Bad Brückenau
Zivilcourage

Bad Brückenau: Passant wird zum Lebensretter - doch die Geschichte endet tragisch

Wolfgang Harke ist zufällig Zeuge eines Unfalls. Beherzt reanimiert er den hilflosen Autofahrer. Das kann er nur, weil er regelmäßig Erste Hilfe übte.
Szene nachgestellt: Wolfgang Harke demonstriert, wie er Erste Hilfe an einem hilflosen Mann geleistet hat. Michael Berger vom BRK ist für den couragierten Einsatz dankbar. Foto: Ulrike Müller

Die Dellen an der Werbesäule sind noch immer zu sehen. Auf dem Tegut-Parkplatz fuhr Mitte Oktober ein Mann unkontrolliert hinein. Er hatte am Steuer das Bewusstsein verloren. Wolfgang Harke aus Bad Brückenau war zufällig in der Nähe - zum Glück.

Lebensretter aus Bad Brückenau: "Ich wusste, dass ich helfen muss"

"Das Auto war abgeschlossen, der Motor lief. Ich wusste, dass ich helfen muss", erzählt er im Aufenthaltsraum der neuen Rettungswache später. Draußen nieselt es.

Michael Berger sitzt auch am Tisch. Seit 42 Jahren arbeitet er hauptamtlich im Rettungsdienst. Er hat schon viel gesehen. "Wie oft komme ich zu einem Patienten, der reanimiert werden könnte. Aber die Menschen haben Angst, etwas falsch zu machen", sagt er. Er selbst saß an jenem Tag im Rettungswagen, zusammen mit einem Kollegen. Zwei Minuten dauerte die Fahrt von der Rettungswache zum Parkplatz. Zwei Minuten, in den Wolfgang Harke tat, was er bei zahlreichen Lehrgängen gelernt hatte.

Erste Hilfe bei der Bundeswehr gelernt

Er klopfte an die Scheibe, keine Reaktion. Sofort setzte er den Notruf ab und versuchte, die Scheibe einzuschlagen. Vergeblich. "Ein junger Mann mit osteuropäischem Akzent hat mir geholfen. Er ist vor zum Fahrer geklettert und hat den Wagen geöffnet", erzählt er. Harke legte den Mann auf den Boden und überprüfte, ob er irgendwelche Lebenszeichen erkennen konnte. Da das nicht der Fall war, begann er sofort mit der Reanimation. Harke war lange bei der Bundeswehr. Erste Hilfe-Kurse seien Pflicht gewesen, sagt er. Jedes Jahr habe er sein Wissen auffrischen müssen. In dem Moment, als er gebraucht wurde, war "alles noch präsent". Er wusste auch, dass die Rippen beim Patienten brechen würden, so wie es oft bei einer Reanimation passiert.

BRK: Passanten greifen im Notfall noch zu selten ein

"Respekt!", sagt Alexander Kretz, Kreisbereitschaftsleiter beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK). Ich finde es toll, dass einer einfach hilft, ohne darüber nachzudenken." Wie oft Passanten beherzt zugreifen, wenn ein Notfall passiert? Alexander Kretz und Michael Berger schauen sich an. "Dreimal im Jahr? Einmal?", vermuten sie. Seitdem die Rettungsleitstelle Telefonreanimation anbiete - die Anrufer also Schritt für Schritt anweist, was sie zu tun haben - habe er den Eindruck, dass mehr Patienten überleben, erzählt Berger.

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Als Michael Berger und sein Kollege den Ort erreichten, lösten sie Wolfgang Harke ab.Sie legten den Patienten auf eine Trage und behandelten ihn im Fahrzeug weiter. Die Unterstützung der örtlichen Feuerwehr sei hervorragend gelaufen, berichtet der Notfallsanitäter. 20 Minuten dauerte es, bis sie den Autofahrer wieder ins Leben brachten. "Der Mann hat einen klassischen Herz-Kreislauf-Stillstand gehabt", sagt Berger. "Der wäre tot gewesen."

Wäre diese Geschichte ein Imagefilm für das BRK oder ein spannungsreicher Kurzfilm, sie würde hier enden. Im echten Leben aber passierte es, dass der Mann nach einigen Tagen im Krankenhaus doch gestorben ist. Es habe ihn mitgenommen, als er davon erfahren habe, erzählt Wolfgang Harke. "Mein Trost ist, es hat den Angehörigen Zeit gegeben, sich zu verabschieden", sagt er leise. Und Michael Berger ist berührt. Berührt davon, dass die Angehörigen sich nach den Rettern erkundigt haben, um ihnen zu danken.

Für Wolfgang Harke war es die erste Reanimation außerhalb einer Übung. Und doch saß jeder Handgriff. Alexander Kretz ermutigt alle, sich regelmäßig mit Erster Hilfe zu beschäftigen . "Wir haben oft genug die Situation, dass die Leute daneben stehen und nichts tun", sagt er aus Erfahrung. "Einer muss anfangen."

Kurse Erste Hilfe kann trainiert werden. Verschiedene Organisationen bieten regelmäßig Auffrischungskurse an. In Bad Brückenau hält das Bayerische Rote Kreuz am 18. und 19. Februar sowie am 24. und 25. März Erste Hilfe-Kurse, jeweils von 17.30 bis 21 Uhr. Am 22. Februar wird in Bad Kissingen ein Kurs zu Erster Hilfe am Kind angeboten. Mehr Informationen finden Sie hier.

Gruppen Auf Nachfrage gibt es auch Kurse in der Rettungswache in Bad Brückenau. Die Ausbilder kommen zudem ins Haus, wenn Firmen oder größere Gruppen anfragen.