So richtig trennen möchte Prof. Christoph Reichel körperliche und seelische Leiden nicht. "Ärztliches Handeln kann niemals die Psyche außer Acht lassen", sagt der leitende Arzt der Klinik Hartwald im Staatsbad. Seit etwa zwei Jahren kommen immer mehr Patienten mit psychischen Erkrankungen ins Reha-Zentrum, das sich nahe der Christuskirche im Wald versteckt. Hauptschwerpunkt der Klinik ist aber die Gastroenterologie geblieben. Hier werden gezielt Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts sowie der mit diesem Trakt verbundenen Organe Leber, Gallenblase und Bauchspeicheldrüse behandelt.

Von September 2016 bis Juli 2017 stellte die Klinik Hartwald schrittweise insgesamt 80 Betten für Patienten mit psychosomatischen Erkrankungen bereit. Mit Chefarzt Jens Aron kam ein Psychiater ins Haus. Weil sich die Behandlungsschwerpunkte teilweise überschnitten hatten, haben die Klinik Hartwald (Träger ist die Deutsche Rentenversicherung Bund) und die Sinntalklinik (Deutsche Rentenversicherung Nordbayern) so ihre Profile besser voneinander abgegrenzt. Mittlerweile hat sich die Psychosomatik fest etabliert.

"Die Klinik ist gut aufgestellt. Wir können positiv in die nächsten Jahre blicken", sagt Mathias Kirchner. Seit August ist er kaufmännischer Direktor der beiden Kliniken im Staatsbad. Ein Zeichen dafür ist, dass im kommenden Jahr etwa 1,5 Millionen Euro in die Renovierung der Patientenzimmer investiert werden. Aktuell wird am Haupteingang gebaut. Ein barrierefreier Aufgang entsteht.

Herausforderungen der Digitalisierung auch im Klinik-Alltag

Einen Vorteil sieht Reichel darin, dass in der Klinik Hartwald Fachärzte der Gastroenterologie und der Psychosomatik Hand in Hand arbeiten. "Die Grenzen sind fließend", sagt er. So wie die psychische Verfassung eines Menschen sich auf seine Gesundheit auswirken könne, mache es natürlich auch etwas in der Seele, wenn eine chronische Erkrankung dauerhaft das Leben belastet und zu Einschränkungen führt.

Eine aktuelle Herausforderung, der sich alle Kliniken stellen müssten, sei die Digitalisierung. Elektronische Patientenakten müssten eingeführt werden und interne Abläufe an die neue Technik angepasst werden. Aber dabei bleibt es nicht: Langfristig möchte die Klinik Hartwald mit ihren Patienten im Gespräch bleiben. Unter dem Motto "Dialog zu Gesundheit" ist ein digitales Portal angedacht, das den Patienten hilft, das in der Reha Gelernte in ihrem Alltag umzusetzen.

Die Patienten seien mit dem Umfeld der Klink sehr zufrieden, sagt Reichel. "Die Zusammenarbeit ist gut, die Angebote werden geschätzt." Die Investitionen ins Staatsbad oder der neue Bahnradweg würden positiv aufgenommen. Und wo haben die Patienten schon ein Kammerorchester vor der Haustür? Wegen anstehender Bauarbeiten können die Proben im nächsten Jahr nicht im Kursaal stattfinden. Neben dem Regena und den Stadtwerken hat auch die Klinik Hartwald ihren Vortragsraum zur Verfügung gestellt. Als Dank, so schildert es Orchestermanager Pavol Tkac, dürfen die Patienten dann auch einmal bei einer Probe zuhören.

Profil des Reha-Zentrums Klinik Hartwald

Gründung Am 30. August 1973 wurde die Hartwald Kurklinik mit 288 Betten eröffnet. Nach mehreren Modernisierungen folgte die umfassende Sanierung der Klinik von 2003 bis 2005. Heute bietet das Haus 228 Bet ten für Reha-Patienten an.

Profil Seit 1979 wer den vor al lem Krankheiten des Verdauungssystems, des Urogenitalsystems und onkologische Krankheiten in der Klinik Hartwald be handelt. 2016/2017 wechselten 80 Betten der Urologie stufenweise zur Psychosomatik. Damit verschiebt sich das Profil der Klinik hin zu psychischen Er krankungen, wobei Behandlungen von Magen- und Darmerkrankungen auch weiterhin im Vor dergrund stehen.

Kooperation Im Jahr 2007 ver einbarten die Träger der Klinik Hartwald (Deutsche Rentenversicherung Bund) und der Sinntalklinik (Deutsche Rentenversicherung Nordbayern) eine Kooperation. Beide be finden sich im Staatsbad. Die Zu sammenarbeit ist mittlerweile konkret geworden: Seit 2015 leistet die Klinik Hartwald die gemeinsame Spei senversorgung. Auch in der Klinikleitung wurden Synergien geschaffen: Mathias Kirchner vertritt als kaufmännischer Direktor beide Kliniken.

16,7 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitsmeldungen werden aufgrund von psychischen Erkrankungen gestellt. Das ist Platz 2 aller Erkrankungsarten. Die Tendenz ist steigend. (Quelle: DAK-Gesundheitsreport 2018)

228 Betten stehen in der Klinik Hartwald insgesamt bereit. 80 davon sind Patienten mit psychosomatischen Erkrankungen zugeordnet. 148 zählen zum Bereich Gastroenterologie.

130 Mitarbeiter beschäftigt die Klinik Hartwald. Dazu kommen noch Auszubildende. Träger der Reha-Einrichtung ist die Deutsche Rentenversicherung Bund.