Ein Autoreifen liegt hinter alten Sitzen, achtlos in den Wald geworfen. Ein paar Meter weiter hat einer Dachziegel abgeladen, einfach so. Wer von Bad Brückenau in Richtung Wildflecken fährt und unmittelbar vor der Sinntalbrücke rechts in den Waldweg einbiegt, erlebt eine böse Überraschung. Ein Radfahrer entdeckte den Müll im Wald. Es ist zu viel, als dass ein Einzelner ihn einsammeln könnte.

Ein ähnliches Bild zeigt sich an der B 286. Von der Autobahnabfahrt kommend stößt kurz nach der Kreuzung, an der es nach Mitgenfeld geht, ein Weg auf die Bundesstraße. Der Hang fällt ab, der Lärm der Autobahn ist deutlich zu hören. Hier finden sich kleinere Metallfässer, ein Waschbecken und weiter hinten zwischen Bäumen versteckt sogar zwei Kanister. "Super 2000 Motorenoel" ist auf dem Etikett zu lesen, das halb abgerissen am Plastikbehältnis hängt.

Eines der betroffenen Waldgebiete ist in Privatbesitz, das andere gehört den Bayerischen Staatsforsten. Ein Förster aber kann schlecht jedes Stück Abfall, das er im Wald findet, mitnehmen. "Wir machen das manchmal, damit der Dreck wegkommt", sagt Forstbetriebsleiter Wolfram Zeller, "unsere Aufgabe ist es aber nicht." Stoßen die Forstleute auf Müllansammlungen wie die beschriebenen, informiert Zeller in der Regel die Kommune. Handelt es sich um gemeindefreies Gebiet, sei das Landratsamt zuständig.


24 Umweltsünden im vergangenen Jahr

24 Umweltsünden - in polizeilichem Sprachgebrauch heißen sie Verstöße nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz - bearbeitete die Polizeiinspektion Bad Brückenau im vergangenen Jahr. "Die Verstöße wurden zu 75 Prozent von den Kollegen im Rahmen des Außendienstes selbst festgestellt", berichtet Polizeihauptkommissar Michael Herbert. In 13 Fällen konnte die Polizei die Täter ausfindig machen. Straftatbestände, die ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren ergeben hätten, wurden nicht bekannt.

Auch Bauhof-Leiter Michael Krug ist bestens mit dem Thema vertraut. "Man räumt's auf, zu Lasten der Allgemeinheit", sagt er. Meistens sei nicht mehr nachvollziehbar, wer den Unrat hinterlassen habe. Erst vor drei Wochen haben Mitarbeiter des Bauhofs am Container-Stellplatz in der Buchwaldstraße einen Reisekoffer gefunden, gefüllt mit alter Kleidung und Speiseresten. Auch Gipskartonplatten, Hausmüll und Bauabfälle haben sie schon gefunden - und entsorgt.