind. Für den ehemaligen Königreichsaal in der Kissinger Straße ist indes noch keine weitere Nutzung bekannt. Das Gebäude steht leer. Vielleicht werde das Gebäude verkauft werden, bleibt Ziegler noch vage.

Hintergrund zu den Zeugen Jehovas

Organisation Die Zeugen Jehovas sind eine Religionsgemeinschaft, die Ende des 19. Jahrhunderts in den USA von Charles Ta ze Russell gegründet wurde. Ihre Weltzentrale befindet sich in New York City. Dort sitzt die leitende Körperschaft, die weltweit die Führung übernimmt. Vor Ort tref fen sich die Gläubigen in Ver sammlungen, die von einer Ältestenschaft geleitet werden. In Deutschland sind sie als Kör perschaft des öffentlichen Rechts anerkannt. Die Zeugen Jehovas haben nach eigenen Angaben rund 8,6 Millionen Mitglieder und sind in 240 Ländern und Territorien aktiv.

Glaubensverständnis Die Zeu gen Jehovas vertreten ein einheitliches Glaubensverständnis. Sie erkennen Jesus Christus als Erlöser und Sohn Gottes an, lehnen aber die Lehre der Dreieinigkeit ab. Sie praktizieren die Taufe nach eigener Entscheidung der Gläubigen durch Untertauchen. Sie sind überzeugt, dass das Königreich Gottes eine reale Regierung im Himmel ist, die bald auf der Erde das Sagen haben wird. Verschiedene Vorhersagen des Weltendes traten bisher nicht ein, so dass die leitende Körperschaft mittlerweile von konkreten Prophezeiungen absieht. Des Weiteren sind die Zeugen Jehovas dafür bekannt, dass sie Bluttransfusionen ablehnen und Feste wie Weihnachten und Geburtstage nicht feiern.

Finanzierung Die Zeugen Je hovas finanzieren sich über Spenden. Da die Verkündigung durch Laien und die Organisation der Versammlungen durch Eh renamtliche gestemmt wird, fal len weniger laufende Kosten als in den etablierten Kirchen an.

Ökumene Die Zeugen Jehovas zeigen kein Interesse an einer ökumenischen Zusammenarbeit mit den christlichen Kirchen, da sie im Glaubensverständnis zu große Un terschiede sehen.

Quelle: www.jw.org/wikipedia/Redaktion