Es wird wieder etwas leerer in der Fußgängerzone von Bad Brückenau. Matthias Dittmayer, 62 Jahre alt und seit 1. Juli 1990 Inhaber des Reformhauses, zieht die Konsequenz aus der stetig zurückgehenden Besucherfrequenz in der Innenstadt. Anfang Juli schließt er sein Geschäft, der Ausverkauf läuft bereits. Erst vor Kurzem machte auch das Reformhaus in Bad Kissingen zu.

Der Entschluss sei schon vor der Entscheidung des Stadtrats, die Einfahrt in die Fußgängerzone nur noch bis 13 Uhr zu erlauben, gefallen - "wobei die Öffnung der Fußgängerzone auch nachmittags für uns wichtig wäre", sagt Dittmayer. Drei Jahre zu spät sei die Erlaubnis, Fahrzeuge bis vor die Geschäfte fahren zu lassen, gekommen. Ein Jahr habe er über die Schließung nachgedacht. Im Laden zu stehen und auf Kunden zu warten, rechne sich schlicht nicht mehr - obgleich er als Hauseigentümer noch nicht einmal Miete zahlen müsse.

Ausstellung zeichnet Entwicklung der Ludwigstraße nach

"Es gibt in Städten, die so groß wie Bad Brückenau sind, so gut wie keine Reformhäuser mehr. Für die Stadt war es ein Privileg, diesen Laden noch zu haben", sagt der Einzelhändler. Viele seiner Kunden seien "entsetzt". Der Käse- und Weinliebhaber bedauert besonders, dass auch seine Käsetheke bald schon Geschichte sein wird. Ginge es nach ihm, er hätte den Laden noch weit in die Rente fortgeführt. Seine Mutter Anneliese Dittmayer hatte das Reformhaus im Jahr 1972 von den Vorbesitzern übernommen. Die Anfänge dürften bis in die frühen 1960er Jahre zurückreichen, "wenn nicht noch länger", fügt er hinzu.

Es ist kein Zufall, dass sich der gebürtige Brückenauer im Arbeitskreis Stadtgeschichte einbringt. Für das diesjährige Stadtfest zeichnen Ehrenamtliche die Entwicklung der Ludwigstraße nach. "Wenn man sich bewusst macht, was alles da war " Dittmayer beendet den Satz nicht. Dann spricht er von der Vielfalt an Geschäften, die einmal da gewesen sei, von handwerklichem Können und Wissen, was Stück für Stück verloren gehe.

Kramlädchen zieht in Sport Kötzner

Nach dem Blumenladen gegenüber vom Weltladen und der Filiale von Mäc Geiz ist es nun schon die dritte Geschäftsaufgabe in diesem Jahr. Wohin die Reise gehen könnte, wird bereits ansatzweise deutlich. Während der Unterfränkischen Kulturtage im Jahr 2016 beispielsweise war zeitweise eine Ausstellung in einem leerstehenden Geschäft zu sehen. Das Ehepaar Neumann füllt schon seit Jahren einen Leerstand mit einem Flohmarkt. Mit dem Erlös unterstützen die beiden regelmäßig die Kinder- und Jugendarbeit.

Eine Zukunft hat nun auch das traditionsreiche Kaufhaus Schäffer, ehemals Sport Kötzner, am Marktplatz. Dort wird ab Mitte Juni das Kramlädchen der Caritas einziehen. Bisher ist der Secondhandladen wie die Bad Brückenauer Tafel im ehemaligen Landratsamt am Kirchplatz zu finden. Nachdem das Gebäude aber verkauft worden war, suchten beide Einrichtungen nach einer neuen Bleibe.