Seit Januar herrscht wieder Leben im Haus der Arbeiterwohlfahrt (Awo) im Kalkgrund. Nun bekommen die Senioren der Tagespflege Nachbarn, und das dürfte spannend werden. Auf zwei Etagen wohnen bald 20 minderjährige Flüchtlinge, die ohne Begleitung nach Europa geflohen sind. "Ursprünglich wollten wir Anfang Oktober eröffnen", sagt Anna Rüthlein, Referentin für Jugendhilfe des Awo-Bezirksverbandes Unterfranken. Nun wird es erst am 19. Oktober soweit sein, dass die erste Wohngruppe mit zehn Jugendlichen startet. Die jungen Leute werden zwischen 15 und 18 Jahre alt sein.


Praktikumsplätze für Flüchtlinge gesucht

Der Grund ist nicht etwa, dass die jungen Flüchtlinge auf sich warten ließen. Ganz im Gegenteil, etwa 13.000 sind es zur Zeit in Bayern, sagt Siegbert Goll, Leiter des Jugendamts Bad Kissingen. 779 davon sind dem Bezirk Unterfranken zugeteilt worden, der wiederum 87 junge Menschen in die Verantwortung des Landkreises Bad Kissingen übergeben hat. Weil die Jugendlichen einen gesetzlichen Anspruch auf Jugendhilfe haben, ist es bei deren Unterbringung mit der bloßen Versorgung allein nicht getan. "Das Problem ist nicht die Immobilie", sagt Goll. Die Herausforderung sei vielmehr, einen Träger zu finden, der die Betreuung übernimmt.

So kommt es, dass in Bad Brückenau Räume fix und fertig zur Verfügung stehen, aber noch nicht genutzt werden können. "Von unserem Team von etwa zehn Leuten sind drei schon gefunden", sagt Rüthlein. Vor allem Sozialarbeiter, Erzieher oder Heilerziehungspfleger werden gebraucht, auch Lehrer oder Kinderpfleger können sich bewerben. Der Betreuungsschlüssel liegt bei einer Fachkraft auf zwei Jugendlichen, die Betreuung läuft rund um die Uhr im Schichtdienst. Die besondere Herausforderung: "Die Jugendliche bringen traumatische Erfahrungen mit. Es braucht Zeit, bis sich das setzt. Erst dann können die Erlebnisse verarbeitet werden", sagt Goll. Wichtig ist ihm auch, dass den Jugendlichen eine realistische Vorstellung über ihre Perspektiven hier vermittelt wird.


Info-Veranstaltung am 5. Oktober

"Ich finde es eine Bereicherung, nicht nur für uns, sondern auch für die Vereine", sagt Sabine Preisendörfer, Leiterin des Seniorenheims Willy-Brandt-Haus, das in unmittelbarer Nähe zum Kalkgrund liegt. Sobald die Eingewöhnungszeit gemeistert ist, sollen die Jugendlichen ins Schulzentrum Römershag oder in die Berufsschule gehen. Firmen, die Praktikumsplätze zur Verfügung stellen möchten, können sich melden, genauso wie ehrenamtliche Helfer, die beim Deutschunterricht helfen würden. Die Kurse organisiert zunächst das Team der Awo. "Wir als Brückenauer haben da ja jetzt Erfahrung", sagt Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) und weist auf das tolle ehrenamtliche Engagement der Bürger in der Gemeinschaftsunterkunft in Volkers hin.

Am nächsten Montag, 5. Oktober, findet eine Info-Veranstaltung zur neuen Flüchtlingsunterkunft statt. Beginn ist um 18.30 Uhr im Speisesaal des Willy-Brandt-Hauses in der Buchwaldstraße 68. Bürger, Vereine und Firmen sind herzlich zu dem Treffen eingeladen. Die Awo möchte jeden Jugendlichen mit einem Fahrrad ausstatten. Helme werden ebenfalls gebraucht. Mehr Infos unter Tel.: 09741/ 91180.