Wo mancherorts auf die Vorbildfunktion der Kommunen in Sachen Elektromobilität gesetzt wird, sucht man bei der Stadt Bad Brückenau noch vergeblich nach batteriebetriebenen Fahrzeugen. Seit 2017 ist allerdings Geld für ein E-Auto im Haushalt der Stadt eingeplant. Bisher fehlt es aber an der Umsetzung. Der Grund dafür: "Wir beschäftigen uns seit einigen Jahren mit dem Thema und haben bisher noch keine praxistaugliche Lösung gefunden", sagt Geschäftsleiter Michael Worschech. Gerade für längere Dienstreisen sei ein Elektroauto wenig alltagstauglich.

Dazu kommt, "dass wir direkt am Rathaus eine Ladestation bräuchten und ein Autohaus vor Ort, auf das wir im Schadensfall und bei Wartungen schnell zurückgreifen können", argumentiert Worschech weiter. Aktuell sei deshalb die Umstellung der Bad Brückenauer Fahrzeugflotte auf E-Autos nicht vorgesehen. Ein regionales Autohaus, das ein adäquates Fahrzeug anbietet, konnte seiner Aussage nach noch nicht gefunden werden.

Drei Elektrofahrzeuge

Erst vor wenigen Monaten musste die Stadt ein Boten-Auto ersetzen. "Die Wahl fiel wegen der fehlenden Angebote auf ein konventionelles, benzinbetriebenes Fahrzeug", sagt Worschech. Trotzdem ist für den Geschäftsleiter das Thema für die Zukunft nicht abgeschrieben. Im Gegenteil: "Es wird immer mehr Erfahrungen geben, auf die wir zurückgreifen können", ist er sicher. Außerdem gebe es heute schon mehr Anbieter von Elektroautos als noch vor drei Jahren. Deshalb werde auch die Möglichkeit, vor Ort ein Autohaus zu finden, immer größer.

Die Stadtwerke Bad Brückenau sind hier schon einen Schritt weiter. Drei elektrische Fahrzeuge fahren für die Montage und Betreuung der umliegenden Kläranlagen im Wirkungskreis der Rhönallianz. Die Stadtwerke bezogen die drei Fahrzeuge über ein Autohaus in Bad Neustadt. Für eine Reparatur müssten die Autos in die über 40 Kilometer entfernte Stadt gebracht werden. "Doch die Autos sind robust und viel weniger anfällig als die herkömmlichen, so dass der weite Weg bisher überhaupt kein Problem darstellte", sagt der Geschäftsführer der Stadtwerke, Michael Garhamer.

Mehr Ladestationen

Zum Thema Infrastruktur gibt es erfreuliche Nachrichten: Fünf Ladestationen haben allein die Stadtwerke in Bad Brückenau und Volkers errichtet. "Die Versorgung ist hier ausreichend, allerdings ist die Leistung der mittlerweile vier Jahre alten Batterie-Technik unserer Montagefahrzeuge ausbaufähig", sagt Garhamer. Für ihn sei eine Modernisierung der elektrischen Nutzfahrzeuge von Seiten der Hersteller wünschenswert. Aktuell seien die Fahrzeuge für die bergige Landschaft aber noch "knapp ausreichend".

Auf Nachfrage bei den zwei großen örtlichen Autohändlern bestätigen sie, dass es sich bei dem Ausbau der Elektromobilität um kein einfaches Thema, das schnell umzusetzen ist, handle. Das Mercedes-Benz Autohaus Böckler bietet beispielsweise seit dem vergangenen Jahr vollelektrisch betriebene Pkw und Transporter an. Geschäftsführer Michael Schäfer sieht die Herausforderung im Ausbau der Ladeinfrastruktur. Dazu kommt, dass die Hersteller erst nach und nach ihre Palette an Fahrzeugen erweitern. "Das alles unter einen Hut zu bekommen, ist nicht ganz einfach", sagt er.

Beim regionalen VW Autohaus Löhmer beginnt der Verkauf zweier E-Fahrzeug-Modelle Anfang April. "Die Nachfrage nach batteriebetriebenen Autos hat erst in den vergangenen Monaten zugenommen", erklärt Anton Löhmer, Geschäftsführer des Autohauses. Der Grund für den späten Start in die Elektromobilität seien fehlende Angebote des Autohersteller. Als "vorübergehende Lösung ist die E-Mobilität aber auch eine Herausforderung für die Autohäuser". Denn der Aufbau von eigenen Ladestationen sei zusätzlich mit Kosten verbunden und die Serviceleistungen zudem hoch.

Für Stadtwerkechef Garhamer ist derweil klar: "Gibt es zukünftig regionale Anbieter, dann greifen wir selbstverständlich viel lieber darauf zurück." Für die Stadt ist ebenfalls klar: "Im kommenden Haushaltsjahr wird wieder ein E-Auto eingeplant werden", sagt Geschäftsleiter Worschech abschließend.

Hintergrund

Ladestationen: Fünf Ladestationen sind aktuell von den Stadtwerken Bad Brückenau in Betrieb. Auf dem Parkplatz des Rewe-Marktes gibt es eine weitere Möglichkeit, das Auto aufzuladen.

Landkreis: Um den Fortschritt in diesem Bereich voranzutreiben, bildete der Landkreis 2017 gemeinsam mit den Kommunen einen Arbeitskreis für ein interkommunales Elektromobilitätskonzept. Das ausgesprochene Ziel: Die Ladeinfrastruktur für E-Autos auszubauen und die Anschaffung neuer Fahrzeuge in den Kommunen voranzutreiben. "Jede Kommune hat mittlerweile ihr maßgeschneidertes Paket zum Elektromobilitätskonzept erhalten. Jetzt gilt es, sich einzuarbeiten und für sich selbst auszuwerten", schreibt Pressesprecherin Lena Pfister auf Anfrage. Die Umsetzung bleibe letztlich jeder Kommune selbst überlassen. Die Landkreis-Verwaltung besitzt im eigenen Fuhrpark ein E-Auto und Mitte des Jahres kommen zwei weitere dazu.