Ein intensiver Geruch liegt in den Gängen der Georgi-Kurhalle. Arglose Besucher rümpfen hier die Nase. "Gewöhnungsbedürftig", klingt es aus deren Munde. Für geübte Heilwassertrinker ist der Geruch hingegen ein sicherer Hinweis für das besonders wertvolle Wasser, das aus der Erde sprudelt. Worüber die Stadt sich im Sommer gefreut hat, ist jetzt offiziell bestätigt: Das Trinken des Heilwassers wird als medizinische Leistung angesehen. Ab Januar dürfen Patienten eine Trinkkur in Bad Brückenau über die Krankenkassen abrechnen.

Allerdings gilt dies ausschließlich für den Georgi-Sprudel und nicht für andere Quellen in Stadt und Staatsbad. Die Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassenverbände bestätigt auf Nachfrage, dass es eine Einigung mit der Stadt in dieser Sache gebe: Damit besitzt die Stadt ein Alleinstellungsmerkmal, denn "dies wäre dann bayernweit die erste Trinkkur, die Badeärzte im Rahmen der ambulanten Vorsorgekuren verordnen können", teilt die Pressestelle der AOK Bayern mit, die der Arbeitsgemeinschaft angehört. Die Verordnung des Wassers geschieht durch einen Badearzt und die Behandlung wird durch einen Physiotherapeuten mit Kurzulassung angewiesen.

Vermarktung folgt

Im Idealfall dauere eine solche ambulante Trinkkur mit dem Heilwasser des Georgi-Sprudels drei Wochen, sagt Karin Bauer, Leiterin der Tourist-Info. Die Kosten für den Kurarzt und Kurmittel wie Bäder, Massagen und die Trinkkur mit dem Bad Brückenauer Heilwasser aus dem Georgi-Sprudel tragen die gesetzlichen Krankenkassen. Versicherte zahlen einen gesetzlichen Eigenanteil. Darüber hinaus können die Krankenkassen einen Zuschuss für Unterkunft, Verpflegung, Kurtaxe und Fahrkosten hinzufügen. Für AOK-Versicherte bedeute das konkret einen Zuschuss von 16 Euro täglich, teilt die Pressestelle der AOK mit.

Seit dem Jahr 2010 arbeitet die Stadt daran, ein neues Heilquellenkonzept für Bad Brückenau zu erstellen. "Wir haben ein wichtiges Ziel erreicht und freuen uns sehr, dass die Arbeit aus den letzten Jahren Früchte trägt", sagt die Leiterin der Tourist-Info. Die Genehmigung der Trinkkur sei allerdings nur der erste Schritt gewesen, fügt sie hinzu. Denn jetzt folge die Vermarktung, die nun zügig anlaufen müsse. "Für uns ist das Neuland", sagt Bauer und bezieht sich dabei auf die zukünftige Abrechnung der Trinkkur mit den Kassen.

Renaissance der Trinkkur?

Einen Partner hat die Stadt bereits gefunden: Der Physiotherapeut und Heilpraktiker Michael Szszesniak hat eine Kassenzulassung für ambulante Kuren. Szszensiak übernimmt die Einweisung der Patienten in die Trinkkur: "Die Heilquellen in Bad Brückenau und dem Staatsbad sind etwas ganz besonderes und definitiv ein Alleinstellungsmerkmal", sagt er. In früherer Zeit seien Menschen kilometerweit gelaufen, um das Heilwasser als Medizin zu trinken. "Das Wissen über die Heilwirkung der Quellen ist auch hier in der Region oftmals nicht bekannt."

Allerdings ist er der Meinung, dass alle Quellen in Bad Brückenau und dem Staatsbad besser vermarktet werden müssten. Von einer Renaissance der ambulanten Badekur mit der kommenden Zulassung könne dagegen nicht ausgegangen werden, ist sich Szczesniak sicher. Der Trend heutzutage gehe leider viel zu oft hin zur Tablette gegen die verschiedensten Krankheiten. Die körperliche Konditionierung durch Bewegung, Ernährung und auch reinigende Trinkkuren werde oftmals vernachlässigt.

Auch Badearzt Dr. Wolfgang Wildenauer teilt die Aussagen des Physiotherapeuten: "Die therapeutische Wirkung des Wassers wurde bisher unterschätzt." Mit der Zulassung erhalte das Wasser den Rang eines Medikamentes. Und dennoch: "Die Stadt muss bessere Rahmenbedingungen für die ambulanten Kuren schaffen", sagt er. Denn eine Zunahme der Badekuren in Bad Brückenau sieht er nur, wenn es auch eine verbesserte Infrastruktur gäbe. Konkret spricht er die fehlenden Übernachtungsmöglichkeiten - auch für größere Gruppen - sowie den Mangel am gastronomischen Angebot an.

INFOKASTEN

Für wen ist der Georgi-Sprudel gut?

Die Trinkkur kann zur Ergänzung von Kalzium und Magnesium im Körper sowie zur Regulation der Verdauung genutzt werden. Das Heilwasser findet hierbei Anwendung bei Erkrankungen des Magen und Darmes, bei Entzündungen der Magenschleimhaut, bei Verstopfung, bei Leber- und Gallen-, Blasen- und Nierenleiden. Zudem wirkt das Georgi-Heilwasser unterstützend bei Gicht und Diabetes. Teilbäder führen zu einer besseren Durchblutung der Haut und regen den gesamten Stoffwechsel an.