Es ist ein idyllischer Ort, den sich ein privater Investor ausgesucht hat, um neues Bauland zu erschließen. "Die Planungen fangen jetzt erst an", sagt Willi Scheller vom städtischen Büro Bauleistungen und weist mit der Hand in Richtung einer Wiese, die sich östlich an das bereits bestehende Baugebiet "Oberes Straßfeld" in Wernarz anschließt. Vögel zwitschern und im Hintergrund ragt der Dreistelz hervor.

3,2 Hektar groß ist die Fläche, auf der bis zu 32 Bauplätze entstehen sollen. Der Stadtrat sprach sich einstimmig dafür aus, dass die Stadtverwaltung nun einen Erschließungs- und Durchführungsvertrag mit dem Investor abschließt. Auch der Flächennutzungsplan muss geändert werden. So ein Verfahren ist lang. Bis alle Punkte geklärt seien, dauere es mindestens ein halbes Jahr, schätzt Scheller.

Hart-Langeller nicht gefragt
Für Bad Brückenau ist das Vorhaben ein Glücksfall, denn durch das Engagement eines privaten Investors entstehen der Stadt keine Kosten. Es gibt aber auch eine Kehrseite: Das Baugebiet "Hart-Langeller" in Verlängerung des Auerhahnwegs ist wegen seiner Hanglage nicht gefragt.

Obwohl bereits Ende der 1990er Jahre die ersten Grundstücke bebaut wurden, hat die Stadt immer noch 18 Plätze im Angebot. "Durch die Lage auf der Südseite kann man sehr energiebewusst bauen", wirbt Scheller. Doch der Appell verhallt.

Familien ziehen ins Umland
"Ich muss etwas tun, um die Leute in der Stadt zu halten", erklärt Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU). Die Stadt halte eine Musikschule vor, ein Schwimmbad, die Schulen... "und vom Umland wird's genutzt." Dieser Hinweis geht in Richtung der Gemeinden der Brückenauer Rhönallianz. Immer wieder ziehen Familien von der Stadt ins Umland, besonders beliebt ist Oberleichtersbach. "Die Allianz ist keine Einbahnstraße", sagt Meyerdierks.

Dabei muss sich die Rathaus-Chefin fragen lassen, ob sich die Stadt selbst an den Fahrplan der kommunalen Allianz hält. Denn die Regierung von Unterfranken ist ganz und gar nicht begeistert von der Baulust der Rhöner - weder in Bad Brückenau noch in Oberleichtersbach. "Im gesamten Landkreis Bad Kissingen, insbesondere aber auch in den Gemeinden der Brückenauer Rhönallianz ist eine stark negative Bevölkerungsentwicklung prognostiziert", sagt Johannes Hardenacke, Pressesprecher der Regierung von Unterfranken.

Bauen trotz Leerständen
Das hat zur Folge, dass in den Ortskernen immer mehr Häuser leer stehen und Bauplätze - wie etwas am Hart-Langeller - zu Ladenhütern werden. "Ein wichtiges Ziel für die Allianz ist, keine neuen Wohngebiete auszuweisen", macht Hardenacke klar. Stattdessen sollten die Allianz-Gemeinden Leerstände, Gebäude, die von Leerstand bedroht sind, und Grundstücke, die noch nicht bebaut aber schon erschlossen sind, nutzen.

Dieser Ratschlag ist nicht neu. Die Brückenauer Rhönallianz hat für viel Geld ein Integriertes ländliches Entwicklungskonzept (Ilek) ausarbeiten lassen, wo genau das drin steht. Alles schön und gut. Was aber tun, wenn junge Familien die Stadt verlassen oder - wie im Fall von Oberleichtersbach - lange Wartelisten auf Bauplätze bei der Verwaltung liegen? "Ich nehme das in Kauf", stellt sich Meyerdierks hinter die Pläne des Investors in Wernarz.